Wein testen mit viel Allerlei. Der 'Post frei' Gastbeitrag bei 'drunken monday'

Es wurde zu “POST FREI” gerufen und mir wurde ein Weinblog zugelost. Nach der Idee von thaeger und microw geht es darum in diesem Dezemb...

Es wurde zu “POST FREI” gerufen und mir wurde ein Weinblog zugelost. Nach der Idee von thaeger und microw geht es darum in diesem Dezember 2009, über einen interessanten neuen Ansatz die Vernetzung und den Austausch zwischen verschiedenen Blogs fördern. Dieser Beitrag wurde zuerst bei Drunken Monday veröffentlicht (der Weinblog wurde mir zugelost) und ich nehme ihn auch auf meinen Blog auf:

Wein trink ich gerne, doch Ahnung hab ich davon nicht. Mein erster Gedanke war also: "Was mach ich nun bloß?" Mein bisheriges Wein trinken beschränkt sich nämlich auf Rotwein, den jemand anders aussucht, sowie Weissweinschorle im Sommer. "So kann es ja nicht weitergehen, dass ist die Gelegenheit, dachte ich!"

Noch am selben Tag fand ich im Reformhaus den Vitajuwel, der versprach, Wein zu veredeln.
Gute Idee, doch diesen allein auszuprobieren ist ungesellig. Wer kennt sich also gut mir Wein aus? Keine Frage, der nächste Anruf ging an meinen Onkel, der unter anderem chevelier de la confrérie du tasterin und commanderie du bontemps ist. Zum Glück war er begeistert und er hat auch so schöne Weinaccessoires, wie den Weinalterungslöffel (mal geschenkt bekommen) – die perfekte Gelegenheit alles auszuprobieren.

So haben wir in der letzten Woche einen Weinabend abgehalten, an dem mir einfach mal alles erklärt wurde. Der Abend wurde dann länger und ich bekam viel mehr Informationen als erwartet, doch, fangen wir von vorne an:

Die erste Regel:
Die Abhandlung des Weins ist subjetiv, hier kann jeder sagen und schmecken was er möchte ...



Wichtig um den Korken zu ziehen, ist der Korkenzieher.
Der erste Wein den wir ausprobieren ist ein 
cuvée prestige bordaeux - legende d´or aus dem Hause Barons de Rothschild.

Passenderweise passiert natürlich das, was passieren muß, wenn man Korkenzieher vorstellt, der Korken bricht ab. Der erste Unterschied zwischen den Korkenziehern: scharf und abgerundet. Was in der Weinsprache gewendert heißt, was bedeutet, die Ecken des Metallstabes sind abgerundet und können den Kork besser greifen.

 
Der zweite Wein, den wir öffnen ist ein 1953 Bordaeux - Bouchard père & fils beaujolais superieur. Hier gehen wir direkt auf Nummer sicher, damit uns der Korken nicht in den Wein bröselt und nehmen einen Federzangen Korkenzieher. Dieser packt den Korken an den Seiten und es besteht gar nicht erst die Möglichkeit, dass er bröseln kann. Funktioniert wunderbar. Wer noch mehr über Korkenzieher lesen möchte, klickt mal HIER!


Nachdem ich die Sache mit der Raumtemperatur verstanden hatte (die optimalen 18° kommen aus dem 18. Jhd. ohne Heizungen), ging es zu den verschiedenen Weinausgiesser. Neben Tropfhilfen, gibt es auch Siebe, die das Weindepot (Die Schwebstoffe - seht ihr im Sieb auf dem Bild rechts) auffangen.



"Kugeln" sind zum schnelleren belüften und aufrauhen des Weines – diese heißen Dekantierungsausgiesser - damit der Wein direkt mit mehr Sauerstoff angereichert wird.
Für unseren dritten Wein aus dem Jahre 1953, bei dem wir zuvor noch nicht wissen, ob er vielleicht schon umgekippt ist, könnte dies allerdings den Sauerstofftod bedeuten und so gießen wir den Wein ganz "normal" ein.



Die nächste Frage, die mir gestellt wird, wie riecht der Wein und ist er wohl noch gut?
Zitat des Weinkenners: "Die Nase ist SO gut, ich habe Angst ihn zu trinken."
Ich selbst rieche Tabak, geröstetes Leder und Schwarzkirsche und .... es riecht gut, reicht es?
Wir trauen uns und probieren und sind so begeistert vom Wein, das auch noch die Nachbarn (eben solche Weinliebhaber) hinzugerufen werden.


Bis sie da sind, testen wir den Vitajuwel und den Weinalterungslöffel (bei dem 2004er Wein). Der Vitajuwel soll, nach Anleitung 10 Minuten im Wein ruhen und dieser wird durch die im Glas enthaltenen Amethysten geöffnet. Der Weinalterungslöffel lässt den Wein pro Sekunde, die er in den Wein gehalten wird, um ein Jahr altern.

Erkenntnis: Der Löffel kann so lang in den Wein gehalten werden, bis dieser tatsächlich kippt und wird auf Grund dessen von uns 'Der Weinvernichtungsstab' genannt.

Bei dem Vitajuwel scheiden sich die Meinungen, deswegen die Zitate dazu:
"Merkst du einen Unterschied?" - "Ich glaube nicht!"
"Er vibriert die Tanine weg. Ich finde, er wirkt ... oder?!" (Tanine = Gerbstoffe)
"Keine Veredelung, sondern das Gegenteil!"

Fünf Personen und zwei Flaschen Wein reichen nicht und den 2004er nehmen wir nach dem grandiosen Geschmack des 1953ers auch 'nur' noch für Testzwecke von Juwels und Löffel.

Die Nachbarn, die nicht nur Geschmack sondern (so sagt man mir) noch mehr Ahnung von Wein haben, bringen noch mehr Wein mit.

Wir müssen also dringend einen neuen Wein aufmachen und wählen den
1952 Burgunder nuits cililles morin.



Schmeckt für mich genauso wunderbar, mir sagt der kirschige Geschmack des 1953er Weins jedoch ein bißchen mehr zu. Das war noch lang nicht alles und ich wundere mich zu diesem Zeitpunkt, das ich mich gar nicht sooo betrunken fühle, wo mir doch normalerweise ein Glas Wein reicht – doch ich genieße, es schmeckt einfach gut!!!


Aus allen mitgebrachten Weinen wählen wir zum trinken:

1962 chateau margaux - premier grand crus classe
1978 mähler besse - margaux cheteau palmer medoc,
1983 chateau palmer
1998 sowie 2002er shiraz dead arm

Danach weiß ich, was sie meinen, wenn sie sagen:
"Das ist ja hier wie Lekkerland!"


Ich lerne an diesem Abend:
  • Bei Weinen gibt es bis zu vier verschiedenen Traubensorten. Man nennt es dann ein - oder zweitraubig.
  • Dass die Franzosen ihren Alkohol aufzuckern, damit mehr Alkohol in den Wein gelangt. Chile, Argentinien oder Südafrika dagegen, haben das Problem, dass ihr Wein fast zuviel Zucker enthält. Die Trauben dort bekommen viel Sonne (Merken: ich möchte dorthin!).
  • Die Reihengröße des Rebstock ist für die Qualität verantwortlich. Je breiter die Reihen sind, umso mehr Sonne bekommen die Trauben. Das vergrößert zwar nicht die Erntemenge, doch die Weinqualität.
  • In den USA werden ganze Eichenbretter in die 215 Liter Weinfässer gegeben, um den Geschmack des Weines zu verbessern.
  • Und, dass der wein am besten bei 12-14° gelagert wird und die Luftfeuchtigkeit auch wichtig ist.

Ich hab noch so viel mehr Notizen auf meinem Schreibblog (es wurden fünf Seiten mit Stichwörtern),
doch ich kann nicht mehr alles zuordnen. Wir haben um 21:00 Uhr angefangen und ich war um 04:30  Uhr im Bett ... ich hab noch mehr, als hier geschrieben, gelernt und trotzdem das Gefühl, wir könnten noch zehn von diesen Abenden verbringen und dann würde ich mir nochmal Zehn wünschen.

Wichtige Info zum Abschluß:
Da wir nicht alle Flaschen ausgetrunken haben, diese jedoch nicht weiter der Luft und somit dem Verfall aussetzen wollen, vakuumisieren wir den Wein. Das sieht auf dem Bild zwar anstrengend aus, ist jedoch mit Hilfe einer Pumpe ganz einfach.


Lieber Klaus, meine liebe Gabi, ich danke euch für den lehrreichen und schönen Abend und die tollen Weine! Es kam so viel mehr dabei raus als ich erwartet hatte!!! < 3

Für alle, die nun auch Lust haben, mehr über Wein zu lernen, vielleicht biete ich ja bald Seminare an ... und bis dahin, lest doch ein bißchen über WEIN!

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