Kurz-Urlaub auf Pellworm – ganz allein und froh dabei. (Insel-Geheimtipp)

Erwähnt man die Nordseeinsel Pellworm hört man entweder: "Was und wo ist das?" oder "Oh, wie schön, da ist es so toll!&q...


Erwähnt man die Nordseeinsel Pellworm hört man entweder:
"Was und wo ist das?" oder "Oh, wie schön, da ist es so toll!".

Ich war bis vor zwei Wochen noch nie dort und ich habe, ehrlicherweise, auch vorher noch nicht von der drittgrößten nordfriesischen Insel gehört. Da mir die Hektik des Alltags und auch die Enge der Stadt schon im Januar ein wenig zu viel wurde, wollte ich einfach nur ans Meer ...

Ein kluger Spruch, den ich vor einiger Zeit las war: 'Der kürzeste Weg zu dir selbst führt einmal um die Welt.' Ganz so viel Zeit hatte ich nicht, doch ich wollte es trotzdem gern versuchen und mir selbst mal wieder Hallo sagen. Also wählte ich die Insel Pellworm und als Unterhaltung eine Herde Schafe. Sonst nichts – mal alleine wegfahren. Oha.
 

Ich verbringe unglaublich gern Zeit allein, bin jedoch bislang nie allein weggefahren, weswegen es neben einer Auszeit auch eine neue Erfahrung werden sollte. Mit dem Auto ging es also los Richtung Weltnaturerbe Wattenmeer, vorbei an Husum, wo ich zuletzt im Mai 2016 zum Deichpicknick war, bis zum Fähranleger in Nordstrand. Allein, dass ich bei der Autofahrt das selbe Lied 10x auf repeat laut aufdrehe, ohne ein Veto vom Beifahrer zu bekommen, gefällt mir. 

Nach etwa 35 Minuten Fährfahrt durch den Heverstromes gelangt die MS Pellworm an den Anleger der Insel Pellworm. Die Tickets dafür könnt ihr online oder auch an der Fähre selbst kaufen (keine Ahnung, wie voll Diese allerdings im Sommer ist). Während der Fahrt verlassen wir den Nebel des Festlandes und der blaue Himmel erstrahlt über dem Eiland. Von Grau zu Blau – das fängt ja schonmal gut an.


Vorbei an Bauernhöfen, die auf Warften (Hochdeutsch: Erdhügeln) liegen, an Schafherden und keiner Menschen Seele. Das ist wohl der Jahreszeit geschuldet, denn die Saison beginnt eigentlich erst im April. Die Stille passt mir ganz gut und kurz vor dem Leuchtturm erreiche ich mein Ziel: Der Kaydeich 17.

Das Hotel am Meer wurde 2013 vom Ehepaar Pelzl gekauft und diese begrüßen mich beim Eintreten persönlich. Eigentlich waren die beiden mal in der Welt der Finanzen zu finden, bis es sie nach Pellworm verschlagen hat – nun führen sie das Haus mit 20 Zimmern voller Leidenschaft.


2015 wurde es renoviert und im Zuge dessen auch die Menükarte erneuert. Statt zu großer Vielfalt gibt es nun fein ausgewählte, täglich wechselnde, einheimische Küche. Bedeutet: Ein 2-Gänge-Abendmenü mit saisonalen, regionalen Gerichten. 1a – ihr braucht nicht auswärts essen, hier hat man alles dabei und sie richten sich auf jegliche Wünsche (oder Unverträglichkeiten) ein.

Doch bevor es für mich zum Abendessen geht, beziehe ich mein Zimmer; mit freiem Blick auf den ca. 400 Meter entfernten Leuchtturm. Diesen Ausblick hat man etwa aus der Hälfte aller Zimmer, aus allen Anderen kann man die Schafe auf dem Deich zählen. ... Und aus dem Turmzimmer unter dem Reetdachgiebel ist nicht nur der Leuchtturm, sondern über den Deich hinweg das Meer sichtbar.

 
Nach dem Essen falle ich einfach nur ins Bett und lasse mich vom Fernsehprogramm berieseln – ist dies schon die Müdigkeit, die bei Meerluft einsetzt? Luftveränderung macht ja in der Regel ein paar Tage müde. Wie auch immer, die Energie um eines der mitgebrachten Bücher anzufangen und mich auf eine neue Geschichte einzulassen, habe ich nicht mehr. Stattdessen blättere ich mich durch die historischen Ereignisse Pellworms.

Die Form der Insel ist, geprägt durch Deichbau, Landgewinnung und Sturmfluten, bis heute im Wandel. Bis zum Jahr 1436 war Pellworm sogar noch mit dem Nordstrand verbunden und keine Fähre notwenig. Die Sturmflut 1480 zerriss Pellworm dann in zwei Teile. Man versuchte alles und vereinte das Festland und die Insel bis 1550 wieder. Doch 1634 kam die nächste Flut und seitdem ist die Insel eine Insel.
 
Frühstücksweisheiten und Tipps für den Tag bis zur Menükarte am Abend. Jeden Tag auf ein Neues.

Die Entspannung (oder Seeluft) tut von ganz allein ihre Wirkung und am nächsten Morgen wache ich laaang nach meinem eigentlichen Rhythmus auf. Was steht an, was kann ich tun, was ist hier los?  Nach dem Frühstück mache ich mich auf die Suche und finde das Nichts – herrlich. 

Also was nun? Einmal die Insel umrundet sind es 28km. Da es sehr windig und kalt ist, fahre ich diese mit nur 20km/h gemütlich ab und halte dort, wo ich möchte. Auf meiner kleinen Inseltour treffe ich mehrmals die selben Autos – die wenigen Touris die gerade hier sind, machen es wohl genauso wie ich. Wir grüßen uns ab dem zweiten Treffen wie Busfahrer – na klaro.


Woher kommt eigentlich der Name Pellworm? Die Bedeutung ist noch nicht ganz geklärt. Doch es wird vermutet, dass die erste Silbe Pell auf den Eigennamen Pille oder Pilla zurückgeht. Es sind aber noch mehr Optionen im Topf; unter anderem das friesische pèal oder das altnordische belt, was von Meerenge kommt. Worm kommt vom friesischen werrem, was ein Land oder eine Erhöhung am Wasser beschreibt. Vermuten wir also mal Pillas Wasserland. Dies würde auch der Volksetymologie recht geben, die besagt, der Inselname kommt von der Frau Pelle und ihrer Tochter Worm.

Doch bei all der Erinnerung an das Alte ist anzumerken, auf der Insel wurde das erste intelligente Stromnetz in Norddeutschland in Betrieb genommen. Hierbei geht es um das Erproben und die Weiterentwicklung der lokalen Speicherung, damit der erzeugte Strom direkt vor Ort genutzt werden kann. Am Solarfeld gibt es ein nettes Cafe, wo man sich noch genauer darüber informieren kann, in was und wie der Strom auf der Insel fließt. Es wird in jedem Fall mehr Strom durch Wind generiert, als die Insel verbraucht. Der Name "die grüne Insel im Wattenmeer", kommt also nicht nur von den satten Wiesen, sondern auch von dem immer nachhaltigeren Leben, was in den Inselalltag eingezogen ist.
Ein wirklich gemütliches Restaurante / Cafe: Das Schipperhus
 

Es gibt hier eine Bäckerei, eine Tankstelle, eine Kfz-Werkstatt, eine Tischlerei, eine Goldschmiede, einen Geldautomaten und zwei Kirchen: Die Alte Kirche im Westen am Deich und die Neue Kirche in der Mitte der Insel. Die Alte Kirche - St. Salvator - ist die wohl bekannteste und auch bedeutendste Sehenswürdigkeit auf der Insel. Sie wurde bereits um 1200 errichtet und die Turmruine (damals natürlich noch intakt) war ein wichtiges Seezeichen.

Heute ist keiner dort und ich kann ganz in Ruhe jeden Winkel erkunden und mich auf die Kanzel stellen und zu mir selbst und den Mäuschen sprechen. Ha, wollte ich schon immer mal machen, so etwas geht eben nur allein oder als Prediger.

Die alte Kirche und der Friedhof.

Da es auch einen Reiterhof auf der Insel gibt, der den schönen Namen Appelhof trägt, und dies der Nachname der einen Hälfte meiner Familie ist, lese ich mir jeden Grabstein der Friedhöfe, die direkt an den Kirchen liegen, durch. Vielleicht kann ich hier ja etwas Ahnenforschung betreiben? Leider finde ich Keine/n meiner Vorfahren, doch erhalte einen Überblick über die verschiedenen Familienstämme, die sich auf der Insel tummelten. Ich möchte euch hier nicht damit langweilen, doch wen es interessiert, im Museum Pellworm gibt es eine ausführliche Geschichte dazu.

Ich mache mich auf den Weg zu der neuen Kirche, die im 17. Jahrhundert erbaut wurde:

Die neue Kirche – stammt aber auch schon aus dem 17.ten Jahrhundert

Für heute hab ich genug gesehen, auf dem Deich gestanden und gelesen und mache mich wieder zurück auf den Weg nach Haus – der täglich hausgemachte Kuchen im Hotel ruft nach mir und ich möchte mich auf eines der Felle im Aufenthaltsraum fläzen. Den Inhabern des Kaydeich ist ihr Vorhaben, das Haus zu einem Hort der Ruhe und Erholung zu etablieren, gelungen. Wäre es nun ein bißchen wärmer, wäre ich natürlich noch schwimmen gegangen, je nach Tide sind es zu Fuß nämlich nur zwei Minuten bis zum Meer. Stattdessen gehe ich in die hauseigene Sauna und bin nun vollends entspannt.

Wusstet ihr, nach was Hotelgäste oft zuerst fragen, wenn sie an der Rezeption ankommen? Wie das W-Lan Passwort ist. Schade, oder? Meist fährt man ja weg, um zu entspannen ... Deswegen haben sie sich hier überlegt, den Gästen einen kleinen Anreiz zu geben, das Mobiltelefon einfach mal beiseite zu legen. Wer es zu Beginn abgibt, bekommt bei Abreise einen, auf der Insel hergestellten, Deichkäse. Was meint ihr wieviel es von 300 Gästen, seit der Einführung dieser Aktion, gemacht haben? Genau Einer. Schade. Ich hatte eine Handvoll mehr geschätzt. Wie hat man eigentlich früher geurlaubt?

Doch meine Frage an mich ist ja, wie ist es, allein Urlaub zu machen? Bislang bin ich, wegen all dem Erlebten ehrlicherweise noch nicht dazu gekommen, darüber nachzudenken ... ich hab es jedoch nicht als seltsam empfunden. Ich glaube die anderen Hotelgäste, die alles Paare waren, haben sich ein wenig über mich gewundert, doch was soll es. Viel mir selbst auch erst später auf.



Am nächsten Tag liegen als erstes 140 Stufen vor mir, einmal den Leuchtturm hoch. Bei der Besichtigung bekommt man, dank guter Restaurierung, einen schönen Einblick darüber, wie es damals aussah.
Heute kann man einen Raum für Workshops, Fortbildungen oder Meetings buchen und, hoch oben im Turm sogar ganz offiziell heiraten. Denn hier befindet sich das höchste Leuchtturm-Standesamt im Norden. Das Schöne, es kann ganzjährig geheiratet werden, ihr könnt sogar online eure Termine anfragen. Ich wurde auch direkt dazu eingeladen ... na mal sehen. Haha.

Pellworm bietet so einige Möglichkeiten für das romantische Gelübde, ob auf einer Seehundbank, dem Schiff, oder unter freiem Sternenhimmel, die Insel hat sich auf Brautpaare eingestellt. Sollte man keine Ringe haben, kann man diese hier auch selbst schmieden. Also, denkt an eure Geburtsurkunden wenn ihr losfahrt.

Egal ob oder ob ihr nicht heiratet, von der Aussichtsplattform habt ihr auf jeden Fall einen grandiosen Rundum-Ausblick auf die Insel und das Meer.

Die Flaggen auf dem Sims zeugen von den unterschiedlichen Nationen die hier schon zueinander JA gesagt haben.
Die Betten sind nicht für die Hochzeitsnacht gedacht, sondern zeigen nur, wie es sich früher im Leuchtturm gelebt hat.
Die Standesamtglocke
Auch das Kaydeich Hotel ist von hier sichtbar – schaut mal, wie nah es von dort zum Meer ist.

Mit dem Wetter hatte ich vor Ort nicht so viel Glück, doch wie schön es im Sommer ist, könnt ihr unter anderem bei Pellworm4you sehen. Mir kam es gelegen, doch ich möchte unbedingt nochmal ab April hier sein, wenn mehr geöffnet ist und die Saison startet, in der die kleinen Lämmer mit den Schafen auf der Weide grasen, Kutschfahrten normaler sind, als das Auto zu nehmen und es möglich ist, eine Wattwanderung zur Hallig zu machen. 

Zweieinhalb Tage alleine sein sind schon wieder vorbei – dabei fange ich doch gerade erst an so richtig zu entspannen. Ein bißchen was von der Zeit für mich, habe ich mir jedoch bewahrt und, es hat mir geholfen, zur Ruhe zu kommen um das Alltagschaos im Anschluß ein wenig besser zu bändigen (bald mehr darüber).


Bis bald du kleine feine Insel und vielen Dank für den Aufenthalt an das Kaydeich, die Zimmerpreise starten dort ab 45 EUR/pro Person inklusive Genießer-Frühstück, Parkplatz, W-LAN oder eben Käse und mehr. Die beiden organisieren auch die Leuchtturm Hochzeiten. Was auch immer ihr dort erlebt, habt eine schöne Reise.

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4 Kommentare

  1. Toller Blogeintrag! Beschreibt wunderbar die schönste Insel der Welt!
    Könnte gut sein das wir uns auf deiner Inselrunde getroffen haben ;)

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    1. Hehe, dann nochmal "Hallo" von Computer zu Computer :-)

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  2. Dank Deines schönen Blogartikels habe ich mich dazu entschieden im Sommer nach Pellworm zu fahren. Deine wunderschönen Bilder haben mich überzeugt und auch das Hotel macht einen super Eindruck. Ich hoffe, ich werde einen ebenso entspannten Urlaub, wie Du ihn hattest, genießen können.

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    1. Oh toll toll toll! Danke für dein Feedbback. Ich wünsche dir eine sehr erholsame Reise :-)

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Danke für Deinen Kommentar! :o)

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