Kathrynsky's: interview
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Freitag, November 23, 2018

Tanmay Saxena, Designer des unisex, handmade-clothing labels LaneFortyfive im Interview

Freitag, November 23, 2018
Tanmay Saxena, Designer des unisex, handmade-clothing labels LaneFortyfive im Interview
Heute gibt es mal ein Interview aus London, nicht Hamburg. Tan kommt zwar nicht aus London und bezeichnet sich auch selbst als Reisender, doch im Moment lebt er dort. 
 
Bereits seit seiner Kindheit beschäftigt er sich mit Stoffen, Materialien, Strukturen und Farben. Vor etwa drei Jahren hat er dann angefangen auf einem Flohmarkt in London selbstgemachte Shirts zu verkaufen. Und zwar ziemlich erfolgreich, denn die Nachfrage nach eben diesen wuchs stetig. Also brachte er sich mithilfe von YouTube-Videos das Nähen bei und gründete relativ schnell das Label LaneFortyfive

Das Label steht für unisex, hand-made clothing. Von seiner 5.2 Kollektion (Cordorama) bin ich ziemlich begeistert, denn sie ist für mich die Verkörperung der Saison, kuschelig und doch nicht nach Geschlecht urteilend und für jeden tragbar. 

Und auch mit dem Label ging es bislang stets aufwärts, so hat er sich in London bereits einen Namen gemacht und arbeitet unteranderem auch mit Musikern wie Alan Gregory Isaac und Leon Bridges zusammen. Nachdem die britische Presse schon etwas über ihn geschrieben hat, ist er heut an der Reihe hier bei mir etwas über sich zu erzählen, also los Tan, sag mal:

Who are you?

Hah. Well. Clearly no easy starts here!
Errm … Should we come back to this one towards the end?
Because this to me is the question to an answer that would be perpetually changing. And perpetually wanting to be answered.
 
As of now, lets just say Im travelling. So a traveler. Making things, clothes, stories to keep the journey interesting and worthwhile.

So yeah, a traveler for now.

Wer bist du?

Mhhhh. Ganz klar, kein einfacher Start.
Ähm ... können wir auf die Frage vielleicht am Ende nochmal zurückkommen? 
Denn das ist für mich die Frage auf eine Antwort, die sich ständig ändern würde. Und ständig neu beantwortet werden müsste.
 
Jetzt gerade würde ich sagen, reise ich. Also bin ich ein Reisender. Ein Reisender der Dinge, Kleidung und Geschichten erschafft, damit die Reise spannender und lohnenswerter ist.

Also ja, jetzt gerade bin ich ein Reisender.


 
Where are you from?

May be now every question will seem like a double-edged sword to me, ha!
Ok. I will try to be less of my philosophical self for a change.
I was born in a small village town in the north of India. An old-skool tier-C town, and that too as per Indian standards.

Woher kommst du?

Vielleicht wird jetzt jede weitere Frage wie ein zweischneidiges Schwert für mich sein, ha!
Ok. Zur Abwechslung werde ich versuchen weniger mein philosophisches Selbst zu sein.
Ich wurde in einem kleinen, sehr ländlichen Dorf im Norden von Indien geboren. Ein Dorf nach indischen Standards.


Since when do you live in London?

Been in the UK since 2008. But in London since 2010.

Seit wann lebst du in London?

Ich lebe seit 2008 in Großbritannien. Aber seit 2010 bin ich in London. 


Tell me about your job?

It's not a job thankfully. I'd like to think I tell tales. Stories. Made up or otherwise. Primarily through designing and making clothes these days form y clothing label called LaneFortyfive

But then also writing short stories or, writing and making short films.


Erzähl mal von deinem Beruf?

Es ist glücklicherweise kein Job in dem Sinne. Ich liebe es Dinge zu erzählen. Geschichten. Eigene oder was auch immer. In erster Linie erzähle ich Geschichten durch das Design und die Herstellung von Kleidung meines Label LaneFortyfive

Aber ich mag es auch Kurzgeschichten oder Kurzfilme zu schreiben und zu drehen.

Mein Favorit 💛
LaneFortyfive



What would be your job, if you wouldn't do what you are currently doing?

A professional, highly efficient Day-dreamer. Or a top-notch freelance Procrastinator. I would be amazing at that. Please let me know if you know someone hiring for any of those positions. 

Was wäre dein Job, würdest du nicht das machen, was du jetzt machst?

Ein professioneller, hocheffizienter Tagträumer. Oder ein erstklassiger und freiberuflicher Zögerer. Darin wäre ich unfassbar gut. Falls du wen kennst der solche Stellen ausgeschrieben hat, lass es mich wissen.


What do you do when you are not working? 

You know what, the line has got blurred lately. I don't know if there is a time when I'm not working. There were 3 grey hair in my beard in 2016. As of today, that figures is a staggering 19.
 
But to answer your question, may be sleeping. At least that is when I am consciously not working.

Was machst du, wenn du nicht arbeitest?

Ach weisst du, seit einiger Zeit verwischen diese Linien mehr und mehr.
Ich kann dir nicht mal sagen, ob es Zeiten gibt in denen ich nicht arbeite. 2016 hatte ich 3 graue Barthaare. Heute zähle ich ganze 19.
 
Aber um deine Frage zu beantworten, wahrscheinlich schlafen. Wenn ich bewusst nicht arbeite, dann schlafe ich.

LaneFortyfive



In which part of London do you live?

Currently near Finsbury Park. It’s not a very good park. My work-studio is 7 minutes walk away. And I always wanted to live 7 minutes walk away from my studio. So it's working well for me so far.

In welchem Stadteil von London lebst du?

Aktuell lebe ich in der Nähe vom Finsbury Park. Es ist kein sehr schöner Park. Mein Studio ist 7 Minuten zu Fuß entfernt. Ich wollte immer 7 Minuten zu Fuß von meinem Studio entfernt wohnen. Daher ist es momentan vollkommen in Ordnung für mich.


In which other part of London could you imagen to live too?

I can live anywhere. And my imagination can run amok sometimes.

Möchtest du noch einmal in einem anderen wohnen?

Ich kann überall wohnen. Meine Fantasie kann manchmal Amok laufen.


Where would you build your dream house?

It would have to be in a warm country. Because you will have to walk mid-riff deep in water if you enter the house and walk through it from the kitchen to the bedroom, to the hall. That’s how I want to make it.
 
So probably India. Unless I get VERY rich soon and build it in Iceland.

Wo würdest du dein Traumhaus bauen?

Es müsste in einem warmen Land sein.
Denn wenn du das Haus betrittst und von der Küche in das Schlafzimmer zur Halle gehst, stehst du hüfttief im Wasser. So möchte ich es erschaffen.
 
Also wahrscheinlich Indien. Es sei denn, ich werde sehr bald seeeeehr reich sein, dann baue ich ein Haus in Island.


Is London a city full of culture for you and if yes why?

London is everything to me. I'm sure you can get a stronger dose of culture somewhere else. But the pace suits me very well. The balance suits me very well. You can go back to your boring cocoon to let your head hibernate for a while, and then be welcomed back at your own pace seamlessly.
Not sure if that was the answer you were looking for. But yes.
The answer is yes.

Ist London für dich eine Kulturstadt und was macht sie dazu?

London ist alles für mich. Ich bin mir sicher, dass man irgendwo anders eine stärkere Dosis an Kultur findet. Für mich ist dieses Tempo hier jedoch perfekt. Dieses Gleichgewicht gefällt mir.
Wenn du magst kannst du dich in deinen langweiligen Kokon zurückziehen, um deinem Kopf einen kleinen Winterschlaf zu gönnen und wenn es Zeit ist, kannst du wieder in deinem eigenen Tempo herauskriechen.
Ich bin mir nicht sicher ob dies die Antwort ist die du hören wolltest. Aber ja. Die Antwort ist ja.

LaneFortyfive


What would you change if you were mayor?

Oh, thinking about what has been going on lately, that list would be a long one.

Was würdest du ändern, wenn du Bürgermeister wärst?

Oh, wenn man darüber nachdenkt was in der letzten Zeit alles passiert ist, dann wäre diese Liste enorm lang.


Why London and not Hamburg or New York? 

Wasn’t in my hand. I had not even planned to move out of India. Just happened by chance. But I can't tell how happy I am about London.

Warum London und nicht Hamburg oder New York?

Diese Entscheidung lag nicht in meiner Hand. Es war nicht mal geplant aus Indien wegzuziehen. Es ist ganz zufällig passiert. Aber ich kann gar nicht in Worte fassen wie glücklich mich London macht.


How many hours a day is your smartphone on?

Do you mean for how long I am on it ?  A lot more than I would like to. Necessary evil, that guy.

Wie viele Stunden am Tag ist dein Smartphone an?

Meinst du, wie lange ich mich mit meinem Smartphone beschäftige? Bei weitem länger als ich gerne würde. Notwendiges Übel, dieses Ding.


No question, but a little space for your answer or what you want to get rid of:

I would get rid of that Mayor question ☺

Keine Frage, doch ein wenig Platz für deine Fragen oder für etwas was du gerne loswerden möchtest:

Ich würde gerne diese Bürgermeister-Frage loswerden 😊


Favorite song of the moment? / Lieblingssong des Moment?

“I get overwhelmed” by Dark rooms


Favorite song forever? / Lieblingssong forever?
“Universe” by Gregory Alan Isakov / “On and On” by Longpigs
 


Three places you must see while visiting London:

I can tell exactly which ones, but that wont be any fun. 
- I think you should roam along the Regents Canal in East London. You get to see some really good things.
- Barbican.
- Serpentine gallery

Drei Plätze, die man sich in London unbedingt angeschaut haben sollte:

Natürlich kann ich sie direkt beim Namen nennen, aber das würde keinen Spaß machen.
- Man sollte auf jeden Fall den Regents Canal in East London durchstreifen. Dort sieht man ein paar wirklich schöne Dinge.
- Barbican.
- Serpentine Gallery.


Would you like to greet someone else? Here is room for it:

I started writing names and the list just got too long… So I deleted it.

Möchtest du noch jemanden grüßen? Hier wäre Platz dafür:

Ich habe angefangen Namen runterzuschreiben und die Liste wurde einfach zu lang.
Also habe ich sie wieder gelöscht. 

💙💛💚
Danke für das Interview lieber Tan!

Mittwoch, März 07, 2018

Zu Gast bei den femtastics: Eine Homestory bei uns & mit mir.

Mittwoch, März 07, 2018 0
Zu Gast bei den femtastics: Eine Homestory bei uns & mit mir.


Ende Februar habe ich Besuch bekommen. Katha von dem Online Magazin femtastics hatte sich angekündigt – mit Fotografin. Um bei uns zu Haus mal zu schauen wie es aussieht und mir eine gaaaanze Menge Fragen zu stellen. Das Magazin hat sie 2015 gemeinsam mit zwei Freundinnen gegründet. Und nachdem ich Eine der Drei, Lisa, selbst schon im Interview meiner Reihe "Hamburger Menschen" hatte und bereits einige meine liebsten Freundinnen von den femtastics zu Haus oder auf der Arbeit besucht wurden, war ich jetzt an der Reihe. 

Wir leben seit einem halben Jahr in einer wunderschönen Wohnung in der Hamburger Neustadt und die Küche und das Wohnzimmer (+ das Klo, haha) zeigen wir gern her – die anderen Zimmer bleiben lieber so privat wie wir sie gern haben. 👀 Es war ein unglaublich sonniger und schöner Vormittag und als Katha und ich so ins plaudern kamen, habe ich fast vergessen, dass ich interviewt wurde. Schließlich kennen wir uns (sie bloggt privat unter i love ponys) bereits seit fast zehn Jahren und in dieser Zeit ist eine Menge passiert. Es ging um das Internet, dessen Nutzung, was es in Zukunft so bringt, wann man mal aufhören kann, bloggen an sich, das Leben, sie hat mir Fragen aus der Serie "Hamburger Menschen" gestellt und, ach lest euch doch mal rein. HIER HIER HIER ist der LINK.


 Lieben Dank für das schöne Interview! 💖


P.S. Die liebe Corinne hat mir, als sie noch einen Blog hatte, auch die "HH Menschen" Fragen gestellt, wenn ihr also noch mehr lesen wollt, dann klickt mal HIER. Und Argin, mit dem ich in dem Beitrag so schön Kaffee trinke, kennt ihr bestimmt eh schon von meinen ganzen Public Coffee Roasters Beiträgen. Ihn hatte ich auch schon im "HH Menschen" Interview. Und wenn ihr dann noch nicht genug habt, dann lest doch noch ein paar Beiträge und Interviews bei den femtastics mit meinen Freundinnen Kate, Alex, Anna, Camilla, Kadda, Vanessa, Steffi, Cathy, Melodie, Sophia oder Tina. Auch spannend, diese Interviews: Über den Mond mit Glory, Mina vom Standard oder mit Bühnenbildnerin Martina. Und und und ... meins! 💚


P.S. Was im Interview über meine Ma etwas lapidar dahergesagt klingt, war eher wie "im Herzen ein Hippie und frei" gemeint. Sie ist natürlich nicht alt 💃 .

Freitag, Januar 12, 2018

Babett Mahnert. Von udo couture. Im Moment Berliner, nicht Hamburger, Mensch.

Freitag, Januar 12, 2018 0
Babett Mahnert. Von udo couture. Im Moment Berliner, nicht Hamburger, Mensch.
Neben der Familie und dem Coaching für ein wichtiges Projekt hat Babett das Label "udo couture" gegründet. Jede Tasche ist einzigartig und ich freue mich sehr, dass ich ihr ein paar Fragen stellen durfte. Sie hat lange in Hamburg gelebt und der Norden lässt sie nach wie vor nicht los, bevor ich nun zu viel verrate, erzählt sie einfach selbst, wer sie ist und woher sie kommt:

Ich bin Babett, Designerin und Gründerin von udo couture – Bags. Handcrafted in Berlin.
Ich komme ursprünglich aus Cottbus. Seit 2000 habe ich in Berlin, auf Ibiza und in Hamburg gelebt.


Seit wann bist du in Berlin?

Seit 2006 lebe ich wieder in Berlin.


Erzähl mal von deinem Beruf?

Ich habe letztes Jahr mein eigenes Taschenlabel – udo couture - gegründet. udo couture steht für farbenfrohe Taschen, die nachhaltig in Deutschland produziert werden. Die Gründung ist ein echtes Herzensprojekt von mir. Ich habe zwei Jahrzehnte in großen Unternehmen als Beraterin gearbeitet. Letztes Jahr habe ich den Sprung in den Pool der Möglichkeiten gewagt, um komplett was anderes zu machen. Ich bin dem Ruf meines Herzens gefolgt und ich bin so unfassbar dankbar und glücklich darüber. Ich designe Taschen und Turnbeutel und liebe das Spiel mit Farben und Formen. Das spiegelt sich auch in meinen Entwürfen wider. Jede Tasche und jedes Accessoire hat einen eigenen und unverwechselbaren Look. 

Die nachhaltige Produktion und die hochwertigen Komponenten geben meinen Kundinnen ein rundum gutes und positives Tragegefühl. Das ist mir sehr wichtig. 10% des Nettopreises spende ich an soziale Projekte.



Was wäre deine Job, würdest du nicht das machen, was du jetzt machst?

Ich habe Ideen für weitere Projekte, an denen ich auch schon zum Teil arbeite. Ich habe als Coach im Rahmen von „Start Social“ soziale Start-Ups begleitet, in ihrem beruflichen Weg voranzukommen (Anmerkung: startsocial ist „Hilfe für Helfer“. Hier stehten nicht die einmalige finanzielle Förderung einzelner Projekte im Mittelpunkt, sondern der systematische Wissenstransfer zwischen Wirtschaft und sozialer Projektarbeit.)

Ich bekomme oft widergespiegelt, dass ich eine sehr motivierende Art habe. In jedem Menschen gibt es ein Licht, das ich auch finde. Ich habe ein weiteres Herzensprojekt: Ich möchte als Autorin ein Buch veröffentlichen. Ich stecke gerade in den Vorbereitungen und arbeite an der Struktur. Mit dem Buch möchte ich Menschen helfen, persönliche Erfahrungen zu verarbeiten und ihr Glück zu finden.
 
Ich liebe auch die Fotografie und das Reisen. Ich habe schon so viele wundervolle Orte gesehen und freue mich jedes Mal, die Natur, das Land und die Leute zu entdecken. Ich liebe die wunderschöne und abwechslungsreiche Natur, die Fülle und unberührte Orte. Ich lerne sehr gerne Menschen kennen und bin jedes Mal überrascht, wie unterschiedlich die Lebenswege sind, wie die Menschen leben, welche Werte ihnen wichtig sind. Doch eines ist fast immer gleich: Die Suche nach der Liebe.
Mit meiner Kamera halte ich die Natur und die Menschen in unbeobachteten Momenten fest. In Momenten, in denen sie einfach „sind“.

Singapore


Was machst du, wenn du nicht arbeitest?

Ich verbringe die meiste Zeit mit meinen Kindern und dem Mann an meiner Seite. Das ist für mich das Schönste. Ich mache gerne Ausflüge in die Natur, wir entdecken gemeinsam neue Orte. Wir sind stundenlang auf Spielplätzen oder Bauernhöfen. Meine große Tochter liebt das Reiten und Einhörner. Als Mama und als Selbständige bleibt oft wenig Zeit für mich. Deswegen verabrede ich mich täglich mit mir. Meine Inseln sind regelmäßiges Yoga, Meditieren und Lesen. Ich liebe es, von Zeit zu Zeit nur für mich zu sein.


In welchem Stadtteil von Berlin lebst du?

Ich habe in meiner 3-jährigen Hamburg-Zeit in Eimsbüttel gelebt. Das war eine aufregende Zeit, in der ich viel in der Schanze und auf dem Kiez war. Ich hatte so tolle Begegnungen mit den Menschen der Nacht und habe die Zeit deshalb sehr geliebt. Ich war viel unterwegs und trage diese spannende Zeit in meinem Herzen. In Berlin lebe ich jetzt in Zehlendorf. Früher habe ich in Charlottenburg gelebt.


Möchtest du nochmal in einem Anderen wohnen?

Ich fühle mich gerade sehr wohl an dem Ort, an dem wir leben. Allerdings planen wir, in den nächsten Jahren wieder nach Norddeutschland zu gehen, um näher am Meer zu sein – einer weiteren großen Liebe von mir. Ich fühle mich so inspiriert von seinem Rauschen, seinen Wellen, seinem Temperament. Es trägt alle Facetten des Lebens in sich: das Ruhige, das Beschwingte, die Rauheit und das Veränderliche. Ich schaue stundenlang in die Wellen und verliere mich gerne darin. Alles ist in Bewegung, so wie das Leben. Jede Welle ist anders und wenn sie vorbei ist, rollt die nächste an. Ich verbinde mit dem Meer den ständigen Wandel und dennoch Kontinuität im Sein. Es ist immer für mich da und tief in mir verankert.

ist zwar Hawaii, doch die Wellen sind auf der ganzen Welt hübsch anzusehen ...

Wo würdest du dein Traumhaus bauen?

Am Meer.


Was macht Berlin für dich zur Kulturstadt?

Ich liebe in Berlin die unterschiedlichen Plätze und Orte, die für jeden etwas bieten. Neben unendlich vielen Museen, Cafés, Boutiquen und Restaurants, gibt es so viele schöne Parks und Wälder, in denen man die Zeit verbringen kann – abseits vom Großstadttrubel. Ich liebe die Ausflüge in die Natur mit meinen Kindern. Früher haben wir in der City gewohnt und das schnelle Leben mit den vielen Möglichkeiten sehr geliebt. Seit wir Kinder haben, hat sich das verändert.


Was würdest du ändern, wenn du Bürgermeister wärst?

Ich würde die vielen politischen Labersäcke entlassen, die nur ihr eigenes Wohl im Auge haben und durch Menschen ersetzen, die sich wirklich für die Verbesserung der Welt einsetzen. Die es ernst meinen. Die das soziale Miteinander fördern. Die sich um Kinder, alte und sozial benachteiligte Menschen kümmern. Die Menschen eine Plattform bieten, sich miteinander zu verbinden. Die am Frieden arbeiten. Die bessere Lebensbedingungen für alle schaffen. Denen die Umwelt am Herzen liegt. Die ans Übermorgen denken, um schon heute den Wandel zu beginnen, der so dringend notwendig ist. Die das Bildungssystem reformieren. Menschen, die Moral besitzen und danach handeln. Menschen, die zum Thema Ernährung und Ressourcen aufklären und ein Anreizsystem schaffen, um mitzumachen und nachhaltig Veränderung zu erzielen. Das sind die Menschen, die wir brauchen, um eine schöne Zukunft zu haben.



Warum Berlin und nicht Hamburg oder New York?

Ich fühle mich in Berlin gerade sehr wohl. Es ist eine tolle Mischung aus urbaner Großstadt und grüner Metropole. Es gibt so schöne Freizeitmöglichkeiten. Berlin ist abwechslungsreich und bietet Gelegenheiten für jede Stimmung.


Weil du sie ja beide aus deiner Hamburger Zeit kennst, Alster oder Elbe?

Elbe


Wieviel Stunden am Tag ist dein Smartphone an?

Zuviele. ;) 15 h bestimmt. Allerdings habe ich Handyfreie Zonen für mich eingerichtet, zum Beispiel wenn ich mit meiner Familie zusammen bin und meinen Interessen folge.

Vietnam


Lieblingssong des Moment?

„Respect“ von Alliance Ethnik

Lieblingssong forever?


Bali


Drei Plätze, die man sich in Berlin unbedingt angeschaut haben sollte:

Ich liebe den Ausblick vom Teufelsberg – man kann mit einem 360 Grad Blick soviel entdecken. 

Einen Spaziergang durch den Grunewald finde ich sehr empfehlenswert – die wunderschöne und satte Natur abseits der Großstadt ist einfach fantastisch. 

Einen Besuch im Bikinihaus ist absolut lohnenswert – neben tollen Shoppingmöglichkeiten kann man fantastisch essen und dabei die Affen im Zoo beobachten.


Möchtest du noch jemanden grüßen, hier ist Platz dafür:

Meine geliebte Familie und meine Seelengefährtin Anja.


Freitag, Januar 27, 2017

Johanna Junker. Lüneburger Mensch.

Freitag, Januar 27, 2017 0
Johanna Junker. Lüneburger Mensch.
Heute mal kein Hamburger Mensch, sondern die wunderbare Johanna aus Lüneburg. Ich habe sie über eine liebe Freundin kennengelernt und wenn es klappt, treffen wir uns seitdem auch gern zu Dritt oder sind auch letzten Sommer bei der Fashion Week zusammen unterwegs gewesen. Ihre Mode habe ich schon mehrmals auf dem Blog gezeigt (Beispiele hier in -> Hamburg oder dort in -> Paris) und nun gibt es auch endlich mal ein paar mehr Infos über und von ihr aus ihrem Leben.

Wen ihre Mode interessiert, der hat übrigens die Chance mit dem Code kathrynsky –> 20% auf alle Produkte zu bekommen. Diesen Code könnt ihr am Ende der Bestellstrecke im Online-Shop eingegeben.

Johanna, erzähl mal, wer bist du?

Ich bin Vollzeit-Mami von zwei kleinen Söhnen, Maßschneiderin, Designerin, selbstständig, momentan immer am Limit, aber glücklich!



Woher kommst du?

Ich bin an der Elbe in der Nähe des Wendlands groß geworden. Dort durfte ich eine ungezwungene und freie Kindheit an den Elbwiesen verbringen. Immer wenn die Wildgänse gen Süden fliegen, erinnere ich mich gerne an diese Zeit zurück.


Seit wann lebst du in Lüneburg?

Ich bin schon immer in Lüneburg zur Schule gegangen, seit 2011 lebe ich nun hier – vorher habe ich vier Jahre in Berlin verbracht.



Erzähl mal von deinem Beruf?

Ich liebe ihn!

Mein Beruf ist meine Leidenschaft und ich bin sehr glücklich darüber, selbstständig arbeiten zu können. Dies gibt mir die Freiheit, die ich liebe.

Doch von Anfang an: Ich habe in Berlin eine Ausbildung zur Maßschneiderin gemacht, und wusste von Anfang an, dass ich mich irgendwann selbständig mache. Ich hatte schon immer meinen eigenen Kopf und wollte Eigenes erschaffen. Ich hatte viel Glück mit meinem Ausbildungsbetrieb und durfe in einem sehr persönlichen Umfeld das Handwerk an Brautkleidern lernen. Dort habe ich unendlich viel von der Pike auf gelernt und erkannt, dass ich diese Fähigkeiten im ersten Schritt für meine Selbständigkeit nutzen wollte.

Da am Anfang jegliche Mittel fehlten, hab ich mein Arbeitsatelier zu Hause eingerichtet. Der Platz war natürlich knapp, und vor jeder Brautkleidanprobe musste erstmal aufgeräumt werden. So war zwar immer die Bude tiptop, aber der Kinderwunsch und die Vorstellung die Arbeit immer im Haus zu haben, erweckte in mir den Wunsch nach einem eigenem Atelier.


Als ich dann mit meinem ersten Kind schwanger war, bekam ich die Chance ein Atelier in der Kulturbäckerei zu bekommen – ein Kulturzentrum hier in Lüneburg. Dort sind auch viele andere Künstler angesiedelt und ich hatte mir immer gewünscht, dass ich nicht allein im eigenen Kämmerlein nähe, sondern die Chance habe, mit anderen in den kreativen Austausch zu treten – damit man sich gegenseitig inspirieren und unterstützen kann.
Hier habe ich viel mehr Möglichkeiten, vor allem für die Ideen der eigenen Kollektion. Der Weg dorthin war spannend, aber das Durchhaltevermögen mit Kind und Kegel war nicht immer ganz einfach. Ich musste planen, investieren, Produktionen ausfindig machen und und und ... Das hatte ich mir viel einfacher vorgestellt. Dazu kam der neue Online-Shop, der ganze Vertriebspart und die Geburt meines zweiten Kindes. Ich musste mich oft sehr in Geduld üben, doch am Ende hat es funktioniert. 
 
Doch auch jetzt läuft es eher langsam und im kleinem Stil ab. Ist aber völlig in Ordnung, da mir am Ende die Zeit für meine beiden Kinder genauso wichtig ist.


In Zukunft wird es so sein, dass ich nicht nur an einer weiteren eigenen Kollektion arbeite, sondern wieder mehr in Richtung Brautkleider mache. Der Brautkleidmarkt ist sehr speziell und oft eindimensional. Ich merke, dass der Wunsch nach natürlicheren Brautkleidern und hochwertigen Stoffen gefragt ist. Zur Zeit überlege ich, wie eventuell drei bis vier Modelle entwickeln werden können, bei denen sich die Kundinnen die Stoffe und Spitzen individuell aussuchen können.

Auf jeden Fall wird es mir in diesem Jahr nicht langweilig.


Was wäre deine Job, würdest du nicht das machen, was du jetzt machst?

Ich kann mir nichts Anderes vorstellen, da ich meinen absoluten Traumjob gefunden habe. Was mir nur manchmal bei der Arbeit fehlt, ist die Zeit an der frischen Luft und die Bewegung. Vielleicht würde ich als Reiseführerin Erlebnisreisen anbieten ;-)


Was machst du, wenn du nicht arbeitest?

Ich genieße die Zeit mit meinen zwei kleinen Rackern, die mich den ganzen Tag, und auch teilweise noch in der Nacht auf Trab halten. Außerdem treffe ich mich gerne mit Freunden und freue mich jetzt schon auf die Zeit, abends wieder öfter unterwegs sein zu können. ;-)

Ich liebe es, ein gutes Buch zu lesen, und freue mich darüber abends mal eine ganze Filmlänge Zeit für mich und meinen Mann zu haben.




Möchtest du nochmal woanders leben?

Klar könnte ich mir das vorstellen, nur werde ich das wohl nicht in den nächsten Jahren. Kinder lassen einen noch mehr Wurzeln schlagen, als je zuvor! Aber mein Mann und ich sind schon viel durch die Welt gekommen und wenn die Kinder das entsprechende Alter haben, geht's wieder los. Da ist es auch schön, wieder zurück zu kommen.


Wo würdest du dein Traumhaus bauen?

Mein Traumhaus würde in der Toskana stehen, umgeben von einem riesigen Grundstück. Alle Freunde und die Familie könnten dort ein und ausgehen, und ich hätte ein paar Tiere. Ohhh das wäre toll!


Ist Lüneburg für dich auch eine Kulturstadt?

Für mich ist Lüneburg einfach wunderschön, was die Altstadt und die Cafés betrifft. Das Kulturangebot in Hamburg ist jedoch, was die meisten Dinge betrifft, eher nach meinem Geschmack. Da ist Lüneburg vielleicht einfach zu wenig Metropole. Doch mit dem noch sehr jungen Kunst- und Kulturzentrum „Kulturbäckerei“ hat Lüneburg ein Ort geschaffen, wo kreative Menschen Platz zum Arbeiten finden. Dort sind außerdem immer wieder Ausstellungen, Veranstaltungen und Theateraufführungen. Auch mein Atelier befindet sich hier, somit ist man jederzeit von kreativen Leuten umgeben, die einem weitere Inspirationen für die eigene Arbeit geben.




Was würdest du ändern, wenn du Bürgermeister wärst?

Ich würde mehr Bänke aufstellen, auch an Plätzen, die ein bisschen ruhiger gelegen sind. Als Mami fehlt mir das oft, wenn ich z.B. mit meinen Kids unterwegs bin.



Warum Lüneburg und nicht Hamburg, Berlin oder New York?

Lüneburg ist es deswegen wieder geworden, da mein Mann 2009 seine Kreativ Agentur hier gegründet hat. So wurde uns die Entscheidung ob Hamburg, oder in Berlin bleiben, abgenommen. Auch für die Familienplanung war Lüneburg an erster Stelle, da wir es uns nicht vorstellen konnten, Kinder in einer Großstadt groß zu ziehen. Man ist hier super schnell im Grünen. Außerdem wohnt die ganze Familie in unserer Ecke, meine Schwester sogar im selben Haus. Das macht vieles um einiges leichter.


Wieviel Stunden am Tag ist dein Smartphone an?

Mein Smartphone ist meistens an, aber auf lautlos eingestellt, somit werde ich nicht ständig gestört oder unterbrochen, wenn ich meinen Alltag zu meistern habe oder grad an der Nähmaschine sitze. Ich finde es nicht schön wenn es ständig piept oder ich viel in Gegenwart meiner Kinder telefoniere. Somit lasse ich das Smartphone meist in der Küche an einem Platz liegen und rufe, oder schreibe zurück, sobald ich etwas Zeit für mich habe.




Lieblingssong des Moment?

First Aid Kit - My Silver Lining



Lieblingssong forever?

Kings of Convenience - Homesick


Drei Plätze, die man sich in Lüneburg unbedingt angeschaut haben sollte:

Ich mag den Stint sehr, das Wasser, das Boot und den alten Kran. Wenn man am Wasserviertel war, kann man schön über den Marktplatz in die Altstadt laufen und da eine Runde spazieren gehen. Abends geht's dann ins Sa Bacca, wo man lecker speisen kann und außerdem sehr gutes Cocktails bekommt.



Möchtest du noch jemanden grüßen, hier ist Platz dafür:

Meinen lieben Mann, der IMMER für mich und unsere Familie da ist. Und nicht nur das: Der mir mit allen Dingen, die ich für mich und meine Arbeit brauche, tatkräftig zur Seite steht. Danke!
Außerdem einen ganz, ganz großen Dank an meine Familie, die mir immer den Rücken frei hält, wenn etwas wichtiges ansteht. Danke!

Donnerstag, April 28, 2016

Über die dunkle Seite des Paradieses. Ein Interview mit dem Ex-Präsident der Malediven: Mohamed Nasheed.

Donnerstag, April 28, 2016 0
Über die dunkle Seite des Paradieses. Ein Interview mit dem Ex-Präsident der Malediven: Mohamed Nasheed.
Bislang hatte ich den Gedanken, das Traumland auf Erden müsste sich auf den Malediven befinden. Also fing ich an mich ein wenig damit zu beschäftigen ...

Die Maschine aus Frankfurt am Main braucht für den Flug knapp 10 Stunden. Von oben, aus dem Flugzeug betrachtet, scheint alles idyllisch zu sein: türkis schimmerndes Wasser, kleine Inseln mit Palmen und weißen Sandstränden, von denen sich lange Holzstege in den Indischen Ozean schieben, an den Seiten auf Betonpfählen stehen Überwasserbungalows. Die Malediven sind für viele Urlauber ein touristisches Traumziel: Auf den rund 1.200 Eilands sinkt das Thermometer selten unter 29 Grad Celsius. 

Der Inselstaat im Indischen Ozean besteht zu 99 Prozent aus Wasser und wird auch als das "größte Aquarium der Welt" bezeichnet. Mehr als 1.000 Fischarten gibt es um die 26 Atolle und zahllosen Riffe. Ein wahres Paradies für Taucher, Schnorchler und Meeresfans.
Dafür müssen alle Dinge des täglichen Lebens importiert werden: jede Limonadenflasche, jede Arznei und jeder Barrel Öl. Knapp 340.000 Einwohner leben in der islamischen Republik und über eine Million Touristen kamen im letzten Jahr – Tendenz steigend. Zunehmend sind es Wellness-Touristen, die sich in großen luxuriösen Resorts verwöhnen lassen. 2013 waren es fast 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, das allein vom Tourismus erwirtschaftet wurde. Die Besucher steuern 60 Prozent der Deviseneinnahmen bei sowie über 90 Prozent der Steuer- und Zolleinnahmen. In der Fischerei, dem zweitgrößten Wirtschaftszweig, arbeiten hingegen nur 11 Prozent der Erwerbstätigen.

Doch jenseits des Luxustourismus regiert auf den Malediven eine Autokratie, für die Demokratie ein Fremdwort ist. Wer mal in die Hauptstadt Malé kommt, dort kann man die dunkle Seite der Malediven besichtigen, eine Parallelwelt mit schmucklosen Wohn- und Bürotürmen, zwischen denen es kaum Grünflächen und Parks gibt, dafür aber Unmengen an Motorrädern und Umweltverschmutzung. Überall drängen sich Menschen, darunter viele Gastarbeiter aus Bangladesh, Nepal und anderen "Drittweltländern". Die Wohnungsmieten sind aberwitzig hoch, der Drogenkonsum ist ein Problem, das Auswärtige Amt warnt vor Bandenkriminalität. Dazu kommen Demonstrationen von Sympathisanten der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS). Repressionen gegen die politische Opposition stehen an der Tagesordnung, Journalisten verschwinden spurlos, und viele Oppositionsführer sitzen in Haft oder aufgrund fadenscheiniger Beschuldigungen auf der Anklagebank.

Mohamed Nasheed, 48 Jahre alt, war von 2008 bis 2012 Präsident des Inselstaats: der erste demokratisch gewählte Regierungschef der Malediven. Damals feierte das ganze Land Nasheeds Wahlerfolg. Zuvor hatte der Autokrat Maumoon Abdul Gayoom die Geschicke des Inselstaats über dreißig Jahre lang kontrolliert. In dieser Zeit war Nasheed als Menschenrechtsaktivist tätig. Deshalb blieb er dem Gayoom Regime stets ein Dorn im Auge, für sechs Jahre wurde Nasheed inhaftiert, achtzehn Monate saß er in Einzelhaft und wurde auf der berüchtigten Gefängnisinsel Dhoonidhoo gefoltert.

Als Nasheed Präsident wurde führte er in seiner Amtszeit die Krankenversicherung und Mutterschutzgesetze ein, eine kommunale Selbstverwaltung, einen Busdienst in Malé und Fährverbindungen zwischen den Inseln. Bis dahin hatte es kein öffentliches Verkehrssystem gegeben. Nasheed erließ ein Steuergesetz, um all das zu finanzieren: Erstmals mussten die Resortbesitzer Steuern zahlen. Nasheed wohnte in keinem pompösen Palast, er öffnete das Land für Flüge der israelischen Fluggesellschaft El Al, und er kümmerte sich um die Umwelt.


International bekannt machte ihn eine Kabinettssitzung, die er auf dem Meeresgrund abhielt. Damit wollte Nasheed darauf aufmerksam machen, dass seine Heimat durch den Anstieg des Wasserspiegels - verursacht durch den Klimawandel - zu versinken droht. Sein Umweltengagement beim Klimagipfel 2009 in Kopenhagen, seine Verhandlungen mit anderen Inselstaaten und Indien sowie seine Rhetorik beeindruckten viele innerhalb der Weltgemeinschaft. Manche sahen in ihm den ersten "Klimapräsidenten" der UN.

2012 wurde er aus dem Amt geputscht, sagt Nasheed – eine Einschätzung, die viele politische Beobachter teilen. Bei der Wahl ein Jahr später gewann Nasheed den ersten Wahlgang, verpasste aber die absolute Mehrheit. Das Oberste Gericht annullierte die Wahl unter fragwürdigen Umständen. Mehrere Wahltermine folgten, wurden verschoben, bis der jetzige Präsident Abdulla Yameen, ein Halbbruder des langjährigen Diktators Gayoom, überraschend als Sieger aus den Wahlen hervorging. Dem alten Regime nahestehende Kräfte gewannen schnell wieder an Einfluss, unterstützt von konservativen islamistischen Gruppierungen. 

Immer wieder gibt es Übergriffe der Polizei auf Nasheed und die Anhänger seiner "Maledivischen Demokratischen Partei" MDP, berichtet Amnesty International. Sogar ein osteuropäisches Killerkommando hatte man auf Nasheed angesetzt. Seitdem kämpfte Nasheed aus der Opposition heraus gegen das Regime.
Der vorläufige Höhepunkt der Willkür: 2015 wurde der Meereswissenschaftler verhaftet und zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Einen Verteidiger hatte man ihm während des Prozesses nicht gewährt, einer von Nasheeds Anwälten wurde Opfer eines Attentats. Der Geheimdienst sei darin verwickelt, besagen Gerüchte. Das Gericht in Malé begründete die Verhaftung damit, dass Nasheed während seiner Amtszeit gegen nationale Anti-Terrorismus-Gesetze verstoßen habe. Tatsächlich hatte er 2012 einen ranghohen Richter unter Korruptionsvorwürfen festnehmen lassen. Die Richter urteilten, Nasheed habe den Richter damals "entführt" und damit einen Terrorakt begangen. 

Ein "politisch motivierter Scheinprozess", urteilten Amnesty International, Indien und die Vereinigten Staaten. Das UN-Menschenrechtskommissariat kritisierte das Verfahren als "unfair". Die Verurteilung sei "willkürlich und unangemessen" gewesen. Christoph Strässer, ehemaliger Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe sah Grund zur Annahme, dass "gegen nationales und auch internationales Recht verstoßen wurde".

Ende Januar erreichten die international renommierten Menschenrechtsanwälte Amal Clooney, Ben Emmerson und Jared Genser, dass Nasheed mit seiner Ehefrau und seinen beiden Töchtern aus medizinischen Gründen die Malediven verlassen durfte.

Von links: Jared Genser, Mohamed Nasheed and Amal Clooney via NBC NEWS

Mohamed Nasheed ist Botschafter der Klimaschutzorganisation 350.org, die den alternativen Nobelpreis erhalten hat, und Träger des "Anna-Lindh-Award", der ihn für sein Menschenrechtsengagement auf den Malediven verliehen wurde (benannt nach der ermordeten schwedischen Außenministerin). 2010 erhielt er dem Umweltpreis der UN ("Champions-of-Earth-Award"), 2012 der "James-Lawson-Award" für sein gewaltfreies Engagement. Das US-Magazin Newsweek nahm ihn in die Liste der "10-besten-Führer-der Welt" auf.

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat 2015 eine parlamentarische Anfrage eingebracht und die Abgeordneten des EU-Parlaments die Achtung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit auf den Malediven gefordert. 

Jürgen Trittin, Mohamed Nasheed und Michael Marek beim Interview in London

Vor ein paar Wochen führten Michael Marek und der ehemalige Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen) ein Interview mit Mohamed Nasheed in London. Fast wäre ich selbst mitgeflogen, doch leider ... ach was soll es, Nasheed ist ein wahnsinnig interessanter Gesprächspartner und die beiden Herren haben es natürlich wunderbar gemacht, lest euch mal rein:

Herr Nasheed, die maledivische Regierung hat Sie überraschend ausreisen lassen. Warum?

Ich bin nach London gekommen, um meinen Rücken medizinisch versorgen zu lassen. Das autoritäre Gayoom Regime hatte mich ja ins Gefängnis gesteckt, ich habe 18 Monate in Isolationshaft verbracht, ich wurde mehrfach gefoltert, man hat mir den Rücken gebrochen. Mein deutscher Arzt hilft mir, so gut er kann. 

Ihnen wurde 2015 erneut unrechtmäßig und unter fadenscheinigen Vorwänden der Prozess gemacht. Anschließend verurteilte man sie zu 13 Jahren Gefängnis. Die UN, das EU Parlament und Amnesty International haben das Vorgehen der maledivischen Regierung vehement kritisiert. Wieso hat man Sie jetzt ausreisen lassen?
 
Das geschah auf internationalem Druck hin - vor allem, weil sich Indien, die USA, Großbritannien und Deutschland für mich eingesetzt haben. Ich kenne die Motive nicht, warum der jetzige Präsident Abdulla Yameen, ein Halbbruder des langjährigen Diktators Gayoom, mich und die gesamte politische Opposition verhaften ließ. Vermutlich aber hat er sich für politisch stark genug gehalten. Aber das Vorgehen hat ihn nicht gestärkt. Heute ist Yameen zunehmend isoliert – von seiner eigenen Partei, dem Militär und der Polizei. Die Malediver gehen auf die Straße und demonstrieren für unsere Freilassung. Mit meiner Ausreise hat Yameen nach einem Ausweg gesucht, auch um sein eigenes Gesicht zu wahren. Aber letztlich entscheidend war der internationale Druck.

via BBC NEWS

Gibt es eine Vereinbahrung zwischen dem Regime und Ihnen? 

Nein, es gibt keine Vereinbarung mit dem Regime. Ich sage, unglücklicherweise gibt es kein Übereinkommen. Denn wir wollen die Demokratie auf den Malediven wieder herstellen, und dafür brauchen wir eine Verständigung. 

Lassen Sie uns über Cherie Blair sprechen. Die Gattin des ehemaligen Premierministers Tony Blair hat für ihre Kanzlei "Omnia Strategy" die Regierung der Malediven gegen Sie vor Gericht vertreten – angeblich für eine sehr hohe Summe. Ein "politisch motivierter Scheinprozess", urteilten Amnesty International, Indien und die Vereinigten Staaten. Waren Sie enttäuscht über Frau Blair?

Ich bin natürlich sehr traurig über ihr Engagement für die Regierung der Malediven. Ich denke, dass Frau Blair anfangs nicht gut informiert wurde. Aber später hätte sie das korrigieren können. Vielleicht dachte sie auch, Einfluss auf die Regierung sozusagen durch die Hintertür nehmen zu können. Aber das ist nicht geschehen. Sie ist die Gattin eines Ex-Premierministers, und meine Prinzipien sagen mir: Wenn man Premierminister wird, bleibt man es - auch nach Amtsende. Man sollte sich zur Ruhe setzen und nicht Dinge wegen des Geldes machen. Als ehemaliger Amtsinhaber sollte man sozusagen in Armut sterben, verstehen Sie was ich meine? Churchill konnte nicht einmal seine Rechnungen bezahlen, bevor er starb. 

Wie stellt sich die politische Situation auf den Malediven dar?

Bis 2008 gab es auf den Malediven eine autokratische Einparteienherrschaft. Dann konnten wir, die demokratische politische Opposition, die erste Mehrparteienwahl durchsetzen. Damit haben wir sozusagen das "Sultanat" hinter uns gelassen. 1965 wurden wir unabhängig und eine Republik. Das war aber nicht gleichbedeutend mit freier Meinungsäußerung, Demokratie und der Wahrung der Menschenrechte. Dann folgte – von 2005 bis 2008 - eine Zeit der Proteste im ganzen Land. Viele junge Leute wollten, dass sich politisch etwas ändert, wollten eine neue Verfassung. Präsident Gayoom war damals im Amt. Wir wollten ihn davon überzeugen, dass es Zeit war für demokratische Veränderungen, dass wir einen Mehrparteienstaat brauchten. Wir hatten Glück, dass wir aus dem Nichts tatsächlich eine Partei gründen konnten. Aber: Man kann einen Diktator stürzen, trotzdem es ist nicht so einfach, die Kultur einer Diktatur zu verändern. Ihre Fangarme umklammern noch immer unsere Gesellschaft. Während meiner Amtszeit haben wir es nicht geschafft, die Demokratie in unserer Verfassung zu festigen.

via United States

Ist der Prozess der Demokratisierung auf den Malediven damit gestoppt oder gar beendet?

Nein, denn wir konnten erstmals in der Geschichte unseres Landes politische Strukturen aufbauen. Wir haben es geschafft, eine demokratische Partei zu gründen. Unsere politischen Gegner mussten uns nachahmen, und so entstand ein politisches Parteiensystem. Präsident Yameen kann nicht mehr hinter die Verhältnisse der 1970er und 1980er Jahre zurück. Es gibt in der jetzigen Regierung eine Auseinandersetzung zwischen reaktionären Kräften, die keine Demokratie wollen, Konservativen und militanten Islamisten. Aber sie haben keine Mehrheit in der Bevölkerung, und ihnen fehlt die Legitimität. Präsident Yameen ist schwach, ich glaube nicht, dass er nächstes Jahr noch im Amt sein wird.
Unsere Regierung ist eine Bedrohung für die internationale Sicherheit: Es gibt Machtmissbrauch, Geldwäsche, Menschen- und  Drogenhandel, der islamistische Terrorismus wird bei uns finanziert, Menschen werden für den Dschihad in Syrien und im Irak rekrutiert. Präsident Yameen steckt in echten Schwierigkeiten. Wir haben es mit einer tickenden Zeitbombe zu tun. 

Was sind die Gründe für den Aufstieg des IS auf den Malediven?

Es gibt diese typischen Argumente: Arbeitslosigkeit, soziale Benachteiligung, mangelnde Bildung und so weiter. Aber ich glaube, der Islamische Staat ist vor allem ein ideologisches Phänomen. Als Kinder wurden wir im Sinne eines liberalen und toleranten Islam erzogen. Der Islamismus ist bei uns seit den 1970er Jahren auf dem Vormarsch. Konservative Imame aus Saudi Arabien brachten damals die Lehren ins Land. Als Diktator Gayoom die Macht übernahm, unterdrückte er alle politischen Gegner. Religion wurde zur einzigen Möglichkeit, sich gegen das Regime zu stellen. Heute haben wir Menschen, die sich offen zum Islamischen Staat bekennen. Die meisten gehören Straßengangs ans, sind ehemalige Militärs, Strafgefangene, denen die Unbarmherzigkeit zur zweiten Natur geworden ist. Aber die ganz überwiegende Mehrheit der Malediver will in Frieden leben und verteidigt ihre Werte. 

Sollte der Westen die Malediven mit Sanktionen belegen?

Um einen kontrollierten und friedlichen Übergang zu gewährleisten, brauchen wir die Hilfe der internationalen Gemeinschaft und besonders von Deutschland. Gezielte Sanktionen gegen die Regimeführung sind notwendig. Damit verstoßen sie nicht gegen ihre Prinzipien, wir brauchen auch keine finanzielle Unterstützung. Es geht allein darum, vielleicht fünf Personen mit einem Aufenthaltsverbot in Deutschland und Europa zu belegen. Wenn das geschieht, wird das Regime zusammenbrechen. 

Sollten Touristen weiterhin auf die Malediven fahren, oder sind Sie für einen Boykott? 

Ich halte gezielte Sanktionen für sinnvoll. Einen Boykott lehne ich ab, weil er vor allem unsere Bevölkerung trifft. Die Machthaber würde ein solcher Boykott wenig kümmern. Meine Botschaft lautet deshalb: Besuchen Sie weiter die Malediven, kommen Sie zu uns! Aber zugleich sollte die Bundesregierung mit gezielten Sanktionen gegen vielleicht fünf Personen des Regimes vorgehen. 

Was würde noch helfen?

Ganz sicher ein Telefonat der Vorstandsvorsitzenden der großen Reiseveranstalter wie TUI, DER oder Thomas Cook mit dem Präsidenten der Malediven. Darin sollten sie die Freilassung aller politischer Gefangener fordern. 

Das ist bislang nicht geschehen ...

Stimmt, und warum nicht? 

Die Touristik-Unternehmen haben Angst, Geld zu verlieren … 

Wenn die Reiseveranstalter so denken, dann bitte ich die deutschen Touristen bei Portalen wie booking.com ihre Reise auf die Malediven zu buchen. Ich mag Kapitalismus, aber wenn die Unternehmen denken, das ihr Gewinn wichtiger ist als unser Leben, dann wende ich mich an die Urlauber: Buchen Sie auf Internet-Portalen oder direkt bei den Hotels! Die Touristik-Unternehmen tragen eine Verantwortung. 

Der Terror des „Islamischen Staat“ (IS) hat dazu geführt, dass die Touristen wieder verstärkt nach Spanien und Griechenland reisen. Länder wie Ägypten, Marokko, Tunesien und die Türkei leiden darunter. Etwa 200 Bürger ihres Landes haben sich dem IS angeschlossen. Kann der islamistische Terrorismus dazu führen, dass niemand mehr auf die Malediven reisen will?

Die deutschen Besucher müssen wissen, dass wir auf den Malediven unter einem Schurkenregime leben, dem alles zuzutrauen ist. Bei uns wird Schwarzgeld gewaschen, der IS rekrutiert Gefolgsleute für den Syrien- und Irak-Krieg. Wir haben eine Regierung, die mit radikalen Kräften im Parlament zusammenarbeitet. 

Ist das nicht verlogen: den Islam zu predigen und in den Luxusresorts Cocktails zu servieren?   

Richtig, der Fundamentalismus gedeiht geradezu auf dieser Scheinheiligkeit. Diese Leute trinken Alkohol und predigen Wasser. Das ist Heuchelei. Denken Sie nur an den 11. September: In der Nacht vor dem Anschlag waren die Attentäter in einer Bar und tranken Alkohol. 

Nach dem Motto: vom Teufel lernen?

Die Situation bei uns auf den Malediven ist besorgniserregend und traurig. Die Fundamentalisten sitzen in der Einwanderungsbehörde, im Zoll, im Militär- und Polizeiapparat. Sie versuchen unseren Staat von innen auszuhöhlen, wie eine fünfte Kolonne. 

Während in den Resorts der Reichtum regiert, ist die Bevölkerung der Malediven arm. Wenn es mit dem Luxustourismus so weitergeht, besteht da nicht die Gefahr, dass es zu Übergriffen auf Touristen kommt?

Ausschreitungen durch religiöse Extremisten sind jederzeit möglich. Zugleich benutzen die radikalen Islamisten die Malediven und ihre Volkswirtschaft zur Geldwäsche von Schwarzgeld. Für sie ist unser Land eine wichtige Basis, deshalb werden sie die Malediven derzeit militärisch nicht attackieren. Sie benutzen unser Land zur Rekrutierung von Gefolgsleuten und als Sprungbrett für Sri Lanka, Bangladesh und Malaysia – für den Indischen Ozean insgesamt. Das Militär ist in sich gespalten, es gibt keine Loyalität zu niemand. Manche Militärs neigen der demokratischen Opposition zu, manche zeichnen sich durch Untertanentreue zum Präsidenten aus, andere stehen den religiösen Extremisten nahe. Wir sitzen auf einer tickenden Zeitbombe, Ausschreitungen sind denkbar. Daran habe ich gar keine Zweifel. 

Sie sind für Ihr Umweltengagement bekannt geworden, haben eine Regierungssitzung unter Wasser abgehalten. 2009 in Kopenhagen sahen viele in Ihnen den ersten "Klimapräsidenten" der UN. Es gibt sogar einen Dokumentarfilm "The Island President" über Sie, der Ihre Verhandlungen zeigt. Wie bewerten Sie den Klimagipfel von Paris 2015? 

Meine Botschaft, hier aus dem Exil, lautet: Eine CO²-neutrale Gesellschaft ist möglich - und notwendig. Das bedeutet sich vom Bild der rauchenden Schlote, das seit Beginn der Industrialisierung mit der Verbrennung fossiler Energieresourcen existiert, zu verabschieden. Eine nachhaltige, kohlenstoffneutrale Wirtschaft mit gleichbleibendem Bruttoinlandsprodukt und ohne Verlust an Arbeitsplätzen ist durch erneuerbare Energieträger möglich. Aber wir müssen uns mit der Frage beschäftigen, wie man diese Strategie in politisches Handeln umsetzt, wie man Parteien dafür gewinnt, wie man Programme entwickelt. Wir müssen ansetzen, bevor eine Partei eine Wahl gewinnt oder verliert. Dann versinken die meisten in eine Art Winterschlaf. Wenn wir etwas bewegen wollen, müssen wir vorher Einfluss nehmen. 

http://theislandpresident.com/

Auf dem UN-Klimagipfel in Paris sollten durch eine neue internationale Klimaschutz-Vereinbarung Regeln über CO2-Reduktionen beschlossen werden. Einige Staaten wurden aufgefordert, freiwillige Selbstverpflichtungen abzugeben. Aber die blieben vage, obwohl die Europäer mit Deutschland vorangegangen sind. Auch die Schwellenländer müssen ein CO²-neutrale Strategie entwickeln. Sie haben gar keine Alternative, sonst werden die Menschen in ihren Städten eines Tages nicht mehr atmen können.

Ein wichtiger Punkt während meiner Präsidentschaft war die Frage nach der Energie. Wir wollten eine CO²-neutrale Gesellschaft aufbauen und darauf verzichten, fossile Energieträger zu verbrennen. Außerdem ist Öl für uns auf den Malediven sehr teuer. Wir dachten, dass Solar- und Windenergie für die Malediven gut machbar seien. Also haben wir einen klimaneutralen Plan ins Leben gerufen. Die deutsche Bundesregierung hat uns bei einigen Projekten unterstützt. Leider sind wir noch sehr weit davon entfernt, CO²-neutral zu sein. Präsident Yameen verfolgt eine andere Richtung und lässt nach Öl bohren. Doch das ist weder finanziell umsetzbar, noch ökologisch ratsam. 

Es gibt in Deutschland einen kleinen Ort, Jühnde. Dort haben die Bürger entschieden, 100 Prozent auf erneuerbare Energien umzusteigen. Außerdem gehörten ihnen die Biogas- und Windturbinenanlagen. Die Frage ist, kann man das auf andere, größere Städte übertragen? 

Man kann dieses Modell auf einen Ort, sagen wir, in Sri Lanka übertragen. Aber nur unter einer Bedingung: Es muss dort ein demokratisches System geben! Und es muss Unterstützung, meinetwegen von Seiten der UN geben. Aber das muss geschehen, bevor dort politische Wahlen stattfinden. 

Wenn Sie drei Wünsche hätten, welche wären das? 

Ich wünsche mir einen CO²-neutralen Entwicklungsplan für die Welt – auch für die Schwellenländer. Für die Malediven wünsche ich mir eine demokratische Regierung, eine tolerante Gesellschaft und bessere Lebensbedingungen. Das heißt nicht, nach den Sternen zu greifen. Was wir wollen ist sehr, sehr bescheiden. Die Malediven sind ein reiches Land, und wir wollen, dass die Leute ihren rechtmäßigen und fairen Anteil an diesem Reichtum erhalten Und drittens, ein gegenseitiges Verständnis aller Religionen, damit es weniger religiös motivierte Konflikte gibt. Schließlich wollen doch alle Religionen ein friedliches Zusammenleben der Menschen. 

Wann werden Sie nach Deutschland oder die Schweiz kommen? 

Sobald es mir möglich sein wird, zu reisen. 

Dann müssen Sie Jühnde besuchen … 

Sehr gerne, denn Politik ist eigentlich gar nicht meine Sache. Ich habe Ozeanografie studiert, ich bin eigentlich Autor und würde mich am liebsten mit Fragen umweltfreundlicher Energien und Umweltschutz beschäftigen.

via The Hindu

Ganz lieben Dank an Michael für die Möglichkeit dieses Berichts und all seine Infos!!!

Freitag, Januar 29, 2016

Raquel Alvarez. Cariocas in Rio de Janeiro.

Freitag, Januar 29, 2016 1
Raquel Alvarez. Cariocas in Rio de Janeiro.
Heute machen wir einen kleinen Ausflug nach Rio de Janeiro – nicht, weil es mein nächstes Reiseziel ist, sondern weil der heutige Gast meiner Interviewreihe, diese Stadt als ihren Lebensmittelpunkt gewählt hat. Raquel und ich haben uns 2008 kennengelernt, sie hat mir meine erste Schlafmöglichkeit in Hamburg vermittelt und ich freu mich immer wieder mit ihr Kontakt zu haben, irgendwann werd ich sie auch mal Rio besuchen. ... Seit ihrem Fernsehdebüt in Deutschland (bei GNTM) ist eine Menge passiert und was sie heute macht, dass erzählt sie nun alles selbst. Also los, wer bist du?

Raquel Alvarez, 30 – oh ja☺ und sehr happy damit. Eine Schweiz-Spanierin, welche in Brasilien ihr Land gefunden hat. Ich arbeite seit 5 Jahren als Designerin (für brasilianische Labels wie Sacada, Totem und Martu) und habe meine erste eigene Kollektion im Juni 2014 lanciert.


Woher kommst du denn eigentlich?

Mein Pass ist aus der Schweiz, mein Herz von überall.

Seit wann bist du in Rio und wie bist du dort gelandet?

Seit 6.5 Jahren. Während einem Strandurlaub habe ich mich in einen Brasilianer verknallt und wir sind seit über 8 Jahren zusammen (was ich immer noch nicht glauben kann).

Erzähl mal von deinem Beruf?

Ich sage immer, dass ich Unternehmerin bin, weil der Part der Designerin nur einen kleinen Teil meines Alltags ausmacht.  Ich mache eigentlich alles: von der Buchhalterin bis zur Verkäuferin.

Was meinen Lieblingsteil angeht, dass ist das kreieren, da gibt es eigentlich keine fixen Arbeitszeiten ... häufig kommen mir Ideen, wenn ich tanze oder zur Arbeit laufe☺

Bild via blick.ch

Die nächste Kollektion heisst 8x8, es gibt sie ab März und würde am ehesten einer Pre-Fall 2016 Kollektion enstprechen. Die Inspiration dazu war ein Film der 50er; "8x8, eine Schach Sonate". Das Avantgarde-Werk einer Künstlerclique, worunter auch einige meiner Lieblingskünstler sind: Jean Cocteau, Alexandre Calder und Marcel Duchamps.


Die aktuelle Kollektion, die schon in den Läden für Spring/Summer 2016 ist, habe ich "sea" getauft. Ich bin umgezogen und lebe nun plötzlich 200m vom Strand, dieses Feeling wollte ich durch die Stücke ausdrücken. Die Farben wurden durch die Reflexe, des Lichts an den Häuserfassaden, am Ende des Tages inspiriert.

Die Sachen gibt es z.B. bei Oson unter Wymann, ich vermittel auch gern direkt, wenn ihr etwas haben wollt.

Zudem habe ich eine Minikollektion für den Flipflop Hersteller "Ipanema" gemacht, welche exklusiv in ihren Läden gekauft werden kann. Die Kollektion heisst "Eden" und wurde durch die ersten Kleider von Eva und Adam inspiriert.  


Was wäre deine Job, würdest du nicht das machen, was du jetzt machst?

Auf jeden Fall was Kreatives: Ich wäre wahrscheinlich Architektin. Wie in der Mode kreiert man einen dreidimensionalen „Raum”, das liebe ich! Was mir auch gefallen würde, wäre meine Zeit der Kunst zu widmen und den ganzen Tag meine Illustrationen machen zu können☺

Was machst du, wenn du nicht arbeitest?

Meine Hobbies sind Astrologie und Tarot, ich studiere beides ein wenig für mich. Ich liebe es auch an den Strand zu gehen oder mit Musik in den Ohren stundenlang rumzulaufen und zu „denken“. Und klar, Drinks mit meinen Ladies☺

In welchem Stadtteil von Rio lebst du?

Leblon, 200m vom Strand entfernt.

Möchtest du nochmal woanders wohnen, wenn ja, wo?

Ja, auf jeden!!! New York würde mich sehr interessieren ... normalerweise bin ich 2-3 pro Jahr dort.

Wo würdest du dein Traumhaus bauen?

Irgendwo am Strand ... wahrscheinlich in Spanien (Costa Brava) oder irgendwo in der Bahia (Brasilien).


Ist Rio für dich eine Kulturstadt? Was macht sie dazu?

Kulturstadt ist nicht der erste Begriff, der mir in den Sinn kommen würde, aber auf jeden Fall gibt’s doch schon ein interessantes Kulturangebot: von Museen, Galerien bis zu Theatern findet man alles.

Was würdest du ändern, wenn du Bürgermeister wärst?

Ufff, das ist eine schwierige Frage. Brasilien ist ja immer noch ein Schwellenland und bringt deshalb grundsätzliche Probleme mit, welche wir als Europäer gar nicht mehr in einer solchen Form kennen: Schulausbildung/ Korruption/ eingerostetes Bürokratie / Kriminalismus etc.

Wenn ich aber nicht zu sehr ins Politisieren eingehen würde, dann wäre es:
-    eine bessere Vernetzung
-    mehr vegetarisches Essen auf den Menükarten der Restaurants
-    weniger Steuern für Jungunternehmer 

Warum Rio und nicht Hamburg? Oder Istanbul, Zürich oder New York?

Warum nicht? Rio hat eine easzy-breazy Vibe, was mir nach der etwas starren Schweiz, sehr gut getan hat. Zudem ist hier auch mehr Raum, um sich individuell zu finden; d.h. niemand würde es komisch finden, wenn ich zum Beispiel plötzlich beschließen würde, Fine Arts zu studieren oder einen Monat in ein Meditationslager zu gehen ... was, zumindest in der Schweiz, vom ganzen Umfeld hinterfragt werden würde.

Wie viele Stunden am Tag ist dein Smartphone an? 

Ich wache mit ihm auf und gehe mit ihm schlafen☺
Filipe und ich habe jetzt aber eine goldene  Regel: Wir stellen das Handy ab, wenn wir auf ein Date gehen (ja, ich gehe immer noch auf Dates mit meinem Mann☺).


Keine Frage, doch ein wenig Platz für etwas, was du loswerden möchtest:

Mein Lieblings Motto: Das Universum wächst proportional zur Größe deines Mutes.

Lieblingssong des Moment?


Lieblingssong forever?


Drei Plätze, die man sich in Rio unbedingt angeschaut haben sollte:

Nebst all den offensichtlichen Sightseeing Spots:

1)    Praia de Joatinga (der beste Strand in der nähe der Stadt)
2)    Instituto Moreira Salles (super schönes Museum)
3)    Parque Lage („wilder“ Park mit Kunstschule in der Mitte)

Möchtest du noch jemanden grüßen, hier ist Platz dafür:

Hallo an alle Leser☺