Yared Terfa Dibaba. Hamburger Mensch #148

Zuallererst habe ich seine Stimme wahrgenommen – der, der im NDR Radio so schön Platt snackt – de heemliche Mudderspraak vun de Norddüütsch...

Zuallererst habe ich seine Stimme wahrgenommen – der, der im NDR Radio so schön Platt snackt – de heemliche Mudderspraak vun de Norddüütschen, da hör ick mal 'n beten to. Er ist bei weitem nicht nur im Radio zu hören, er ist Schauspieler, Moderator, Entertainer, Autor und Sänger und liebt den Norden einfach: Yared Dibaba. Und dieser wird auch in vielen seiner Projekte thematisiert. Einer meiner Lieblingsspüche von ihm über Norddeutschland ist: "Die Sprache ist platt, aber das Herz umso runder.", mein Herz wird noch viel runder, wenn er über das Land spricht, was auch mein Zuhause wurde. Via YouTube könnt ihr mit ihm gemeinsam Platt lernen – kurze Folgen, bei denen man viel lernt.

So ist es kein Wunder, nun gibt es auch ein Album, sein erstes Album: "Land in Sicht". Es ist seit heute im Handel. Was ein Glück für uns, dass er zuvor ein wenig Zeit gefunden hat, die Fragen meiner Serie 'Hamburger Menschen' zu beantworten und uns zu erzählen was er tut, gern macht und wer er ist, los geht es:

Yared Terfa Dibaba   
Yared : 1. Mose 5 Vers 18  bedeutet auf Hebräisch "Der von Gott gesandte"
Terfa: auf Oromiffa , meiner Muttersprache, die Auslese
Dibaba: auf Oromiffa , der Schutz
Geboren am 8.4.1969 - Widder durch und durch!

Woher kommst du? 

Aus Oromia und Falkenburg - Oromia, das ist die Wiege der Menschheit, eine große Region im Süden von Äthiopen, dort gibt es die Provinz Wollega und in Wollega dort findet man genau hier das schnuckelige Dörfchen Aira. Dort bin ich zu Hause, also im Haus meiner Eltern zur Welt gekommen. Als ich 10 Jahre alt war sind wir dann nach Falkenburg gezogen, ein schönes kleines Dörfchen in Niedersachen im Landkreis Oldenburg.



Seit wann bist du in Hamburg? 

Seit dem 1.3.1997 - ich kann mich noch sehr genau an den Tag erinnern.
Ich bin an dem Tag von Bremen nach Hamburg gezogen. Für diesen Zweck habe ich mir einen 7,5 Tonner gemietet. Mit diesem Monster bin ich dann durch das Bremer Viertel gefahren. Da gibt es ziemlich viele Einbahnstrassen. Ich bin in die Bessenstrase reingefahren und habe erst dann gemerkt, das kann ziemlich eng werden - und da hatte ich auch schon zwei Autos geschrammt. Aber damit nicht genug, Wagen 4,5 und 6 kamen Sekunden später dazu. Ich habe dann die Polizei gerufen. Die haben den Schaden aufgenommen und mir beim Rausfahren geholfen. Ich war in der kleinen Einbahngasse zwischen den Autos rechts und links sozusagen eingeklemmt. Zum Glück habe ich eine Vollkaskoversicherung ohne Selbstbeteiligung abgeschlossen. Die hat sich in diesem Fall total gelohnt. Als ich dann meinen Kumpel Michael eingeladen habe, um weiter nach Hamburg zu fahren, habe ich in der Stresemannstrasse noch den Seitenspiegel eines Buses an der Haltestelle mitgenommen. Denn, wenn man kein Gefühl für die Abstände der Spiegel und für die Maße des LKW hat, kann es böse ins Auge gehen. Der Spiegel vom Bus steht bestimmt einen halben Meter ab und der vom LKW auch – wenn man zu dicht ranfährt macht es ganz fix RUMS. Also wieder rechts ran. Polizei rufen. Der Bus mußte alle Fahrgäste ausladen ... . Alle waren ziemlich gepestet. Nach diesem Zwischenfall hab ich beschlossen, dass Michael weiterfährt, obwohl er nicht eingetragen war und somit auch nicht versichert. Aber schlimmer hätte es ja auch nicht kommen können. Ein schöner Start für meinen nächsten Lebensabschnitt in Hamburg. Von da an konnte es nur bergauf gehen.

Erzähl mal von deinem Beruf? 

Ich habe einen Traumjob - ich  kann in meinem  Job alles das ausleben was mir  Freude macht.
Moderieren, singen, schauspielen, schreiben, Gespräche führen. Ich bin quasi ein Entertainer im klassischen Sinne. Das ist sehr vielfältig und darin liegt auch der Reiz für mich. Selbst mein erster Beruf, als Kaufmann im Groß-und Außenhandel kommt zu Geltung, denn ich habe meine Ausbildung im Rohkaffee Im - und Export mit Rohkaffee gemacht. Ich habe also eine richtige Kaffeeaussbildung.
Kaffee mischen, rösten und probieren.  Das hat mich dann dazu bewegt einen Kaffee Videoblog auf Youtube zu betreiben: "Yareds Kaffeesatz". Alles rund um den Kaffee.
Ich moderiere aber auch im TV die Live-Sendung "Mein Nachmittag" und das macht einen riesen Spass täglich zu moderieren – es prickelt jedes Mal. Das hat noch mal eine ganz andere Qualität als eine aufgezeichnete Sendung. Ich liebe auch die Live-Auftritte mit meinem eigenen Programm oder meiner Band den Schlickrutscher oder aber auch auf Veranstaltungen. Ich liebe einfach die Bühne.
Ich habe bereits von Anfang an, also als ich meine ersten Worte gelernt habe ohne Punkt und Komma gesprochen und meine Mutter hat sich immer gefragt: "Womit holt der Junge denn noch Luft - mit dem Mund geht das ja wohl nicht?" Jetzt rede ich für Geld oder für die gute Sache und wenn ich kein Mikro in der Hand habe, halte ich meisten die Klappe und lass die anderen sabbeln.



Was wäre dein Job, würdest du nicht das machen, was du jetzt machst? 

Ich hätte total Lust auf Kindergärtner, oder auch Erzieher. Ich finde auch Psychologie sehr interessant – das wäre ein Fach, dass mich sehr interessiert. Durch meinen Job habe ich mit unendendlich vielen Menschen zu tun. Ich beobachte immer gerne und mache meine ganz eigenen "Studien". Ich könnte mir vorstellen, da noch mehr in die Tiefe zu gehen. Aber das sind einige dieser Gedanken, die im Kopf kreisen und bei den man denkt ... eines Tages .... .

Was machst du, wenn du nicht arbeitest? 

Zeit mit der Familie verbringen. Das ist für mich das schönste oder mit Freunden abhängen. Letzteres kommt leider viel zu selten vor. Da wünsche ich mir, dass ich das noch besser hinbekomme.

In welchem Stadtteil von Hamburg lebst du? 

Im Schönsten - in Altona. Da sind wir vor gut 11 Jahre hingezogen. Ganz bewusst und es war richtig. Für mich ist Altona die Welt, ich treffe hier Menschen aus der ganzen Welt. Altona ist in jeder Hinsicht so vielfältig, das es nie langweilig wird. Wobei Langeweile nichts schlimmes ist. Es ist alles fußläufig. Die Elbe ist quasi vor der Tür, der Kiez auch. Man hört die großen Schiffe wenn sie ein- oder auslaufen.  Ich kann aus der Küche das Domfeuerwerk und den Schornstein der Queen Mary sehen. Es gibt in der Stadt für mich keine Alternative zu Altona.

Möchtest du noch mal in einem Anderen wohnen?

Auf keinen Fall !

Wo würdest du dein Traumhaus bauen?
 

In Oromia am Lake Langano. Das ist ein See in Äthiopien – da waren wir früher in den Ferien. Morgens vor dem Frühstück dort in den See zu hüpfen – davon träume ich manchmal. Bei uns im Norden würde ich gerne ein Haus an der Nordsee in Ostfriesland haben. Steife Briese – krusen Büddel un een Korten Pint! Dicht am Deich mit weitem Blick ins Hinterland.



Was macht Hamburg für dich zur Kulturstadt? 

Die Vielfalt. Wir haben jede Menge Theater und Bühnen bei uns. Viele Kulturen sind in Hamburg zu Hause und es gibt so viele Gelegenheiten, die Vielfalt zu erleben. Sei es auf Strassenfesten, auf Festivals oder Konzerten. Wir haben das Ohnsorg Theater und die Staatsoper, wir haben das Thalia Theater, das Altonaer Theater - die Theaternacht, die Nacht der Museen. Die Hamburger lieben Kultur und gestalten auch viel aus eigener Initiative. Alle großen Stars machen einen Stop in Hamburg. Ich glaube da kann man schon von Kulturstadt sprechen.

Was würdest du ändern, wenn du Bürgermeister wärst? 

Ich finde diese Frage kann man nicht so einfach beantworten.  Der Job des Bürgermeisters ist ein sehr komplexer. Und man kann sich immer einen Aspekt rauspicken und dann bekritteln. Es gibt sicher einiges zu verändern. Wir können uns noch mehr für Chancengleichheit für die Kinder unserer Stadt einsetzen. Wir könnten noch mehr und noch sichere Radwege in der Stadt gebrauchen. Plattdeutsch könnte als Sprache in den Schulen noch mehr gefördert werden. Traumatisierte Flüchlingskinder könnten z.B. mehr psychologische Hilfe bekommen. Aber es ist wie beim Fussball, 80 Mio Trainer sitzen zu Hause und wissen alles besser. Also was ich ändern würde oder könnte, ist schwer hier in ein paar Zeilen zu schreiben. Dazu müssten wir uns ein wenig mehr Zeit nehmen.

Warum Hamburg und nicht Berlin oder New York?

Weil das Leben mich hierhin gespült hat. Es hätte tatsächlich auch London sein können, da ich mich dort mal an der Schauspielschule vorgestellt habe. Wer weiss, wie mein Leben dann verlaufen wäre. Ich bin ganz froh, dass es sich so gefügt hat. Irgendwie passt alles. Aber zum Besuchen sind Berlin und New York zwei wundervolle Städte.

Alster oder Elbe?

Auf jeden Fall Elbe. Da bekommte ich die Tide mit - Ebbe und Flut sind sichtbar. Das gibt mir so ein bisschen das Gefühl von Meer, Küste und weite Welt. Aber die Alster hat auch sehr schöne Ecken. Wenn man mal auf der Alster ist, ist das ein tolles Erlebnis, wenn man mal mit dem Ruderboot, Treetboot oder Drachenboot den Fluss entlang schippert. Man kann soviel sehen und Hamburg von einer ganz anderen Perspektive kennen lernen.



Wie viele Stunden am Tag ist dein Smartphone an? 

Viel zu lang.  Ich habe zwei Kinder und allein deswegen möchte ich immer für sie erreichbar sein. Aber, wenn wir alle zusammen sind, schalte ich auch gerne mal das Gerät ab. Klick und Tschüss. Ich geniesse es, wenn das Ding einfach mal aus ist. Es ist Fluch und Segen zu gleich. Manchmal empfinde ich es eine Art elektronische Fussfessel. Wir sind immer erreichbar – auf der anderen Seite ist genau das der Vorteil, wenn man Kinder hat oder auf einem Job ist.

Keine Frage, doch ein wenig Platz für etwas, was du loswerden möchtest: 

Ich wünsche mir mehr Nächstenliebe auf unserer Erde und mehr Respekt für einander. Jeder Mensch sollte mal darauf achten, das er mit anderen Menschen so umgeht, wie er sich wünscht, dass man auch mit ihm umgeht.

Lieblingssong des Moment? 

Ich habe im Moment keinen , da ich im Augenblick fast nur mit meinem neuen Album "Land in Sicht beschäftigt bin" und meine Songs rauf und runter höre.

Lieblingssong forever? 

Sunny von Bobby Hebb. Diesen Song gibt es von so vielen Interpreten. James Brown. Boney M., Mr. Spock und und und. Ich finde ihn einfach genial. Ich singe ihn auch sehr gerne.

Drei Plätze, die man sich in Hamburg unbedingt angeschaut haben sollte: 

Altona Balkon, da man von hier aus eine tollen Blick auf den Hamburger Hafen hat. Man sieht die ganzen Container Schiffe und die Kräne, man hört den ganzen Hafensound und kann auch noch richtig in die Ferne sehen. 
Dann finde ich das Rathaus und den Platz davor sehr schön anzusehen. 
Und ganz wichtig unsere Elbstrände - die sind wunderschön. Da kann man sich hinsetzen geradeaus schauen das Wasser vorbei ziehen lassen und abschalten. Herrlich!!!

Möchtest du noch jemanden grüßen, hier ist Platz dafür: 

Ich grüsse alle die gegrüsst werden wollen - Atam und Moin Moin!!!


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1 Kommentare

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