Winternähe – ein Roman über das eigene Leben und die Suche. Ein Buch von Mirna Funk

Ich schwimme, ich tauche ein, in Momente, in Leben. Mal mit der Flut, mal gegen den Strom. Das Leben ist nie dasselbe. Alles bleibt ande...


Ich schwimme, ich tauche ein, in Momente, in Leben. Mal mit der Flut, mal gegen den Strom. Das Leben ist nie dasselbe. Alles bleibt anders, wer Veränderungen akzeptiert, wächst. Lust auf Leben, Meer, Kunst, Neues, Altes, Menschen, mich selbst. Bin der Mensch meiner Geschichte, die ist immer dabei, im Schlepptau. Vor mir liegt nur Zukunft und die strahl ich an, manchmal muß ich blinzeln. Ich lese:

Lola lernt sich kennen. Dabei kennt sich schon ganz gut und weiß eine Menge und doch ist sie neugierig und wissbegierig. Darauf, sich, ihre Familie und das Leben zu entdecken und einen Weg zu finden, der der ihre ist und für den sie einstehen und sich dabei ehrlich im Spiegel anschauen kann – auch wenn sie sich nicht immer leiden mag. Lola ist Anfang 30, lebt in Berlin und Tel Aviv und ist Jüdin. Sie ist Deutsche. Sie ist Jüdin. Für die einen so und die anderen so. Dabei kennt sie sich doch selbst am besten und weil sie genug davon hat, dass andere bestimmen wollen, entscheidet sie selbst konsequenter. Geht, wenn es ihr nicht passt, gibt sich selbst Zeit, lernt und gibt zu: Verletzungen, "Fehler", Entscheidungen. Lola ist die Protagonistin in dem Buch "Winternähe" von Mirna Funk.

Ihr Leben entstand aus dem Vater, der noch vor 1989 Ost-Berlin verlassen hat und ab und zu wieder in ihr Leben kam. Die Mutter die auch ging, doch eh nie so nahbar war, dass es auch mal weh tun konnte und man sich danach wieder umarmt hat, weil sie eben so ist, wie sie ist. Und die jüdischen Großeltern, sie haben den Holocaust überlebt und auch deren Geschichten prägen Lola. Wie soll man also locker und entspannt bleiben, wenn man antisemitische Sprüchen hört? Wie kann man dann überhaupt entspannt bleiben, wenn man Ungerechtigkeiten zu hören, sehen und fühlen bekommt?


Ich selbst bin sehr dankbar, dass ich in meiner Kindheit und Jugend viel Gerechtigkeit erfahren habe. Nicht alles war rosarot, keines Falls, doch die Geschichten aus der deutschen Vergangenheit, auch Vor-, Nach- und Kriegsgeschichten von meinen Großeltern (mütter-, wie väterlicherseits), waren ein Teil der Geschichten, die ich als Kind immer wieder gerne gehört habe. Weil sie mich näher zu der Kindheit und Jugend meiner Großeltern gebracht haben, weil ich neugierig auf alles war und bin, was sie mir erzählten, schöne und auch traurige Geschichten. Weil ich tolle Großeltern habe!

Weil ich, ohne viel zu verstehen, gern neben meinen Elten gesessen habe, wenn sie die Tagesschau schauten, nicht wusste was da passiert, doch noch heut die Momente in Erinnung habe, an denen sie damals sagten; "Kathrin, das wirst du mal in deinen Geschichtsbüchern lesen!". Weil ich tolle Eltern habe.

Fand ich natürlich nicht immer so, es gab Jahre, da hab ich doll rebelliert, doch ich fand es immer gut, dass keine Unterschiede gemacht wurden, wenn ich Menschen kennelernte und mir selbst eine Meinung bilden durfte. Erst ziemlich viel später, habe ich realistiert, es gibt sie, die Vorurteile. Ich mochte sie nie und vielleicht ist es zu naiv zu glauben, ohne sie leben zu können, denn wir haben alle Vorurteile im Kopf. Weil wir durch Erfahrungen zu Menschen mit individuellen Geschichten werden. 


Vielleicht hat mich das Buch "Winternähe" so angesprochen, weil es politische und religöse Geschichten erzählt und mich eben diese Geschichten und Ungerechtigkeiten berühren. Weil es zeigt, das Menschen auf der ganzen Welt durch ihre Geschichten und die Historie verbunden sind und weil ich mich in Lola in Teilen auch wiedergefunden habe. Weil sie zum Beispiel ab und an gern diskutiert, ab und an aber auch nicht und schweigt oder geht. Weil sie gerne allein ist, weil sie viele Gedanken hat, die selbstreflektierend sind. So wie viele in diesem Alter, in dieser, meiner Generation, weil sie verändern wollen. Weil sie neugierig sind, gerne dazulernen und auch in gesundem Maß egoistisch sein, erst lernen müssen. Weil es den Einblick in eine Familie zeigt, die Stärken und Schwächen hat.


Lola reist im Sommer 2014 von Berlin nach Tel Aviv, als dort der Krieg erneut beginnt. Sie besucht ihren Großvater und trifft Shlomo wieder. Trennungen gehen nicht ohne Spuren, egal von wem und warum, egal ob nur für den Moment oder immer oder räumlich oder weil man selbst so entscheidet und den anderen Menschen trotzdem noch sieht. Lola sucht ihre Identität und ihr eigenes Leben und findet es ein Stück weit in diesem tollen Buch. Ich habe beim lesen gelacht und geweint und werd es nochmal lesen.


"Winternähe" ist im S. Fischer Verlag erschienen und HIER oder auch HIER erhältlich.

Ein schönes Interview mit der Autorin Mirna Funk und mehr Hintergründe zu ihrer Person und dem Buch gibt es bei den Janes.

Während ihrer Lesereise ist sie auch in Hamburg: am 13.09. beim Debütantensalon des Harbour Front und Termine für NRW kommen bestimmt auch noch.



Die Bilder sind alle von mir und entstanden, als ich das Buch gelesen habe. Das von Mirna, das ist von Mirnas Instagram Bildern.

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