Warten – Endlosausdehnung der Zeit. Und wie man sie gern verbringt.

Auf die Bahn, auf die Pizza, auf die Neuerscheinung, auf die Post, auf die Öffnungszeiten, auf die Tage, auf den Download, auf die S...



Auf die Bahn, auf die Pizza, auf die Neuerscheinung, auf die Post, auf die Öffnungszeiten, auf die Tage, auf den Download, auf die Sonne, auf den Start, auf die Supermarktschlange, auf die Verabredung. ... Es gibt eine Menge Dinge, die daran beteiligt sind, dass man sich eine Pause, oder einen Moment des Verweilens gönnen kann. Oder die Zeit mit anderen Dingen verbringt. 

Wieviele Momente am Tag habt ihr, an denen ihr bewusst eine Pause macht? Die Zeit könnte man ja auch nutzen, um sich zu informieren. Nur worüber? Über Stars, um mit ihnen mitzufühlen, über Nachrichten, die nicht genug Zeit hatten, um sich selbst zu informieren? Wir begeben uns in Pausenzeit einfach in die sozialen Medien und fühlen uns damit in unseren Ruhemomenten nicht allein. Das wir in einer Informationsgesellschaft leben, wissen wir aus den Medien. Wir wissen eine Menge, doch was davon betrifft uns eigentlich noch?

Passiert auch etwas in unser Nähe, was uns betrifft? Ist diese naheliegende Kommunikation für uns vielleicht wichtiger, als Kommunikation, die nicht hätte stattfinden müssen? Oder, von der wir später, bei einem privaten Kontakt viel lieber erfahren hätten, weil wir dann auch noch die gemeinsame Freude hätte teilen können?

  


"Ich schau dich an, wenn du da sitzt.
Jeden Tag von neun bis zehn.
Du siehst aus, als würdest du auf irgendjemand warten.
bis du dann aufstehst und alleine gehst.

Und du stützt deinen Kopf, wenn er wieder zu voll ist.
und ich stütz meinen Kopf, wenn er wieder zu voll ist.

Ey wir sitzen im Wartesaal zum Glücklichsein.
Zum Glücklichsein.
Und wir sitzen im Wartesaal und warten mal.
Und warten mal ..."

bosse – wartesaal

 


Wir haben Zugriff auf das Wissen der Welt, wissen heute so viel, wie niemals zuvor über das, was in der Welt passiert. Wie sieht es andernorts aus – wo ist eigentlich andernorts? Egal, wir wollen mehr, aktualisieren, und nochmal und haben plötzlich keine Orientierung mehr. Und schon fühlen wir uns verloren, dabei befinden wir uns doch in der sozialen Gemeinschaft des Netzes. Die Aufmerksamkeitsdauer wird immer kürzer und der Schwarm irrt konzeptlos umher, bei all dem Überfluß – wonach soll man sich da richten? Ist es vielleicht sogar so, dass sich die modernen Probleme nicht mit Informationsüberfluß lösen lassen? 

Das Teilen des Lebens mit der Welt – nach dem nichts mehr zum erzählen da ist, verfällt man vermeintlich Lustigem und setzt sich, via automatischer Gesichtserkennung, Masken in Apps des schlauen Telefons auf ... Wenn ich anderen "dabei" zusehen – nach zu viel Konsum – habe ich persönlich häufig das Gefühl, nun müsste ich den Menschen eigentlich nicht mehr im echten Leben treffen.


Den Wirrungen der Welt können wir nicht mehr ausweichen, also fragen wir uns einfach bewusster, was machen die neuen Medien mit uns und der Welt die uns umgibt? Und so ein Päuschen tut da eben auch gut, sei es selbst gewählt, oder durch etwas anderes erzwungen – danach sind die Gedanken klarer und wir selbst hoffentlich konstruktiver.


Meditation? Because some questions can’t be answered by Google.



Meine Klamotten:
Sonnenbrille – Le Specs via Frau Hansen
Uhr – Slow Watches 
Dinokette: Malaika Rais
Jacke, Hose, Hemd und Bluse von GinaTricot 
Schuhe – Folk

Bilder – thisisjulia

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