Skateboard statt Zeigefinger
Was ich an diesem Projekt mag: Es wirkt nicht wie eine moralische Kampagne mit erhobenem Zeigefinger. Eher wie eine Einladung. Eine rollende Erinnerung daran, dass Naturverbundenheit nichts Elitäres sein muss. Keine perfekt kuratierten Selbstversorgerhöfe auf Instagram. Kein „Du musst nur genug wollen“.
Daniel spricht stattdessen von Zugehörigkeit. Davon, dass Menschen sich oft wie Fremde im eigenen Zuhause fühlen – obwohl dieses Zuhause die Natur ist. Und ehrlich: Das trifft einen Nerv.
Zwischen Bildschirmzeit, Asphalt und Supermarktlicht verlieren viele von uns das Gefühl dafür, wo Lebensmittel eigentlich herkommen. Wie Erde riecht. Wie langsam Dinge wachsen. Oder wie still ein Ort sein kann, an dem nicht ständig etwas verkauft werden soll.
Permakultur: Das Problem ist die Lösung
Daniel arbeitet mit den Prinzipien der Permakultur. Einer Gestaltungsidee, die Natur nicht kontrollieren, sondern verstehen will. Einer der bekanntesten Sätze daraus lautet:
„Das Problem ist die Lösung.“
Klingt erst mal wie ein Kalenderspruch aus einem Bioladen mit zu teurem Haferkeks. Dahinter steckt aber ein ziemlich radikaler Gedanke: Statt Symptome zu bekämpfen, schaut man darauf, was einem System fehlt.
Zu viel Wasser? Vielleicht fehlt Speicherfähigkeit im Boden.
Zu viele Schädlinge? Vielleicht fehlen Pflanzenvielfalt oder natürliche Gegenspieler:innen.
Zu viel Stress? Vielleicht fehlt nicht Disziplin, sondern Verbindung.
Permakultur denkt in Beziehungen statt in Einzelteilen. Und genau deshalb fasziniert sie gerade wieder viele Menschen – mitten in einer Zeit, in der gefühlt alles gleichzeitig brennt.
Lernen zwischen Gemüsebeet und Bergluft
Daniel unterrichtet heute an der internationalen Kochschule Sharena Fabrika im bulgarischen Dorf Golyama Zhelyazna. Dort wachsen Gemüse, Kräuter und Ideen nebeneinander. Die Gärten des Campus werden regenerativ bewirtschaftet und dienen gleichzeitig als Lernort für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Die Philosophie dahinter gefällt mir besonders: Gute Küche beginnt nicht erst am Herd. Sondern bei der Frage, wie wir mit Böden, Wasser und Lebensmitteln umgehen.
Daniel hat zuvor in den USA gelebt, auf Hawaii von indigenem Wissen gelernt und sich international in Permakultur ausbilden lassen. Heute verbindet er diese Erfahrungen mit Bildungsarbeit auf dem Balkan. Keine romantisierte Natursehnsucht, sondern praktisches Wissen darüber, wie Menschen resilienter leben können.
Warum mich das gerade so beschäftigt
Vielleicht, weil viele von uns merken, dass „weiter so“ kein besonders stabiles Konzept mehr ist. Wir reden ständig über Effizienz, Produktivität und Wachstum. Aber viel zu selten darüber, wie sich ein gutes Leben eigentlich anfühlen soll. Daniel fährt mit einem Skateboard durch Bulgarien und stellt damit indirekt genau diese Frage. Nicht laut. Nicht aggressiv. Aber ziemlich wirksam.
Und vielleicht liegt darin auch etwas Hoffnungsvolles: Dass Veränderung nicht immer aus gigantischen politischen Gesten entstehen muss. Sondern manchmal aus zwei Menschen auf Rollen, einer langen Straße entlang der Donau und der Entscheidung, sich wieder mit der Welt zu verbinden.
Ihr wollt die Tour verfolgen?
Die Reise startet am 29. Mai 2026 und soll weniger als zwei Wochen dauern.
Live-Tracking der Route:
Skate & Permaculture Bulgaria Live-Tracking
Via Instagram: @skateandpermaculturebulgaria & @sharena_fabrika
Vielleicht ist genau das radikal geworden
Nicht schneller zu werden. Sondern wieder verbunden zu sein.
Mit Erde unter den Fingern.
Mit Lebensmitteln ohne Marketingabteilung.
Mit Landschaften, die mehr sind als Kulisse.
Und mit der Idee, dass Zukunft nicht nur technologisch, sondern auch menschlich gedacht werden kann.



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