Cornelia Krog. Hamburger Menschen #115

Nach drei Wochen Päuschen ist es heute wieder an der Zeit ein Interview online zu stellen. Zu Gast in meiner Serie " Hamburger Mensche...

Nach drei Wochen Päuschen ist es heute wieder an der Zeit ein Interview online zu stellen. Zu Gast in meiner Serie "Hamburger Menschen" ist heute Cornelia Krog. Eine grundsymphatische, tolle und engagierte Frau die unter anderem das Babymobil in die Welt gerufen hat. Meistens ist sie unterwegs und dabei macht sie auch immer "irgendwas soziales". Sie war bereits in mehrern gemeinnützigen Vereinen aktiv und hat Charity Events geschmissen, heute, ach, am besten erzählt sie mal selbst, lest rein, es wird spannend, ich freu mich, dass ich nach der Pause mit ihr starten darf und, wer möchte, es werden immer helfende Hände gesucht, macht einfach mit (übrigens auch gern bei den Hamburger Menschen, dann einfach eine Mail an mich).

Cornelia, erzähl mal, wer bist du?

Ich bin Cornelia Krog, geb. 1953.
Ich bin seit 40 Jahren mit einem wunderbaren Mann verheiratet. Wir haben fünf Kinder und inzwischen vier Enkelkinder, die zum Glück auch alle in Hamburg leben.


Woher kommst du?

Geboren bin ich in Hamburg und auch hier aufgewachsen. Ich bin nicht nur eine Hamburgerin oder genauer gesagt eine “gebürtige Hamburgerin”, sondern darf mich obendrein auch “waschecht” nennen, da schon meine Eltern “gebürtige Hamburger” sind.

Seit wann bist du in Hamburg?

Von Geburt an und mit kurzen Unterbrechungen in St.Peter-Ording, Hannover, London sowie Berlin habe ich immer in Hamburg gelebt!

Erzähl mal von deinem Beruf.

Beruf kann man das eigentlich nennen, was mich seit September 2015 ziemlich fordert, das BABYMOBIL, aber es ist für mich inzwischen zu einer Rund-um-Uhr Aufgabe geworden.
Im September, als ziemlich plötzlich viele, viele Flüchtlinge nach Hamburg kamen, hörte ich von einem jungen Künstler, der sein privates Wohnmobil als Rückzugsort für die Flüchtlingsfamilien mit Kindern auf der Durchreise angeboten hat. Leider konnte er nur ein paar Tage bleiben und musste dann weiterziehen. Ich fand sein Engagement so großartig, dass ich die Idee hatte, einen Raum für Mütter und ihre Kinder zu schaffen, wo in Ruhe gestillt, gewickelt, gefüttert und gespielt werden konnte.

Schlussendlich bin ich bei meiner Suche nach einem geeigneten Raum auf einen HVV-Bus gestoßen, der bereits am Hauptbahnhof stand und den Flüchtlingen einen Platz zum Ausruhen anbot. Parallel dazu habe ich Mitstreiterinnen gesucht und wunderbare Menschen gefunden, die gemeinsam mit mir das Projekt verwirklichen. Wir zusammen sind jetzt das Babymobil.

Cornelia mit ihren Kindern Jil und Nando, die auch beim Babymobil aktiv sind

Wir haben damals unsere Idee dem Geschäftsführer der HVV Sicherheit (die Hamburger Hochbahn Wache) vorgestellt, der uns sofort sein o.k. gab und unsere Initiative enorm unterstützt hat. Am nächsten Tag sind wir mit unserem Babymobil am Hamburger Hauptbahnhof gestartet, um Flüchtlingen zu helfen.

Ganz klein haben wir im Bus anfangen, mit Null Erfahrung, einem faltbaren Wickeltisch und sehr viel Engagement und Enthusiasmus. Es hat sich seitdem viel getan in den vergangenen Monaten:
Im November sind wir in ein Zelt auf dem Hachmannplatz umgezogen. Seit Dezember gibt es einen großen, warmen, gut ausgestatteten Raum im Bieberhaus. Wir haben inzwischen etwa 160 Adressen in unserem Email-Verteiler, suchen aber laufend nach weiteren Mitarbeitern, denn jeden Abend brauchen wie etwa acht bis zehn Personen für unsere Arbeit im Bieberhaus. Damit verbunden ist ein hoher organisatorischer Aufwand, um uns und unser Team zu koordinieren, mit den anderen Initiativen im Bieberhaus zu kooperieren und um Spenden zu sammeln.

Das Wichtigste bei allen Herausforderungen ist uns erhalten geblieben: das Engagement und der Enthusiasmus unserer Babymobiler ... und genau das macht uns aus!
In der Zeit von 16.00 - 22.00 Uhr ist unsere Tür im Bieberhaus geöffnet. Unser Hauptanliegen ist es, die Kinder, insbesondere Säuglinge und Kleinkinder, und schwangere Frauen zu unterstützen, zu versorgen und ihnen einen Moment der Ruhe zu geben.

Im Babymobil gibt es für die Kleinsten Fläschchen und Babynahrung, einen Wickeltisch mit Windeln, Wundcreme und vieles mehr. Die Mütter können ihre Säuglinge in Ruhe stillen und sich selbst auch einmal ausruhen. Die großen Kinder können basteln, malen und spielen.


Gleich nebenan gibt es die Kinderkleiderkammer, die unsere Kinder und Mütter mit dem Nötigsten ausstattet, einen Raum weiter gibt es für alle etwas zu Essen und zu Trinken. Auch die medizinische Versorgung ist im Bieberhaus gewährleistet.

Das Babymobil ist inzwischen ein Projekt des Hamburger Kinderschutzbundes, die uns sehr bei unserer Arbeit unterstützen.

Was wäre dein Job, würdest du nicht das machen, was du jetzt machst?

Ich habe ja noch einen anderen kleinen Job, den ich auch sehr, sehr gerne mache:
Ich arbeite für die Kinderfee Hamburg und gebe "Erste Hilfe am Kind & Baby"-Kurse.

Wenn mir eine gute Fee einen Wunsch in dieser Hinsicht erfüllen würde, wäre ich gerne eine gute Cellistin geworden.

Was machst du, wenn du nicht arbeitest?

Wann soll das sein? :-))

Am liebsten verbringen wir, mein Mann und ich, Zeit mit unseren Kindern und natürlich den Enkelkindern. Wir reisen sehr gerne. Zu zweit, mit der gesamten Familie. Mit den älteren Enkelkindern unternehmen wir jedes Jahr eine kleine Reise nur für Großeltern und Enkel.


Ich höre liebend gerne Hörbücher und schaue sehr gerne Fernsehen, am liebsten den Tatort aus Münster.

Seit etlichen Jahren quäle ich auch gerne meine Cello, ich wünschte mir wirklich, richtig gut spielen zu können, ich kann es leider nicht. Auch eines der Dinge, die meine Kinder viel besser können als ich.

In welchem Stadtteil von Hamburg lebst du?

In Uhlenhorst - aber hier sagen auch viele Leute, sie würden "auf der Uhlenhorst" wohnen.

Möchtest du nochmal in einem anderen wohnen, wenn ja, wo?

In der Hafencity.

Wo würdest du dein Traumhaus bauen?

Irgendwo ein Familienrefugium in den Bergen in Südtirol.

Ist Hamburg für dich Kulturstadt? Was macht sie dazu?

Ach Kultur, was ist das eigentlich?
Ich gehe nicht in Museen, aber gerne ins Theater, vor allem dann, wenn Achim Buch spielt. Auch die Mädels von Salut Salon höre ich mir gerne an und die sind erwähnenswert engagiert mit ihren sozialen Musikprojekten.

Was würdest du ändern, wenn du Bürgermeister wärst?

Ich würde den Posten auf gar keinen Fall annehmen wollen, die Nerven hätte ich nicht. Deshalb möchte ich nichts dazu sagen.

Jeder findet was zu meckern, aber ehrlich gesagt – geht es uns doch gut. Dem einen passt das Eine nicht, dem anderen das Andere. Wenn man was geändert haben will, kann man sich ja auch selbst mal darum kümmern und nicht immer nur die Politiker in die Pflicht nehmen - das war jetzt mal frei nach Kennedy.

Nicht die Kennedys, sondern Cornelia und ihr Mann < 3


Warum Hamburg und nicht Istanbul, Berlin oder New York?

Abgesehen davon, dass für mich Hamburg die schönste Stadt der Welt ist, lebt hier meine Familie. Und wo die ist, bin ich zu Hause.

Alster oder Elbe?

Auf der Alster segeln, in der Elbe baden.

Wie viele Stunden am Tag ist dein Smartphone an?

Nur nachts ist es aus.

Keine Frage, doch ein wenig Platz für etwas, was du loswerden möchtest:

Schade, dass Olympia nicht nach Hamburg kommt.
Die Pläne waren gut. Wenn man hinter verschlossenen Türen großartige Ideen entwickelt und möchte, dass diese von uns Hamburgern mitgetragen werden, dann sollte man uns auch umfangreich informieren und darlegen, wie das ganze finanziert wird und was für Hamburg unterm Strich dabei rauskommt.
Das ist nicht passiert und darum wundert es mich nicht, dass die Mehrzahl der Hamburger sich gegen Olympia entschieden hat.

Lieblingslied des Moments?

Imagine von John Lennon

Lieblingslied für immer?

Kanon D-Dur von Pachelbel und Hamburg, meine Perle ... von Lotto King Karl.

Drei Plätze, die man sich in Hamburg unbedingt anschauen sollte:

1. Die Speicherstadt, durch die bin ich schon als Kind mit meinem Vater gefahren, als es noch Freihafen war und man vom Zoll kontrolliert wurde. Anschließend dann durch den alten Elbtunnel, der kann heute zeitweise noch mit dem Auto durchfahren werden. In die Tiefe geht es samt Fahrzeug in einem ganz alten Fahrstuhl.

2. Eine Alsterdampferfahrt durch die vielen Kanäle, vorbei an den wunderschönen Hamburger Anwesen, ist besonders lustig, wenn der Kapitän seine "Döntjes" vertellt und uns Einblick in die alte und jüngste Geschichte hanseatischer Familien und zugezogener Neureicher gewährt.

3. Övelgönne, ein Spaziergang entlang der kleinen Kapitänshäuschen bis zur Strandperle, im Sand sitzen und das Treiben auf der Elbe genießen.

Möchtest du noch jemanden grüßen?

Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich und das Babymobil in den vergangenen Monaten unterstützt haben, beim gesamten Team, meiner Familie, dem Kinderschutzbund, meinen Freunden. Danke, Ihr seid großartig, ohne Euch hätten wir es nicht geschafft.



Mehr Infos zum Babymobil findet ihr auf babymobil-hamburg.de, wer Lust hat meldet sich bei Cornelia und hilft selbst mit. Immer wieder neue Updates gibt es auch auf der Facebook Seite.

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