1 Tag Göteborg, 2x auf der Fähre schlafen. Eine kurze Reise und viel Weihnachtsstimmung.



Vor 150 Jahren waren es die Postschiffe die in Skandinavien von Hafen zu Hafen fuhren. Als der Postversand mit den Schiffen 1984 eingestellt wurde, hatten die Schiffe schon längst mehr Passagiere als Briefe an Bord. Und entscheiden sich bewusst für eine Schifffahrt mit Touristen. Bis heute gibt es diese Reisen, doch da es heute auch wesentlich schnellere Verkehrsmittel gibt, geht der Reisende hier von Beginn an eine andere Erfahrung ein – das Tempo der Zeit verlangsamt sich und in dieser Verlangsamung öffnen sich die Sinne. Die Schönheit der Küste bei Sonne Wind Regen oder Schnee wird zu einem intensiven Erlebnis dass wohl niemand wieder vergisst. Ich auf jeden Fall nicht.

Für mich ging es genau einen Monat vor dem heiligen Abend von Kiel aus mit Stena Line nach Göteborg. Das sollte also meine zweite Fährfahrt werden, nachdem ich vor etwa einem Jahr mit dem Schiff nach Kopenhagen gefahren war. Von Kiel aus beginnt die Stena Line um 18.45 Uhr (SA+SO 17.45 Uhr) mit ihrer Seereise – Check-in ist ab 17 Uhr (SA+SO 16 Uhr). 

Nachdem wir kurz die Kabinen bezogen haben, ging es auch schon los an das Buffet, weihnachtliche, schwedische Köstlichkeiten und genug Platz, auf Grund des frühen Dunkelheitanbruchs im Winter gibt es zwar leider nichts auf See zu bestaunen, doch so kuschelte ich mich recht früh in die Kabine und habe mich von dem leichten Seegang in den Schlaf schaukeln lassen. 

Am nächsten Morgen bin ich so früh wach, dass ich mich dick eingepackt auf das Sonnendach der Fähre setze und den Sonnenaufgang über den kleinen Inseln vor der Küste und die Einfahrt in den Hafen von Göteborg bestaune. Die Natur ist so schön, das Herz wird mir ganz schwer und zugleich leicht von diesen Eindrücken. 

 Entspannen bei einer schwedischen Kaffeepause mit RIESENZIMTSCHNECKE. Yammie.


Um 9.15 Uhr können wir in Göteborg von Board gehen und gestalten den Tag, wie wir möchten, was erstmal bedeutet durch die charmante Altstadt Hagas bummeln. 

Göteborg ist Schwedens zweitgrößte Stadt und wurde besteht aus vielen, noch ursprünglichen, Holzhäusern. Die Geschichte der Stadt geht weit zurück – bis an die Anfänge des 16. Jahrhunderts. Erst als bewusst auf den Handel mit anderen Ländern gesetzt wurde, entwickelte sich die Stadt weiter. Dabei galt der Hafen als Dreh- und Angelpunkt. Vor allem viele Deutsche, Schotten und Niederländer schlossen mit den Schweden hier Geschäfte ab.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts hatte Göteborg dann bereits über 10.000 Einwohnern und war zu einer zu einer blühenden Handels- und Seefahrtstadt geworden (vor allem wegen Eisen und Holz). Neben vielen Geschichten unseres Stadtführers bestaunte ich die gemütliche Vorweihnachtshektik. Es gibt viele Marktstände, in denen Selbstgemachtes verkauft wird, immer wieder Weihnachtsparaden und ein gemütliches Treiben in den kleinen urigen Cafés.

Im Winter sind die Tage kurz und die Nächte lang in Schweden, also gibt es viel Zeit es sich richtig gemütlich zu machen.
 
Wer hat nun noch keinen Hunger bekommen?


Im Jahre 1623, kurz nach der Gründung Göteborgs, wurde dort eine deutsche Gemeinde gebildet, die auch eine Kirche bekam. Doch in ihr waren nicht nur Menschen aus Deutschland, sie bestand auch aus eingewanderten Protestanten aus den Niederlanden und Schottland. Alle halfen gemeinsam beim Aufbau der Stadt.

Die damalige Königin Christina, die ursprünglich aus Deutschland stammte, hatte den Bau der Kirche finanziell gefördert und verlieh der deutschen Gemeinde 1649 grundlegende Privilegien. Deswegen wurde die Kirche auch Christinenkirche getauft.



Von den Kirche aus ging es für mich weiter durch die Strassen der Stadt – immer wieder finden sich Statuen, die aufzeigen, wie das Leben in früheren Tagen ausgesehen hat, oder zeigen Figuren aus Geschichten, die in der Stadt niedergeschrieben oder erfunden wurden. Geschichten über die Seefahrt, das Leben und die Entwicklung einzelner Stadtteile oder auch die Geschichte der Arbeiterbewegung. Über 500 öffentliche Monumente zeigen Künstler und die künstlerische Entwicklung der Stadt. Göteborg nimmt damit eine führende Position in Skandinaviens ein, wenn es um die Anzahl an Skulpturen und öffentlichen Kunstwerken geht.

Kunst ist ein fester Bestandteil Göteborgs, auch, weil sich hier die Kunsthochschule Valand und die Hochschule für Design und Kunsthandwerk (HDK) befindet. Zudem studierten sehr viele der Architekten von der Technischen Hochschule Chalmers parallel auch Kunst und prägten die Stadt seit den 50er Jahren sehenswert mit.

Und dann war da noch ein wenig Zeit für shopping ...
– ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk an mich selbst 💖





Göteborg wird auch DIE die Weihnachtstadt genannt = Julstaden. So richtig geht es erst am ersten Freitag im Dezember los, ab dann erstreckt sich eine kilometerlange Lichterkette über die Stadt ... ich bin der Stimmung schon jetzt verfallen. Und das einfach so, denn anders als bei uns spielt der Glögg (das schwedische Pendant zum Glühwein) auf schwedischen Weihnachtsmärkten keine Hauptrolle – höchstens die alkoholfreie Version. Das liegt daran, dass es in Schweden verboten ist, Alkohol in der Öffentlichkeit zu trinken. 

Nach einem wahrlich erlebnisreichen Tag stechen wir um 18.45 Uhr (Samstags und Sonntags legt die Fähre schon um 17.45 Uhr ab) wieder in See und genießen an Board noch ein Weihnachtliches Menu. 

Danke Stena – bis bald.



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