Heimat – Wo bist du? Im Ruhrgebiet? In Hamburg? Was bist du für mich? - Kathrynsky's

Dienstag, September 03, 2019

Heimat – Wo bist du? Im Ruhrgebiet? In Hamburg? Was bist du für mich?



Heimat – dieser Begriff ist mir in der letzten Zeit immer mal wieder vor den Augen aufgetaucht. In Tags an Häuserwänden, in Büchern ... in den Nachrichten. Was ist Heimat für mich? Spontan würde ich immer sagen: Das Ruhrgebiet! Ist doch klar. Doch mittlerweile ... ich muß mich korrigieren. Meine Heimat ist mein Zuhause in Hamburg. Meine Heimat ist dort, wo ich mich wohlfühle – so platt es klingen mag, genau dieses Gefühl macht es für mich aus. Laut Wikipedia hat der Begriff eher etwas mit einem Territorium zu tun und verweist zumeist auf eine Beziehung zwischen Mensch und Raum.

Wo wäre dann meine Heimat? Am Baldeneysee in Essen? Am Nordpark in Gladbeck? Am Ufer der Ruhr oder den Kanälen, die sich durch das Ruhrgebiet ziehen? Am Wasser! An der dänischen Küste! In Griechenland auf den kleinen Inseln. An der Dove Elbe in Hamburg ... an jedem Hafen.

Von Gladbeck bis Velbert

Und doch, es zieht in meinem Herzen, wenn ich an das Ruhrgebiet denke. Ich habe vermeintlich sehr großes "Heimweh". An Momente die ich mit den besten Menschen der Welt dort verbracht habe. Und es immernoch tue, wenn ich in der 4435 Quadratkilometern großen, nordrhein-westfälischen Region bin. Das Ruhrgebiet gilt als der größte Ballungsraum Deutschlands und der fünftgrößte Europas. Hier ist viel los. Nachdem die letzte Zeche Deutschlands – in Bottrop – im Dezember 2018 geschlossen, sucht die Region immernoch nach ihrer Identität? Oder hat sie diese schon längst gefunden? Seit wie vielen Jahren findet der Wandel statt?

Als ich vor 21 Jahren meine Jahresarbeit an der Schule über "Industriekultur im Ruhrgebiet – Eine Region im Wandel" geschrieben habe, war noch lange nicht Schicht im Schacht. Die Kumpels zogen täglich unter Tage und an aufhören wollte lieber Keiner denken. 

Schon damals gab es bereits umfunktionierte Gelände: In Meiderich wurde bereits im alten Wasserspeicher getaucht, an den Hochöfen geklettert und im Dortmunder Soundgarden sogar seit den 80er Jahren getanzt. Einst gehörte das Gebäude zum ehemaligen Ostbahnhof, einem Güterbahnhof welcher im zweiten Weltkrieg zum Stahltransport genutzt wurde. Und im Januar habe ich euch ja bereits von der Wandlung in Düsseldorf Wehrhahn geschrieben. Das Güterbahnhof-Areal, heißt heute nur noch 'Le Quartier Central' und es befinden sich neueste Wohnugen und Hotels darauf.

Und doch, wenn ich sage, wo ich aufgewachsen bin, denken noch immer viele an Bergbau und Fabriken. Im Zuge der Renaturierung gibt es heute, dort, wo früher Bergwerke standen, zig Bäume die angepflanzt wurden. Flüsse durften wieder ihren natürlichen Lauf fließen und aus Grau wurde innerhalb der letzten Jahrzehnte Grün. 

💚 

Wer die Gegend NICHT kennt und sie sich mal selbst anschauen möchte, 
der bucht sich doch einfach ein Zimmer, z.B. bei Expedia Dortmund

Von Duisburg nach Dortmund


Noch immer ist alles im Wandel ... auch hier werden Kulturleistungen gekürzt und die Busverbindungen fallen zu oft aus. Der Soundgarden der 90er-Jahren existiert heute nicht mehr. Wo früher wilde Partys stiegen, liegt heute ein ruhiges Neubaugebiet mit spielenden Kindern. Von diesen Vierteln gibt es viele. Überall im Ruhrgebiet gibt es arme und reiche Ecken – dies ist bereits an den Häusern zu erkennen. Manche Viertel sind praktisch, schnell und günstig gebaut worden, andere mit neu aufbereitetem Stuck und Verzierungen. Und die dazwischen, die Normalen – davon gibt es wohl die meisten. Dort wo es statt riesigen Gärten eher eine Parkanlage gibt und Kioske an jeder Ecke. 

Bei dem Gedanken daran fällt mir auf, was ich vermisse und mir dieses Gefühl bereitet: Diese bodenständige, charmante, ehrliche Art – die an jedem Kiosk zu finden ist. Nicht das Prollige, was es heute überall gibt. An was hängt also das Herz? Nach was hat es Sehnsucht und was bedeutet Heimat?

Von Essen bis Datteln

Sein wie man ist – das ist es, was ich aus meiner ursprünglichen Heimat mitbekommen habe. In der Zeit (95/96) als ich auf der Südtribüne des Westfalenstadions in Dortmund gestanden, getanzt und gesungen habe, habe ich es mehr als deutlich mitbekommen. Die Fans haben geliebt und gehasst –  für 90 Minuten. 

Stets ehrlich und direkt loswerden, was einem da auf der Seele liegt, so sind die Menschen im Ruhrgebiet. Sie schimpfen, fluchen und beleidigen sich auch mal – ist doch Spaß oder gemeinsame Therapie! Denn schon fünf Minuten später klopft man sich wieder lachend auf die Schulter. Damit habe ich als Jugendliche am meisten Probleme gehabt, denn, ich wollte gern mal für länger trotzig sein. Hat meistens nicht geklappt. 

Im Ruhrgebiet bekommt man keinen Honig ums Maul für die eigene Zufriedenheit, sondern auf eine Frage auch eine ehrliche Antwort. Oder auf keine Frage eine ehrliche Ansage. Wer jetzt nicht kontern kann, der kommt hier eher nicht klar, oder geht unter. Doch hinter diesem rauen Ton steckt ganz viel Herz und Liebe zum Leben. Egal ob in Jogger oder Anzughose. Diese Heimat habe ich mitgenommen. In mir – an jede Ecke der Welt.


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