Ich war mal ein richtiger Bücherwurm. Eine, die mit Taschenlampe unter der Bettdecke verschwand, „nur noch ein Kapitel“ murmelte und dann doch mit brennenden Augen und Herzklopfen in die Schule kam. Irgendwann habe ich das verloren. Nicht das Interesse an Geschichten – eher die Geduld. Mein Smartphone hat meine Aufmerksamkeitsspanne geschrumpft, mein Alltag zersplittert sie endgültig. Ich scrolle, ich lese Schnipsel, ich überfliege – aber ich lese nicht mehr. Nicht so, wie früher.
Immer wieder versuche ich, mir die alte Gewohnheit zurückzuerobern. Lege Bücher auf den Nachttisch, lade Hörbücher runter, nehme mir Zeit – und verliere sie dann wieder zwischen Terminen, To-dos und Push-Nachrichten. Und trotzdem: das Bedürfnis bleibt.
Neulich bin ich auf die Longlist des diesjährigen NDR Sachbuchpreises gestoßen. Zehn Titel, die so unterschiedlich sind wie die Welt, in der wir leben. Vom stillen Sterben der Natur über unverdiente Ungleichheit bis zu der Frage, wie wir in herausfordernden Zeiten handlungsfähig bleiben. Vielleicht ist das genau die Inspiration, die mir gefehlt hat. Ein Startpunkt für alle, die wieder Lust aufs Denken, auf Tiefe, auf echtes Lesen bekommen wollen.
Ich selbst halte mich derweil an die Klassiker – gerade lese ich „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ und „Der Alchemist“.
Zwei
Bücher, die sich Zeit nehmen, die Sinn und Zufall, Schicksal und
Freiheit verhandeln. Vielleicht ist das mein persönliches Back to
basics: weniger Ablenkung, mehr Bedeutung. Oder einfach das, was mich
gerade interessiert.

Und wer weiß – vielleicht liegt der Anfang ja genau darin:
Nicht zu lesen, weil man sollte,
sondern weil man will.
Update:
Inzwischen steht fest, welche Titel es auf die Shortlist des diesjährigen NDR Sachbuchpreises geschafft haben:
- Alena Buyx: Leben und Sterben. Die großen Fragen ethisch entscheiden
- Susanne Beyer: Kornblumenblau. Der geheimnisvolle Tod meines Großvaters 1945 und die Frage, was er mit den Nazis zu tun hatte
- Eva Biringer: Unversehrt. Frauen und Schmerz
Drei Bücher, die nicht leicht sind. Aber vielleicht genau deshalb wichtig. Bücher, die Zeit verlangen – und Aufmerksamkeit. Und vielleicht auch dieses bewusste Alleinsein, das Lesen einmal war.
Weitere Informationen finden ihr unter ndr.de/ndrsachbuchpreis.




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