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Tom Klose. Hamburger Menschen #13

Bei dem Sofarsounds Konzert im Rahmen der Social Media Week zu Beginn des Jahres 2013 spielten fünf Bands akustisch in einem Wohnzimmer. Unter diesen Bands war auch Tom Klose. Seitdem habe ich ihn sehr oft auf der Bühne gesehen. Ob als Solokünstler oder mit Band, wenn er singt, offenbart sich ein breites Spektrum an Musikalität – ruhig, melancholisch, laut und rau. Musik, die ich noch so oft hören kann und nicht genug davon bekomme. Musik, die mit Tiefgang direkt in Gemüt übergeht. Deswegen, freue ich mich sehr, dass er mir heute die Fragen der Serie Hamburger Menschen beantwortet:

Tom, erzähl von dir, wer bist du? Woher kommst du? Seit wann bist du in Hamburg?

Ich bin Tom Klose, komme aus Flensburg und wohne seit Oktober 2010 in Hamburg, also mittlerweile drei Jahre, also noch recht frisch. Es kommt mir auch eher wie ein Jahr vor, wenn ich ehrlich bin, ist das gut oder schlecht? Da bin ich mir immer nicht so sicher. Ich bin mir aber sicher, dass es die richtige Entscheidung war und ich in den letzten drei Jahren mehr erlebt habe und mehr gewachsen bin als in den 10 Jahren davor. Das klingt übertrieben, aber so fühlt es sich an.


Erzähl mal von deinem Beruf?

Es ist gut, dass ich diese Frage genau jetzt beantworten darf, denn erst seit kurzem darf ich die Musik als meinen Beruf bezeichnen, was sich sehr sehr gut anfühlt, weil es immer mein Traum war! Ich bin Singer-Songwriter, das heißt ich schreibe die Songs, die ich singe und singe die Songs, die ich schreibe. Genau so mag ich das auch am liebsten, denn ich seh mich weder nur als Sänger, noch nur als Songschreiber. Mein Lieblingsinstrument ist die Akustikgitarre, die habe ich also immer dabei um mich bei Auftritten zu begleiten. Außerdem begleitet mich oft eine dreiköpfige Band (Cello, Bass, Schlagzeug), bestehend aus drei weiteren wunderbaren Hamburger Menschen, die ich hier kennen gelernt habe und die mir sehr ans Herz gewachsen sind.

Was wäre deine Job, würdest du nicht das machen, was du jetzt machst?

Ich studiere gerade noch Englisch im Hauptfach und Philosophie im Nebenfach auf Bachelor (kein Lehramt) zuende. Was macht man damit? Könnt ihr euch eigentlich aussuchen. Vielleicht wäre ich ja tatsächlich Dolmetscher. Bevor sich neben dem Studium mit der Zeit die Musik als Alternative und dann irgendwann als Hauptberuf heraus kristallisiert hat, habe ich mal mit dem Gedanken gespielt, Journalist zu werden. Hauptsache schreiben. Aber egal, was ich sonst beruflich machen würde, ich würde immer auch noch hauptsächlich Musik in meiner Freizeit machen.

Was machst du, wenn du nicht arbeitest?

Das habe ich dann ja fast schon beantwortet gerade: Wenn ich keine Musik mache, mache ich hauptsächlich Musik. Keine besonders originelle Antwort, aber es ist schwer, das genau zu trennen, weil ich das Glück habe, genau das beruflich machen zu dürfen, was ich am liebsten auch in meiner Freizeit mache. Hobby als Beruf eben. Das Einzige, was garnichts mit der Musik zu tun hat, ist im Grunde mein Studium und meine Playstation 3. Hier hängen aber so viele Instrumente in meinem Zimmer, dass ich permanent daran erinnert werde, dass ich doch lieber musiziere. Natürlich habe ich auch eine Freundin und Familie in Flensburg, also wenn das als Hobby zählt...

In welchem Stadtteil von Hamburg lebst du?

Ich wohne in Hohenfelde und weil das immer kein A kennt, sage ich Lübecker Straße. Witzig, dass es wohl kaum Jemand kennt, wo es doch Teil des U3-Rings ist und nur zwei Stationen zum Hauptbahnhof. Das zählt noch als Kern!

Möchtest du nochmal in einem Anderen wohnen?

Hier in Hohenfelde finde ich es schon ganz gut, gerade weil man einkaufen gehen kann, ohne, dass man auf dem Weg immer Jemanden trifft, den man kennt. Auf der Schanze oder in St. Pauli wäre das sicher anders. Ich mag diese Anonymität irgendwie. Trotz der sechsspurigen Lübecker Straße ist es hier auch nicht so voll und busy. Ich habe mir den Statteil nicht bewusst ausgesucht, ich habe einfach die erste Bude genommen, die ich kriegen konnte und war immer ziemlich zufrieden (bis auf den Mietpreis, aber was soll man machen?). Schanze und St. Pauli reizen mich garnicht (ich habe das Gefühl als hätte ich schon auf der Reeperbahn gewohnt) und von den meisten anderen Stadtteilen weiß ich zu wenig, als dass es mich da hin ziehen könnte.

Wo würdest du dein Traumhaus bauen?

Hier in Hamburg? Hier in Hamburg wahrscheinlich irgendwo, wo es richtig grün ist. In den Stadtpark vielleicht. Ja warum nicht, da ist ja viel Platz. Aber wenn es um die ganze Welt geht, dann entweder in England, auf dem Land, in der Nähe von London oder in Queensland, Australien, wobei ich da das Land selbst nicht ganz so schön finde, ist ja hauptsächlich Wüste und Dschungel.

Was macht Hamburg für dich zur Kulturstadt #1?

Hamburg ist noch nördlich genug, um diesen mir so vertrauten und so sympathischen norddeutschen Humor, Slang und Lifestyle zu haben und dabei noch groß und weltoffen genug, um einer exzellenten Musikszene ihren Nährboden zu bieten. Man sagt ja auch "Tor zur Welt", oder was sagt man? Was auch immer man in der Hinsicht sagt, es stimmt. Außerdem passieren hier eine Menge innovativer und kreativer Ideen, die einen Kleinstädtler wie mich noch jedes Mal aufs Neue flashen! Am meisten profitiere ich natürlich von der gewaltigen Anzahl an Konzertlocations und Events, die es aber auch ohne diese Ideen alle nicht gäbe.


Was würdest du ändern, wenn du Bürgermeister wärst?

Mit Politik setze ich mich ehrlich gesagt wenig auseinander und würde mir deswegen auch Politikbegeisterten Menschen gegenüber keine doofen Vorschläge anmaßen. Aus meiner persönlichen Sicht wäre es natürlich cool, die Mietpreise zu senken und mal bitte nicht das Molotow, einen der wichtigsten Liveläden der Stadt, abzureißen. Die Elbphilharmonie könnte auch mal fertig werden, aber hey, was weiß ich denn schon? Ich bemühe mich auch, nicht immer nur das zu sehen, was noch Baustelle ist, denn das ist so leicht und auch so deutsch irgendwie.

Warum Hamburg und nicht Berlin oder New York?

Aufgrund der eben angemerkten, mir sehr sympathischen norddeutschen Art, würde ich wahrscheinlich weniger gerne in Berlin wohnen. Außerdem sind Berlin, New York und London sowas von groß und busy. Ich bin im Kern ja eigentlich Landmensch, weil ich in einem Halbdorf am Stadtrand aufgewachsen bin und weil Natur ja einfach mal viel schöner ist, als schwarze Straßen und graue Architektur. Auf dem Land gibt es nur keine wirkliche Musikszene, wie es die in den Großstädten gibt. Also habe ich mir die schönste Großstadt Deutschlands ausgesucht und das ist meiner Ansicht nach einfach HH.

Alster oder Elbe?

Alster. Ich sitz da im Sommer gerne mal und mache Musik (Welch Überraschung. Ich wette Kathrynsky wünscht sich inzwischen, sie hätte doch Jemand Originelles ausgesucht).

Wieviel Stunden am Tag ist dein Smartphone an?

Leider 24, es sei denn ich hab mit dem Akku schlecht geplant.

Keine Frage, Platz für deine Antwort oder was du loswerden möchtest: 

In letzter Zeit habe ich mich ziemlich viel mit Fragen bezüglich meiner Zukunft als Berufsmusiker in Hamburg beschäftigt und teile meine Gedanken immer gerne (wie auch in meinen Songs). Ich habe rausgefunden, die alles überragende Frage ist nicht ob oder wieviel Geld man mit dem verdient, was man beruflich macht. Die Frage ist, warum man aus den tausenden von möglichen Berufen auf der Welt, sich genau den einen ausgesucht hat und die Antwort darauf ist im Idealfall eben nicht Geld. Wie kann es in meinem Fall auch anders sein, wo der Beruf des Musikers doch als einer der unsichersten überhaupt gilt.

Lieblingssong des Moment?

Sau schwer aber schön zu beantworten. Ich hör momentan gerne das neue Album von Volcano Choir zum Runterkommen. Ansonsten finde ich den Song 'Just One Day' von den großartigen Mighty Oaks aus Hamburg/Berlin ganz großartig und inspirierend!

Lieblingssong forever?

Das müsste Coldplay - The Scientist sein. Zu dem Hintergrund hätte ich mehr zu erzählen, als irgendwer lesen wollen würde, also in kurz: das Lied vor 10 Jahren auf MTV war der Beginn einer (wahrscheinlich) lebenslangen Liebe und die wichtige Erkenntnis, dass es noch was anderes gibt als Ranz Punk mit verzerrten Gitarren und Geschrei.

Möchtest du noch jemanden grüßen, hier ist Platz dafür:

Ja! Martin, Niklas und Max aus meiner Band. Meine besten Kumpels und unter anderem deswegen die besten Mitmusiker und zukünftigen Arbeitskollegen, die ich mir vorstellen könnte.


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