Kathrin Weßling. Hamburger Menschen #162

Ich bin ein bißchen stolz, sie zum Jahresabschluß als Gast in meinem kleinen Blog zu haben. Eine meiner liebsten Autorinnen, Geschichten- ...

Ich bin ein bißchen stolz, sie zum Jahresabschluß als Gast in meinem kleinen Blog zu haben. Eine meiner liebsten Autorinnen, Geschichten- und Anekdotenerzählerinnen und überhaupt als Mensch, der sich nicht scheut ihre Meinung zu sagen. Irgendwann hat sie mal gefragt, wie Leute sie beschreiben würden und ich schrieb ihr eine Nachricht: Kathrin Weßling, sie raucht viel, mit ihr kann man tiefsinnige Gespräche führen und laut lachen. Ihren Humor muß man mögen und sie schreibt persönliche Dinge, die sonst nur verschlossen besprochen werden – in schönen Worten öffentlich. Hier und jetzt erzählt sie von sich selbst noch mehr und fest steht, ihr Interview wird für dieses Jahr die Serie Hamburger Menschen abrunden – danke! Also los, wer bist du und woher kommst du?

Hi, na? Ich bin Kathrin und aus Ahaus, das liegt im Münsterland. Ja, es ist, wie es klingt.

Seit wann bist du in Hamburg?

Fast 10 Jahre. Nächstes Jahr ist Jubiläum. Gefühlt: Eher schon immer. Manchmal schon zu lange.



Erzähl mal von deinem Beruf.

Ich habe eigentlich nicht einen Beruf, sondern 3. Ich arbeite bei SPIEGEL ONLINE als Redakteurin im Social Media Ressort. Ich schreibe Bücher, zwei davon sind bereits erschienen, am dritten Roman arbeite ich gerade. Für verschiedene Medien schreibe ich Geschichten, Kolumnen, Kommentare und Meinungsstücke (stern.de, Neon, Brigitte, SPON usw.). Na ja: Wenn noch irgendwo irgendwie irgendwann mal Zeit übrig ist. Ab nächstes Jahr arbeite ich wieder mehr als Freelancerin und kümmere mich um Social Media Strategien, Konzeption und Inhalte.


Was wäre dein Job, würdest du nicht das machen, was du jetzt machst?

Dann wäre ich Chirurgin geworden. Das würde ich immer noch gerne machen, aber eigentlich bin ich ziemlich glücklich, dass ich mit dem, was ich sowieso immer schon gemacht habe, Geld verdienen kann: Schreiben, lesen und im Internet wohnen.




Was machst du, wenn du nicht arbeitest?

Mir Gedanken. Die meiste Zeit bin ich tatsächlich damit beschäftigt, das Chaos in meinem Kopf zu bändigen. Wenn das funktioniert, lese ich so viel ich kann. Artikel, Reportagen, Bücher, Studien. Ich bin ein Wissensjunkie. Wenn der Kopf zu chaotisch ist, gehe ich laufen, schaue Netflix und die Mediatheken leer (am liebsten Reportagen und Dokumentationen), gehe tanzen oder in Bars.


In welchem Stadtteil von Hamburg lebst du?

Ich ziehe in ein paar Tagen wieder nach Winterhude.


Möchtest du nochmal in einem Anderen wohnen?

Die bessere Frage wäre: In welchem hast du noch nicht gewohnt? Die meisten größeren Stadtteile habe ich durch, wirklich vermisst habe ich nur einen: Hoheluft. Falls ich da irgendwann noch mal wohnen kann (also wenn ich eine Millionärin geworden bin), möchte ich gerne wieder zurück dorthin.


Wo würdest du dein Traumhaus bauen bzw. wo würdest du gern leben?

Ehrlichste Antwort: Keine Ahnung. Ich fange gerade erst seit ein, zwei Jahren an, mir die Welt anzuschauen. La Gomera und Siena stehen ganz oben auf der Liste der Orte, an denen ich gerne leben würde. Realistisch ist wohl eher: Jobs, Beziehungen und Freunde werden immer beeinflussen, wo ich gerne bin. Ob das jetzt Dortmund oder Barcelona ist. Für mich war und ist schon immer wichtiger, dass ich beruflich das machen kann, was mich glücklich macht und mit den Menschen zusammen bin, die ich mag. Alles andere ist eher egaler.


Was macht Hamburg für dich zur Kulturstadt?

Nichts mehr so richtig. Was einfach daran liegt, dass das kulturelle Angebot oft an meinen Bedürfnissen vorbeigeht. Clubs sterben. Kunst abseitig der großen Märkte schwindet. Aber: Ich suche und finde immer wieder Orte, die ich sehr mag. Den Pudel. Kampnagel. Das Schauspielhaus. Die Deichtorhallen.



Was würdest du ändern, wenn du Bürgermeister wärst?

Die Mieten dürfen nicht weiter steigen. Bei Auszug darf es keine weiteren Mieterhöhungen geben. Clubs sollten mehr oder überhaupt subventioniert werden. Weniger Überwachung, weniger Polizeipräsenz. Mehr Parks statt mehr Hochhäuser. Die Schanze sollte Verkehrsberuhigt werden, ebenso wie Eimsbüttel. Kein G20 in Hamburg. Keine willkürlichen Kontrollen mehr in angeblichen „Gefahrengebieten“. Keine aggressive Polizeipräsenz beim Schanzenfest und Demos. Mehr Unterkünfte für Obdachlose. Mehr Hilfe für Flüchtlinge. Viel, viel mehr Hilfe. Nur noch sozial-verträglicher Wohnungsbau. Weniger Tam Tam, mehr Bürgernahe Lösungen. Ach, die Liste ist endlos.


Warum Hamburg und nicht Berlin, Istanbul oder New York?

Berlin bekommt mir nicht, es macht mich kalt und traurig und verloren. In New York war ich nie, Istanbul ist für Jouranlistinnen und Journalisten gerade ein schwieriger Ort. Also bleibt es wohl bei Hamburg.


Alster oder Elbe?

Ich mag beide gern, aber die Alster ein bisschen mehr nach all den Jahren. Eine Luxusentscheidung bleibt es so oder so. Das ist ja das Gute in Hamburg.


Wie viel Stunden am Tag ist dein Smartphone an?

Es ist nur aus, wenn der Akku leer ist. Im Gegensatz zu anderen finde ich das aber nicht schlimm. Es hilft mir, mich besser zu strukturieren, zu organisieren und nicht immer alles zu vergessen. Durch mein ADHS brauche ich solche Hilfen: Erinnerungen, Orientierung, Struktur. Ich höre immer Musik, weil mich das etwas abschottet vor den Reizen der Außenwelt. Deshalb würde ich mein Telefon auch niemals irgendwo vergessen oder es verlieren. Es ist mein Kopfersatz. Es denkt für mich mit, es rettet mich ziemlich oft.



Lieblingssong des Moment?

Ich mache jeden Monat eine neue Spotify Liste. Ich höre bestimmt 8 Stunden am Tag Musik. Deshalb kann ich unmöglich nur einen Song nennen.


Lieblingssong forever?

Oh Gott. Ich kann nicht!


Drei Plätze, die man sich in Hamburg unbedingt angeschaut haben sollte:

Die Mutter.
Den Weiher-Park.
Das Moloch.


Möchtest du noch jemanden grüßen, hier ist Platz dafür:

Ich möchte vor allem alle Journalistinnen und Journalisten grüßen, die dieses Jahr trotz all der Anfeindungen, Unterstellungen und Beschimpfungen nicht aufgegeben haben, gute Geschichten aufzuschreiben - aus Syrien, der Türkei und anderen Krisenregionen zu berichten und sich nicht haben einschüchtern lassen.

Ich möchte meinen tiefsten Respekt und meine Ehrfurcht vor den Ärzten in Aleppo ausdrücken, die dort ausharren und trotz Lebensgefahr helfen und retten. Und allen anderen Menschen, die in Syrien für das Gute kämpfen. Ebenso wie all denjenigen, die in Griechenland und anderen Ländern geholfen haben, dass nicht noch mehr Menschen ertrinken und auf der Flucht sterben.

Ich will außerdem meinen Lieblingsmenschen Danke sagen, dass sie da sind, sie sind, an das Gute glauben, nicht aufgeben, kämpfen, verrückt, wild und frei bleiben und mir und der Welt jeden Tag zeigen, dass es da draußen nicht nur Hasser, Wutbürger und Verschwörungstheoretiker gibt, sondern auch noch ganz viel Liebe und Klugheit: Danke Eva, Ayla, Nina. Danke Maria, Dirk, Marius, Bianca und danke Mama und Papa und Brudi.




👀💚

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