Don Jayakody. Hamburger Menschen #167

Wir kennen uns nur via eMail und nicht im echten Leben, doch ich glaube, mein heutiger Gast der Serie Hamburger Menschen ist ein guter Typ...

Wir kennen uns nur via eMail und nicht im echten Leben, doch ich glaube, mein heutiger Gast der Serie Hamburger Menschen ist ein guter Typ. Und das Projekt, zu dem er gehört, von dem bin ich seit längerem Fan: Product Mate – solltet ihr auf die Seite gehen, nehmt euch ein wenig Zeit. Vor schönen Produkten, kommt man nämlich nicht so gut wieder weg ... doch, nun geht es um Don. Wenn wir uns mal in der Realität treffen, würde ich gern wissen, wie dein Nachname ausgesprochen wird. Und nun leg los, erzähl mal, wer bist du?

Ich bin 31, Zugezogener und mein Name ist "Don Alexander Tissara Jayakody", was von meinem Vater sicher gut gemeint war, bezüglich der Anrede und Vorstellung in neuen Kreisen aber mitunter  problematisch wird: Mein Rufname in der Schule war Alexander, wir hatten jedoch zwei "Alexander" in der Klasse und aus diesem Grund wurde daraus dann Alexander "J.". Da die meisten Menschen bekanntlich eher (mund)faul sind, wurde daraus im Laufe der Zeit nur noch "J.", so dass ich mich mitunter auch als "J., wie der Buchstabe" vorstelle, um späteren Missverständnissen vorzubeugen ("Hä? Ich dachte du heisst Don? Dachte ich mir doch, dass das nicht Dein richtiger Name ist und wieso überhaupt “J.“ ­‐ so heisst doch auch kein Mensch!"). 
 

Mein eigentlicher Rufname ist Don und auch dieser Name sorgt bei meiner Vorstellung meist für Verwunderung oder zumindest interessierten Fragen nach der Herkunft und Bedeutung. Verdanken tue ich ihn meinem Vater, der mich zu Ehren meines Großonkels, der ein wichtiger Politiker und Botschafter Sri Lankas war, so benannt hat. Der Name Don ist ein Überbleibsel aus der (portugiesischen) Kolonialphase Sri Lankas und alle meine Verwandten väterlicherseits tragen diesen Namen zu einem gewissen Grad (alle männlichen Familienmitglieder heißen mit erstem Namen "Don", alle weiblichen "Donna" und der/ die jeweils Erstgeborene, darf den Namen als Rufnamen verwenden. Übrigens sehr witzig auf großen Familienfeiern einfach mal "Don" zu rufen). 
Woher kommst du?

Ich bin 1985 im Süden von Deutschland im wunderschönen Freiburg im Breisgau als Sohn einer deutschen Krankenschwester und eines singhalesischen Gemmologen zur Welt gekommen und  habe die ersten fünf Lebensjahre in einem kleinen Vorort von Freiburg, inmitten von Baggerseen, Wald und Wiesen verbracht.

Seit wann bist du in Hamburg?

In die schöne Hansestadt zogen wir so circa zur Wende hin. Mein Vater fand nach langer Suche  (Hamburg war als Wohnort anscheinend schon damals sehr attraktiv) eine große Wohnung für uns  vier in Steilshoop ‐ was natürlich, verglichen mit dem dörflichen Freiburger ‐Vorstadt‐ Flair, erstmal ein Kulturschock war. Zu Beginn wurde ich noch von den Nachbarskindern ausgelacht, wenn gefühlt jeder Satz mit dem typisch freiburgerischen "Gell?" endete, doch glücklicherweise war das ganze  Thema, auch dank intensiver Bemühungen in der Grundschule, uns Kindern das Plattdeutsche näher  zu bringen, nicht von allzu langer Dauer ... 



Erzähl mal von deinem Beruf?

Ich arbeite bei PRODUCTMATE, der Online Plakorm und Gemeinschaft für ausgewählte Designer,  Manufakturen, Concept Stores, inhabergeführten Unternehmen u.Ä., im Marketing. Unsere Vision  ist es, den Menschen die einzigartigen, innovativen Dinge zugänglich zu machen, die sich mitunter ohne eigene Kenntnis, direkt vor der eigenen Nase im heimischen Stadtviertel verstecken. Ich erstelle, schalte, koordiniere Werbeanzeigen, schalte bei Google AdWords‐Kampagnen für unsere Partner, kümmere mich um unsere Social Media Aufritte und sorge generell dafür, dass unsere Firma und unser Produkt von so vielen Menschen wie möglich, so positiv wie möglich wahrgenommen wird.


Dabei reichen meine Aufgaben von rein technischen Dingen, über kreatives  Schreiben, bis hin zur Planung und Ausführung nächtlicher Guerrilla‐Marketing‐Aktionen und mehr.

Ich kenne die Gründer noch aus Schultagen. Wir sind ein junges dynamisches Team und es macht mir riesigen Spaß, dort zu arbeiten. Schaut doch einfach mal rein unter: www.productmate.de.

Was wäre dein Job, würdest du nicht das machen, was du jetzt machst?

Bevor ich bei PRODUCTMATE begann, habe ich zwei Semester Japanologie (Hauptfach) & Soziologie (Nebenfach) studiert. Mein Abitur habe ich auch mit psychologischem Profil gemacht und  wollte mich zuerst auch in diese Richtung (Psychologie/Soziologie) orientieren. Wenn der Schlaganfall meines Vaters nicht dazwischengekommen wäre, wäre ich heute möglicherweise  Kindergärtner oder Jugendpsychologe auf Okinawa oder hätte meine eigene Werbeagentur in Tokyo  gegründet.


Was machst du, wenn du nicht arbeitest?

Wenn ich nicht gerade arbeite, triffst du mich entweder im Kreise meiner Freunde, beim Schwingen  des Tanzbeins zu phatten Bässen im Hafenklang, beim entspannten Relaxen im Park oder beim  Lesen (digital und analog) von irgendwelchen Texten. Wenn das typische Hamburger Wetter  mitspielt, trift man mich auch gerne mal im Niendorfer Gehege an.


In welchem Stadtteil von Hamburg lebst du?

Zur Zeit lebe ich in einer tollen Altbauwohnung mit Balkon im wunderschönen Eimsbüttel, von uns  seit Samy Deluxe' und Mongo Clikke Zeiten liebevoll "Eimsbush" genannt. Dort hat man das  perfekte Zusammenspiel aus ruhiger Anonymität und pulsierendem Leben. Ob zum Picknick am  "Weiher", zum Frühstück in der kleinen Konditorei oder dem Sonntagsspaziergang am Ufer des  Kaiser‐Friedrich‐Kanals. In Eimsbüttel findet sich einfach zu jeder Tageszeit und für jede Stimmung etwas Passendes. Außerdem sind alle Einkaufsmöglichkeiten fußläufig zu erreichen und der Weg in die Innenstadt ist auch zu verkraften.


Möchtest du nochmal in einem Anderen wohnen?

In Hamburg kämen da eigentlich nur die Veddel und das Gebiet rund um den Fischmarkt in Frage.  Ich habe bereits einige Zeit am Elbufer in Tiefstack gelebt und finde den einzigartigen Flair des  Hamburger Hafens einfach wunderschön und inspirierend. Auch das gemütliche und etwas  beschaulichere Leben in Altona könnte nochmal etwas für mich sein. Im Moment bin ich mit  Eimsbüttel aber hamburgtechnisch wunschlos glücklich.



Wo würdest du dein Traumhaus bauen?

Wenn nicht in Hamburg am Elbstrand, dann müsste mein Traumhaus entweder ein kleines Chalet im  libanesischen Wintersportort Farraya sein oder aber ein umweltfreundliches, nachhaltiges  "Earthship"­‐Home am Traumstrand von Colombo/Sri Lanka. Hauptsache mit tollem Ausblick und  optimalerweise am Wasser gelegen.


Was macht Hamburg für dich zur Kulturstadt?

Ich bin eigentlich kein großer Fan der großen, typischen Veranstaltungen wie Harley Days, Schlagermove und Co., finde es aber gerade dort spannend zu beobachten, wie am Rande dieser Veranstaltungen, die zugegebenermaßen eher für Hamburg­‐Touristen gedacht sind, einige Hamburger regelmäßig ein Alternativprogramm auf die Beine stellen. So wird von den Bewohnern des Hafenstraßen­‐Viertels auf St.Pauli während des alljährlichen Hafengeburtstags, neben den offiziellen Bühnen, Shows und Umzügen auch immer ein tolles alternatives Programm mit internationalem Streemood, Kultur­‐ und Musikveranstaltungen für die ganze Familie angeboten. Auch das soziale und kulturelle Engagement, das sich in den letzten Jahren zum Beispiel im Gängeviertel gezeigt hat, macht für mich den eigentlichen Status einer Kulturstadt aus. Ob Großprojekte, wie die Elbphilharmonie, helfen, diesen Status noch weiter einzuzementieren, bleibt fraglich ... 

Was würdest du ändern, wenn du Bürgermeister wärst?

Puh, keine einfache Frage. Als "externer Laie" hat man da ja genug Kritik und Verbesserungsvorschläge … Ich denke, zuallererst würde ich meine Diäten und Gehälter auf das Mindestlohn‐Niveau absenken, um glaubwürdig zu vermitteln, dass es mir dabei tatsächlich um die Chancen auf positive Veränderungen geht und nicht darum, einen gehalts‐ und prestigeträchtigen Posten innezuhaben. Dann würde ich mich wahrscheinlich um die vielen leerstehenden und ungenutzen Immobilienflächen in Hamburg kümmern. Es ist echt eine Schande, wieviel Wohnraum bedingt durch Spekulationen leer steht und wie viele Menschen Probleme haben, bezahlbaren Wohnraum in Hamburg zu finden. Ach ja, nach dem OSZE­‐Gipfel‐Fiasko würde ich den G10‐Gipfel  inkl. Trump‐Besuch versuchen, von der Hansestadt abzuwenden. Wer weiß ­‐ vielleicht fühlt sich der  US­‐Tyrann mit seiner Wild‐West­‐Manier am Ende doch am Kalkfelsen bei den Bad Segeberger Nachbarn besser aufgehoben als bei uns.

Warum Hamburg und nicht Berlin oder New York?

Weil Hamburg es einfach kann. Nirgendwo sonst bin ich bisher dieser einzigartigen Mischung  begegnet: Hier gibt man sich zwar nach außen hin kalt und schroff, hat man den betreffenden  Menschen aber erst einmal näher kennengelernt, sind die Hamburger an Herzlichkeit und Loyalität  kaum zu übertreffen. Auch schaft es Hamburg auf wundersame Weise den Spagat zwischen  anonymer Millionen‐Weltstadt und persönlicher menschlicher Begegnung zu meistern. Ich habe fast  zwei Jahre in London gelebt und, auch wenn es auch eine schöne geschichtsträchtige Stadt ist, wird  man dort das Gefühl, nur "Einer von Millionen Anonymen" zu sein, schwer los. 


Alster oder Elbe?

Ganz Klar: Beides. Und zwar je nach Lust und Laune. Ich liebe es, im Sommer in Minutenschnelle in  den wunderschönen Haynspark zu radeln, die frische Luft und Sonne zu genießen und ab und an die  Füße in den Alsterarm baumeln zu lassen. Genauso freue ich mich aber auch, wenn mal wieder einer  meiner Freunde spontan seine Geburtstagsfeier zum großen Findeling an den Elbstrand verlegt,  oder ich von der anderen Elbseite auf die ikonischen Landungsbrücken blicke und mit den Blicken  den ein‐ und ausfahrenden Schiffen folgen kann.



Wieviel Stunden am Tag ist dein Smartphone an?

Leider muss ich das mit 24/7 beantworten, auch wenn es mir persönlich mit weniger auch  ausreichen würde. Nach Feierabend nutze ich das Smartphone aber zugegebenermaßen auch eher  zum Musik hören, fotografieren und lesen.


Lieblingssong des Moment?

In the pines ‐ Fantastic Negrito. Ein toller alter Blues Song, der mittlerweile tausendfach gesampled, gecovered und neu intoniert  wurde (unter anderem auch von Nirvana). In meiner Lieblingsversion performt von Fantastic Negrito,  einem aufstrebenden, super inspirierenden Ausnahmekünstler aus Oakland, der trotz der größten  Widrigkeiten nie aufgab (und dafür gerade erst kürzlich mit einem Grammy bedacht worden ist).


Lieblingssong forever?

Who I am ‐ Pusha T (Super Hip Hop Banger von einem extrem wortgewandten Rapper)
Buffalo Charge ­‐ Dub Phizix (britischer DrumNBass mit dem besten Kuh‐Cast‐Video, ever. Who knew Cows had such personalities XD)
Urami Bushi ‐ Meiko Kaji (japanischer Schlager aus den 70ern, bekannt geworden durch die Exploit Film Reihe "Sasori ­‐ Red Scorpion", durch Tarantino's "Kill Bill" wieder populär geworden) 


Drei Plätze, die man sich in Hamburg unbedingt angeschaut haben sollte:

Den Heinrich‐Hertz‐Turm aka "Tele‐Michel" aka Fernsehturm bei den Messehallen: Auch wenn uns der Besuch momentan verwehrt ist: Als Kind war ich einige Male auf dem "Tele‐Michel" und der Ausblick von der rotierenden Aussichtsplakorm über ganz Hamburg wird mir für immer im Gedächtnis bleiben. Gerade bei Dämmerung und Sonnenaufgang absolut wundervoll (und wer weiß, vielleicht dürfen wir ja bereits in naher Zukunft ein Revival des "Tele‐Michel" erleben ‐ Genug spannende Vorschläge dafür gibt es ja bereits).

Der Japanische Garten (Planten & Blomen) mit seinen Bonsai, Bächlein und Brücken ist zu jeder  Jahreszeit einen kleinen Besuch wert. Ob zur klassischen Teezeremonie, Meditation oder schlicht zum "Blumen gucken", wer den super harmonischen Japanischen Garten nicht mag, bei dem läuft etwas verkehrt.

Mein absoluter Geheim Tipp: Der Finkenwerder Gorch‐Fock‐Park, am südlichen Elbufer gegenüber dem Jenisch Park gelegen. Ruhig, sauber und nicht allzeit ab vom Schuss. Hier findet man immer einen freien Platz und der Ausblick aufs heimische Elbufer und die vorbeifahrenden Schiffe ist Hafen ‐ und Großstadtromantik pur. Wer von hier den Sonnenuntergang über Hamburg erlebt, der möchte hier nie wieder weg. Auch wenn die Anreise per HVV‐Schiff bis Entenwerder oder durch den alten Elbtunnel nicht ganz unkompliziert ist, entschädigt die frische Hafenluft und der phänomenale Ausblick für alle entstandenen Unannehmlichkeiten.


Möchtest du noch jemanden grüßen, hier ist Platz dafür:

Ich grüße alle Mates aus der Firma, alle Freunde, Verwandte in der Heimat, alle Hamburger und die,  die es werden wollen und, zu guter Letzt, unseren Officedog “Local Leo“.

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