Marco Carini. Hamburger Mensch #214 - Kathrynsky's

Freitag, Juni 14, 2019

Marco Carini. Hamburger Mensch #214

Dieses Interview liegt schon so lange in meinem Postfach und ich weiß gar nicht so genau, wieso mir immer etwas dazwischen gekommen ist. Denn, ich bin stolz, dass er sich die Zeit genommen hat, die Fragen zur Blogserie "Hamburger Mensch", zu beantworten. Er ist Redakteur und Autor und waschechter Hamburger. Lieber Marco Carini, erzähl mal, wer bist du und woher kommst du!

Autor, Journalist, ein politisch und kulturell interessierter und aktiver Mensch, Freigeist, Familienvater, FC. St.Pauli-Fan, Genussmensch und vieles, vieles mehr. Aber das würde den Rahmen sprengen.

Seit wann bist du in Hamburg?

Seit meiner Geburt. Hamburg ist meine Stadt.



Erzähl mal von deinem Beruf?

Ich arbeite bei der Nordausgabe der taz als Redakteur, beackere da politische Themen, mit gelegendlichen Ausflügen in die Sphären der Kultur und des Sports. Und über Themen, für die ich brenne, die aber nicht auf eine Zeitungsseite passen, schreibe ich Bücher. Das können Sachbücher aber auch Romane sein. 

Mein aktueller Roman Blutsgeschwister, ist dabei für mich sicher ein persönliches Highlight meines Schaffens: Ein Freundschaftsroman, in dem ich vier fiktive Personen, zwei Frauen und zwei Männer, über vierzig Jahre begleite und versuche, ein wenig auch die Geschichte meiner Generation zu erzählen. 

Das schon mehrere Hamburger Buchhandlungen den Roman zur Perle des Monats und zum "Lieblingsbuch" erklärt haben, gehört zu den Würdigungen, die die Arbeit, die in so einem 500-Seiten-Roman steckt, absolut aufwiegen.


Was wäre dein Job, würdest du nicht das machen, was du jetzt machst?

Gerne etwas mit Musik, Theater oder Film. Obwohl ich viel Musik höre, bin ich in der Praxis leider der unmusikalischte Mensch, dem ich je begegnet bin. Mein Therapeut sagt, daran trage der Blockflötenunterricht in der Grundschule eine gerüttelte Mitschuld.


Was machst du, wenn du nicht arbeitest?

Ausspannen, Musik hören, ans Meer fahren. Und mit FreundInnen weinseelige Abende verbringen und mit ihnen weniger über Gott, mehr über die Welt und immer wieder über die Liebe und persönliche Lebensentwürfe zu reden.


In welchem Stadtteil von Hamburg lebst du?

Direkt auf der Grenze zwischen Eimsbüttel, der Schanze und Altona-Nord. Wenn ich richtig nachgemessen haben, liegt mein Schlafzimmer in Altona, das Bad aber in Eimsbüttel.


Möchtest du nochmal in einem anderen wohnen?

Nein. Habe zuletzt 20 Jahre lang in Groß-Flottbek gewohnt und meine Kindheit in Poppenbüttel verbracht. Nun bin ich da gelandet, wo ich mich am wohlsten fühle.


Wo würdest du dein Traumhaus bauen?

Trotz dem Überschuss an Eitlen und Reichen: Auf Sylt. Hier habe ich einen Großteil meiner Kindheit verbracht und manchmal denke ich, in Abwandlung zu den Ärzten: Ich will zurück nach Braderup.


Ist Hamburg für dich eine Kulturstadt? Warum ja oder nein?

Na klar. Wir haben hier tolle FilmemacherInnen und eine Super-Musikszene, viele Theater, gute Clubs, super Festivals und auch das Gängeviertel und das Eurograb Elbphilharmonie entpuppen sich als Bereicherung für die Hamburger Kulturszene. Zwar gibt Hamburg viel zu wenig für die Kultur aus, aber in der Stadt wohnen so viele creative Menschen, dass immer wieder Neues entsteht. Und auch hier muss sich Hamburg nicht ständig mit Berlin messen. Big ist nicht immer beautiful.


Was würdest du ändern, wenn du Bürgermeister wärst?

Ich würde alles tun, um die Kinderarmut in dieser reichen Stadt abzubauen, Menschen, die aus anderen Ländern zu uns stoßen, freundlicher zu empfangen und den motorisierten Individualverkehr zurückzudrängen. Und kleine Theater, Verlage und Labels mehr zu unterstützen, um die kulturelle Vielfalt der Stadt auf noch breitere Füße zu stellen. 



Warum lebst du in Hamburg und nicht Berlin, Istanbul oder New York?

Weil ich in gerne in einer Stadt lebe, die noch kein Moloch ist und die deutsche Sprache mein wichtigstes Ausdrucks- und Arbeitsmittel ist. Ein Leben in der Türkei als Journalist gehört zudem nicht zu den größten Verheißungen, die dieses Berufsfeld zu bieten hat.


Alster oder Elbe?

Ich habe mich schon als Jugendlicher nicht zwischen den Stones und den Beatles entscheiden wollen. Wenn ich mich aber festlegen muss: Elbe!


Wieviele Stunden am Tag ist dein Smartphone an?

Sehr viele Stunden, aber ich schaue nicht ständig drauf und wenn ich privat verabredet bin, hat es Pause.


Keine Frage, doch ein wenig Platz für etwas was du mal loswerden möchtest:

Mit meiner Beunruhigung über die zunehmend nationalistisch-autoritären Tendenzen über Klimawandel-Ignoranten und den neuen Rassismus und Antifeminismus mag ich nicht hinterm Berg halten. Wir alle müssen raus aus unseren Komfortzonen und uns wieder stärker einmischen.


Lieblingslied / buch / serie des Moments?

Bei Musik kann ich mich nicht für einen einzigen Song entscheiden:
No Sound but the Wind von den Editors,
Angela von William Fitzsimmons und
Birds oft the Nights von Stella Sommer waren für mich die Highlights der vergangenen Monate. 

Das schönste Buch meiner jüngsten Lesevergangenheit ist „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky, weil diese Autorin ein so sinnliches Verhältnis zur Sprache hat. 

Serien schaue ich gar nicht, Netflix gehört nicht zu meinem Kosmos.


Lieblingslied / buch / serie forever ever?

Es gibt nur Lieblingslieder für bestimmte Anlässe und Stimmungen.
Susan von Leonhard Cohen macht mir immer noch eine Gänsehaut,
Shine on you Crazy Diamond von Pink Floyd war der erste Song, in den ich mich verliebt habe,
In a Bar von Tango with Lions ist die schönste Hintergrundmusik forever.

Das Herz ist eine miese Gegend von Thommie Bayer ist eine der schönsten Coming-on-age-Romane, mein Herzensbuch seit langem. 

Und die Serie die für mich noch immer alles toppt, ist Raumschiff Enterprise, First Generation. Genialer Trash, der meine Vorliebe für spitze Ohren begründet hat.


Drei Plätze, die man sich in Hamburg unbedingt mal angeschaut haben sollte:

Natürlich den Hafen, ja auch die Elphie und unbedingt den Stadtpark.
Und es gibt noch ein paar wundervolle Orte, die aber geheim bleiben sollen.


Möchtest du jemanden grüßen, hier ist Platz dafür:

Alle Menschen, die mir etwas bedeuten, und vor allem die beiden großartigsten Kinder der Welt: Ella und Timon. Es gibt niemanden, der mein Leben mehr bereichert hat.


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