Leon Alexander von Humboldt. Hamburger Mensch #192

Hamburg ist eine Stadt der Zugezogenen, jeder Zweite ist woanders geboren. Genau genommen sind die gebürtigen Hamburger mit 44 Prozent sog...

Hamburg ist eine Stadt der Zugezogenen, jeder Zweite ist woanders geboren. Genau genommen sind die gebürtigen Hamburger mit 44 Prozent sogar in der Minderheit. Doch heute habe ich in der Serie "Hamburger Menschen" mal wieder einen zu Gast, der hier schon immer lebte. Leon ist der Zweite im Bunde aus der productmate Familie ... doch bestimmt nicht der Letzte. Er hat eine ganze Menge zu lesen und es macht großen Spaß zu lesen, wofür er schwärmt und was er so sehr liebt. Doch zuerst, Leon, wer bist du?

Schwierigere Frage, als man denkt. Die meisten würden sagen “Ich bin Leon”, aber ist das die Antwort auf diese Frage? Ich bin der Sohn, der Bruder, der Freund, der Kollege, der Chef, der Gelassene, der Analytiker, der Kritiker, der Helfende, der Faule, der Verrückte, der Zielstrebige, der Philanthrop, der Omnivore, der Sportliche, das Spielkind, der Alberne, der Ernste, ... das könnte man wohl ewig weiterführen. Jeder Mensch sieht einen anders. Aber ich passe mich mal an: Mein Name ist Leon Alexander von Humboldt-Dachroeden. Ich bin 30 Jahre alt und Start-Up Manager bei PRODUCTMATE.



Woher kommst du?

Ich bin gebürtiger Hamburger und habe die ersten Jahre meiner Kindheit in Blankenese und Altona verbracht.


Seit wann bist du in Hamburg?

Ich bin in Hamburg geboren. Mit 12 Jahren kam ich ins Internat und ging dann mit ca. 17 Jahren wieder zurück in die Hansestadt, um die Schule abzuschließen. Danach habe ich in Bayern Betriebswirtschaftslehre / Wirtschaftswissenschaften studiert und bin dann wieder in die schönste Stadt der Welt gezogen, um hier zu arbeiten.



Erzähl mal von deinem Beruf?

Ich bin Gesellschafter und leitender Manager bei PRODUCTMATE. Primär leite ich das Account Management und bin zudem für die Software-entwicklung beratend tätig. Wir zeigen hochwertige Produkte von besonderen Designern, Manufakturen, Künstlern, etc. und geben den Menschen die Möglichkeit, die individuelle Vielfalt ihrer Stadt kennenzulernen. All diese besonderen inhabergeführten Unternehmen haben oft Schwierigkeiten, sich online präsent genug neben den großen Konzernen und Marktplätzen zu positionieren. Die Vielfalt und Präsenz dieser Geschäfte bündeln wir, um so die Unternehmen,  die   unser   Leben   so   ausschlaggebend   bereichern   und inspirieren gemeinsam zu fördern. Denn wenn der Markt sich weiter so entwickelt, wie bisher, werden wir bald alle von ein und demselben Konzern eingekleidet, eingerichtet und mit Produkten und Nahrung versorgt. Eine vielfältige Zukunft stelle ich mir anders vor.


Was wäre dein Job, würdest du nicht das machen, was du jetzt machst?

Das möchte ich mir gar nicht vorstellen. Ich liebe meine Arbeit. Aber wenn ich hier nicht arbeiten würde, würde ich vermutlich ein Start-up gründen. Gegebenenfalls würde ich vorher nochmal neue Erfahrungen in anderen Unternehmen sammeln. Die Märkte für Digital Business, Virtual Reality, Augmented Reality, Robotics, Videospiele, Trainingssimulationen, etc. halte ich für ausgesprochen interessant und zukunftsträchtig. Zum Glück hat auch Hamburg hier einiges zu bieten.



Was machst du, wenn du nicht arbeitest?

Wenn ich gerade nicht arbeite, verbringe ich viel Zeit mit dem Training, meiner Freundin und meinen Freunden. Ich wurde früh in verschiedenen Kampfsportarten ausgebildet und arbeite auch heute nebenbei als Trainer für Taekwondo und Selbstverteidigung. Die Arbeit als Trainer lässt mich unheimlich wachsen und ich lerne dabei wohl genauso viel, wie meine Studenten und Schüler. Mit meiner Freundin teile ich u.a. die Leidenschaft für Sport, also mache ich auch hier und da mal ein Freeletics Workout oder einen Hindernislauf mit. Auch, wenn sie mich da meistens total abzieht, macht es mir Spaß und motiviert mich. Die Familie ist natürlich ein wichtiger Teil meines Lebens, ich sehe meine Eltern und Geschwister regelmäßig. Ich lese viel und interessiere mich für Sport, Wirtschaft, Philosophie, Ethik, Politik, andere Kulturen und vieles mehr. Zudem bin ich ein leidenschaftlicher Zocker von Videospielen. Im Sommer gehe ich gerne mit meinen Freunden in den Park grillen oder auch sehr gerne auf Festivals.



In welchem Stadtteil von Hamburg lebst du?

Ich lebe in der Erikastraße in Eppendorf, beim Eppendorfer Marktplatz. Die Stadtteile um die Alster herum sind einfach wunderschön. Es ist hier so schön ruhig und trotzdem zentral gelegen.


Möchtest du nochmal in einem Anderen wohnen?

Es gibt so viele schöne und interessante Stadtteile in Hamburg. Das Schanzenviertel und Altona / Ottensen sind wahnsinnig bunt und kreativ, mein Vater und mein älterer Bruder leben dort. Ich denke da lässt es sich auch gut leben. Viertel wie Blankenese sind mir einfach zu weit vom Geschehen entfernt. Stadtteile wie St. Georg sind auch total aufregend. Zudem ist es eigentlich in jedem Viertel um die Alster herum wunderschön. Rotherbaum, Winterhude, Uhlenhorst, usw. sind alles schöne Adressen.



Wo würdest du dein Traumhaus bauen?

Ich denke ein Haus würde ich mir nicht unbedingt in der City bauen. Auf die Stadt möchte ich vorerst nicht verzichten. Also käme ein Hausbau nur in ferner Zukunft in Frage. Natürlich kann man sich da den Stadtrand gut vorstellen, günstiger und trotzdem nicht zu weit in die Stadt.


Was macht Hamburg für dich zur Kulturstadt?

Hamburg hat einfach sehr viel zu bieten. Auch wenn diese Stadt auf den ersten Blick nicht so bunt erscheint wie Berlin, ist Hamburg immer noch sehr vielseitig. Wir haben die Reeperbahn, St.Pauli, die Alster, die Elbe, das Miniatur Wunderland (welche Donald Trump veralbern), die Elbphilharmonie, die schöne Speicherstadt, die neue HafenCity, etc. ... hier ist so viel und es ist so wunderschön.



Was würdest du ändern, wenn du Bürgermeister wärst?

Ich denke der Bürgermeister verfolgt seine Aufgaben schon recht gewissenhaft. Natürlich gib es immer etwas zu tun, doch nicht alles ist für den einzelnen Bürger transparent oder verständlich. Wenn ich Bürgermeister wäre ... Der Verkehr hier wird immer schlimmer. Die Autofahrer brauchen mehr Parkmöglichkeiten. Da können wir uns was von Japan abschauen, dort werden bereits sehr platzsparende Untergrundparkanlagen gebaut. Auch von den Amerikanern können wir uns etwas abschauen. Die Pool Lane könnte dafür sorgen, dass mehr Fahrgemeinschaften gebildet werden. Die Bürgersteige und Radwege müssten umgebaut werden. Dass die Fahrradfahrer mitten auf der Straße zwischen Bussen und LKWs fahren müssen, ist gefährlich. Diese könnte man zwischen Parkplätzen und Gehweg platzieren. Zudem würde ich wesentlich mehr Geld in die öffentlichen Bildungseinrichtungen stecken. Dass es den Privatschülern gut geht ist schon klar, aber jeder sollte die Chance haben, individuell betreut zu werden und das Maximum aus sich herauszuholen. So gesehen gibt es noch viele weitere Bereiche, die Optimierungspotenziale verbergen. Das Aussterben der individuellen Fachgeschäfte, der Ausbau und die Pflege von Grünanlagen, intensivere Maßnahmen zur Reinigung des Elbwassers und zur Erhaltung des Lebensraumes Elbe, die Integration von Flüchtlingen, die Resozialisierung von Gefängnisinsassen, die Bekämpfung des Drogenhandels, die Bekämpfung der illegalen Prostitution, die Bekämpfung von Einbrüchen und Diebstählen, stärkere Unterstützung für die Familiengründung, und und und ...



Warum Hamburg und nicht Berlin oder New York?

Fast alles, was mir wichtig ist, ist in Hamburg. Meine Familie, meine Freunde, meine Freundin, meine Arbeit, meine Trainer, meine Schüler. Ich liebe diese Stadt. Auch die negativen Seiten. Den Regen, den Wind, die eher verschlossenen und unnahbaren Menschen, das Wasser, all die Brücken, den chaotischen Kiez, und und und... Ich habe auch Wurzeln und Familienmitglieder in Berlin. Ich war früher sehr oft in der Hauptstadt, da dort viele Freunde und auch Familienmitglieder leben. Es ist also auch vorstellbar, mal eine Zeit in Berlin zu leben. Auch den USA fühle ich mich sehr nahe, mein ältester Bruder lebt mit seiner Familie in Long Beach California, wo ich auch gerne bin. Nichtsdestotrotz schlägt mein Herz “derbe” und nicht “bombe” oder “Trump”.

Alster oder Elbe?

Das kann ich nicht vergleichen. Die Elbe wirkt für mich wie ein Tor zur Welt. Sie ist die Straße, welche uns wirtschaftliche Chancen ermöglicht hat. Ohne die Elbe wäre Hamburg nicht das was es ist.
Natürlich gehört die Alster ebenso zu Hamburg, doch würde ihr Fehlen eher die Gemüter der Hamburger Menschen senken, als die Wirtschaft. Die Elbe, die schönen Strandpassagen und der riesige Hafen machen mich immer nachdenklich und lassen mich über das Leben philosophieren, wie es auch das Meer oder die Sterne tun. Die Alster hingegen gibt mir stets ein Gefühl von heimischer Wärme. Die Segelschüler, die über das Wasser schippern, die Cliquen, die auf der Wiese grillen und Frisbee spielen. Hier sieht man immer wieder was “Freude am Leben” bedeutet.


Wieviel Stunden am Tag ist dein Smartphone an?

Mein Smartphone wird nicht ausgeschaltet. Ich weiß, man sagt, wir sind alle handy-süchtig und das sind wir auch. Die Frage ist nur, ob das schlechte Auswirkungen hat. Für mich ist das Smartphone ein Multiinstrument. Es ist meine Zeitung, die stets mehr Informationen bietet als jede andere Zeitung / Zeitschrift der Welt. Es ist der Kommunikationskanal zu den Menschen, die mir wichtig sind, über jede Grenze hinweg. Es ist mein Managementtool, wann und wo immer ich es brauche. Man sagt, das Zwischenmenschliche gehe durch das Smartphone verloren. In Zeiten des immer schnelleren Wandels, wo jeder gefühlt immer weniger Zeit zur Verfügung hat und gar nicht mehr all die Informationen aufsaugen kann, die er gern würde, ist das Smartphone einfach ein unabdingliches Hilfsmittel, um hinterher-zu-kommen. Natürlich kann man es als “Übel” sehen, was den Menschen unsozialer werden lässt. Oder man sieht es so, dass der Mensch einfach noch nicht ganz gelernt hat, das Smartphone “richtig” zu nutzen, ohne dass andere Lebensbereiche darunter leiden. Die ständige und teilweise unbewusste Nutzung / Nichtnutzung ist auch ein Resultat des immer schnelleren Kommunikations- und Informationsflusses, welchen wir bisher noch nicht optimal filtern können. Zurück zur Frage, die Antwort ist 24 Stunden.


Drei Plätze, die man sich in Hamburg unbedingt angeschaut haben sollte:

Der Elbstrand bei Dämmerung, der Hafen sieht dann einfach heftig aus. Auch sehr schön ist die HafenCity, es ist so toll im Sommer an den doch so architektonisch unterschiedlich gestalteten Gebäuden vorbeizulaufen und ein Eis zu essen. Der Kiez ist natürlich ein Muss, wenn man noch nicht dort war. Ich empfehle den Hamburger Berg, am besten nicht ganz nüchtern ;)

Möchtest du noch jemanden grüßen, hier ist Platz dafür:

Ich grüße alle Mates von PRODUCTMATE. Das Team kann man sich immer verlassen. Zudem grüße ich meine Freundin Jana. Auch, wenn sie es oft nicht merkt, gibt sie mir stets unheimlich viel Halt, Kraft und Inspiration. Die Familie möchte ich natürlich auch grüßen. Meine geliebten Eltern, die mir in jeder Lebenslage zur Seite stehen und meine Brüder, auf die ich immer zählen kann.

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