Jessica Speth. Hamburger Menschen #33

Vor über drei Jahren war ich mal zwei Wochen bei RTL Nord – ehrlicherweise habe ich schnell gemerkt, das ist nicht so richtig etwas für mic...

Vor über drei Jahren war ich mal zwei Wochen bei RTL Nord – ehrlicherweise habe ich schnell gemerkt, das ist nicht so richtig etwas für mich. Auch, wenn ich die Regionalnachrichten von der Couch aus sehr gerne schaue. In diesen zwei Wochen habe ich jedoch Jessica kennengelernt – dafür hat es sich gelohnt und ich freue mich noch immer darüber. Wie wunderbar, dass sie heute bei Hamburger Menschen zu Gast ist. Ein sehr schönes Interview, viele schöne Einblicke, los geht es,  

Wer bist du?

Ich bin Jessica, Redakteurin, Reporterin und Moderatorin bei RTL Nord, und ich bin wirklich und ehrlich 30 Jahre alt. Und damit meist 5-7 Jahre älter als jeder Türsteher, der es nicht glauben kann, 15 Jahre älter als mich die meisten Kassiererinnen im Supermarkt einschätzen und 18 Jahre (!) älter als der Busfahrer glauben konnte, der mir vor ein paar Monaten ein Kinderticket verkauft hat. Eine Fahrt von Altona nach Eppendorf kostet so übrigens nur 90 Cent. Und es ist bei Bus-Verspätungen möglich sich ein Beweis-Ticket für die Schule ausstellen zu lassen …


Woher kommst du?

Genau 984 Kilometer liegen zwischen der Tür meines Elternhauses im beschaulichen Niederbayern, kurz vor der österreichischen Grenze und meiner jetzigen Wohnungstür in Hamburg-Altona. In meinem Ausweis steht unter dem Stichwort Geburtsort aber etwas viel Cooleres. Nämlich: Berlin.

Seit wann bist du in Hamburg?

Seit dem 20. September 2007. An das Datum kann ich mich genau erinnern. Es wäre beinahe mein Todestag gewesen. Bis unters Dach war der kleine Sprinter vollgepackt, mit dem ich die 984 Kilometer aus dem Süden in den Norden über die Autobahn gerauscht bin. Musik voll aufgedreht. Von dem Geklapper im Radlager habe ich lange nichts mitbekommen. Aber selbst wenn ich es gehört
hätte, wäre mir nie in den Sinn gekommen, dass der linke Vorderreifen gerade dabei ist sich zu lösen. Ich werde mich nie wieder über meine schwache Blase beklagen. Nie wieder. Denn nur weil ich mal wieder und ganz plötzlich dringend auf Toilette musste, fuhr ich zur nächstgelegenen Raststätte. Und traf dort den Mann, dem ich vielleicht mein Leben zu verdanken habe: Werkstattmeister Rudi. Neben ihm hatte ich nämlich geparkt ... am Ende hat Rudi nur einmal mit dem Ellenbogen gegen den Reifen geboxt und schon fiel der krachend zu Boden. Ungutes Gefühl, muss ich sagen ... Seither drehe ich die Musik nicht mehr ganz so laut auf. Zumindest nicht, ohne mich vorher genau zu vergewissern, ob auch alles rund läuft.


Erzähl mal von deinem Beruf?

Eigentlich mache ich nichts anderes als Ereignisse, die ich erlebe oder begleite oder gesehen habe, kompensiert weiterzuerzählen. Ich arbeite nämlich als Redakteurin beim Fernsehen. Um nicht zu sagen: isch bin beim Är Te ÄL, hömma. Der Konzern sitzt eigentlich in Köln, hat aber in jeder größeren Stadt ein Außenstudio. Mein Glück, denn so kann ich von Hamburg aus nicht nur regionale Beiträge produzieren, sondern eben auch nationale, wie es so schön heißt. Also Beiträge, die bundesweit ausgestrahlt werden, wie etwa bei Explosiv (18:00 Uhr) oder Extra (Montag, 22:15 Uhr). Ja, und dann moderiere ich im Wechsel mit 2 lieben Kolleginnen auch noch das Regional-Format RTL NORD für Hamburg und Schleswig-Holstein. Manchmal springe ich auch für die Kollegin aus Bremen und Niedersachsen ein. Langweilig ist es also nie. Wobei … manchmal wird es richtig frustrierend, wenn nach einer langen und intensiven Recherche ein Thema „stirbt“.


Was wäre dein Job, würdest du nicht das machen, was du jetzt machst?

Ich glaube, dann wäre ich super gern Tierpflegerin geworden. Kein Scherz! Ich bleibe regelmäßig bei irgendwelchen Zoo-Dokus hängen und beneide die Tierpfleger um ihren Job. Warum? Mich amüsieren die Befindlichkeiten von Hängebauchschwein und Co. Und ich bin mir sicher: im Zoo spielen sich jeden Tag die wahren Dramen ab. Und damit meine ich nicht nur die fiese Bananenabzocke im Affengehege. Der Neue geht am Ende immer leer aus. Ungeschriebenes Gesetz.

Was machst du, wenn du nicht arbeitest?

Dann verbringe ich Zeit am liebsten mit meinem Freund, meinen Freunden und meiner Familie, die ich leider viel zu selten sehe, weil sie quer durch Deutschland verteilt lebt.

In welchem Stadtteil von Hamburg lebst du? Möchtest du nochmal in einem anderen wohnen?

Ich habe mir einen kleinen gemütlichen Stadtteil im Bezirk Altona ausgesucht, 2,9 km² und einer Einwohnerzahl von 33.000. Damit ist Ottensen zwar immer noch größer als mein Heimatstädtchen in Niederbayern, aber darf es ja auch, ich wollte ja in die Stadt.

Wo würdest du dein Traumhaus bauen?

Tatsächlich in Bayern, an einem See. Die Berge direkt vor der Haustür und Italien praktischerweise auch. Ich liebe Berge. Davon gibt es in Hamburg leider … genau genommen keinen. 

Was macht Hamburg für dich zur Kulturstadt #1?

Um jetzt hier mal ganz ehrlich zu sein – Kulturstadt #1 ist für mich Berlin, nicht Hamburg. Aber mich fasziniert die Gegensätzlichkeit der Stadt. Das Spießbürgertum, die linke Szene und alles dazwischen. Irgendwie muss für alle wohl was dabei sein.

Was würdest du ändern, wenn du Bürgermeister wärst?

Oh, schwere Frage. Ich hinterfrage ja regelmäßig politische Entscheidungen, allein von Berufswegen. Aber was mich wirklich entsetzlich traurig und wütend macht ist, dass in Hamburg fast jedes Jahr ein Kind an den Folgen jahrelanger Misshandlung stirbt. In so gut wie allen Fall sind die Familien schon lange vorher dem Jugendamt bekannt. Wie kann es dann trotzdem soweit kommen? Was läuft falsch? Ja, ich denke ich würde die Arbeitsstrukturen der Sozialbehörde und den Jugendämtern überprüfen und verbessern wollen.

Warum Hamburg und nicht Berlin oder New York?

Och, das würde ich jetzt gar nicht ausschließen. Fakt ist aber, dass ich mich hier pudelwohl fühle und momentan auch nicht woanders wohnen wollen würde.

Alster oder Elbe?

Mag ich beides. Bin aber öfter an der Elbe unterwegs, die liegt nämlich vor meiner Haustür.

Wie viele Stunden am Tag ist dein Smartphone an?

An ist es den ganzen Tag. Ich schau aber nur selten rauf. Manchmal vergesse ich es zu Hause und bemerke es nicht mal. Das hat die Konsequenz, dass sich meine Freunde öfter mal bei meinem Freund versichern, ob ich denn heute erreichbar bin. Ein paar Verabredung gleich laufen auch generell über ihn. Das gleicht eigentlich fast schon einem persönlichen Sekretär, merke ich gerade. Hm, auch wieder geil.

Keine Frage, Platz für deine Antwort oder was du loswerden möchtest:

Ich finde diese Rubrik Hamburger Menschen super. Ganz viele tolle Persönlichkeiten, die mir in Hamburg bisher rein optisch (positiv) aufgefallen sind, habe ich hier wiedergefunden und dazu gleich noch einen kleinen Einblick in ihr Leben bekommen. An dieser Stelle: vielen Dank dafür.

Lieblingssong des Moments?

Ich summe seit heute Morgen das Lied „Bilder im Kopf“ von Sido vor mich hin. Ansonsten mag ich alten Hip Hop und melodische elektronische Musik sehr gern.

Lieblingssong forever?

Das habe ich in der Tat nicht. Außer vielleicht … doch, warum auch immer: Matthias Reim mit „Verdammt ich lieb dich“, okay, jetzt ist es raus. Aber pssst. 

Drei Plätze, die man sich in Hamburg unbedingt angeschaut haben sollte:

Das Treppenviertel in Blankenese. Strandpauli. Und den legendären Mojo Club auf der Reeperbahn -
in einer Neuauflage.

Möchtest du noch jemanden grüßen, hier ist Platz dafür:

Meine Mama, die stets wie eine Löwin gekämpft hat und für die jetzt endlich die Sonne scheinen soll!

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1 Kommentare

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