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Lotta Meyer. Hamburger Menschen #137

Es ist schon eine Weile her, als ich euch Nusum vorgestellt habe. Heute ist Lotta, die Gründerin zu Gast in meiner Freitags Serie "Hamburger Menschen". Bevor es losgeht und Lotta erzählt – wenn auch ihr Meschen kennt oder selbst mal mitmachen wollt, schreibt mir doch und ich schicke euch den Fragebogen. Voraussetzung, ist klar, ihr lebt in Hamburg. Doch nun zu Lotta, wer bist du, erzähl mal von dir und deinem Modelabel:

Hallo, ich bin Lotta, die Gründerin des Hamburger Modelabels NUSUM.


Woher kommst du?

Ich komme aus ursprünglich aus Rendsburg, einer kleinen Stadt im Norden. 
Allerdings wirklich verwurzelt fühle ich mich in Arnis, dem Ort in dem meine Großeltern gelebt haben, einer winzigen Stadt an der Schlei oben in Schleswig-Holstein. 
Wenn ich hier her komme, scheint es mir immer, als sei die Zeit angehalten und die Welt noch ganz friedlich und ruhig. Es gibt dort nur eine einzige Straße mit kleinen Häusern die aussehen, als hätte sie Janosch höchstpersönlich gemalt, viele Boote, Wasser und die besten Waffeln der Welt in einem kleinen Kaffe namens „freies Arnis“ direkt am Hafen.

Seit wann bist du in Hamburg und wie bist du hier „gelandet“?

Ich wohne jetzt schon ganze 8 Jahre in Hamburg und ich liebe es.  Zu meiner eigenen Überraschung, wie ich gestehen muss. Ich wollte nie nach Hamburg. Ich wollte immer ganz weit weg.  Aber nachdem ich nach dem Abi ein Jahr in gereist bin wurde ich hier an der Uni angenommen. Ich dachte mir, ich gebe Hamburg wenigstens eine Chance, doch dann habe ich mich in die Stadt verliebt und bin geblieben.

Erzähl mal von deinem Beruf? 

Ich bin Illustration und Modedesignerin und arbeite sowohl freiberuflich als auch, und in jeder feien Minute, für mein eigenes Modelabel namens NUSUM. NUSUM habe ich vor nun fast schon 5 Jahren gegründet. Zusammen mit meiner Kollegin und guten Freundin Tessa stecke ich dort all mein Herzblut und meine Begeisterung für schöne Dinge hinein. Gerade ist unsere neue Kollektion fertig. Ich bin schon ganz aufgeregt. Sie wird bald online gehen und es ist jedes mal wieder spannend zu sehen wie unsere Kunden auf die neuen Designs reagieren und ob sie die Kollektion genauso mögen wie wir.




Was wäre deine Job, würdest du nicht das machen, was du jetzt machst?


Diese Frage kann ich nicht wirklich beantworten. Ich wollte schon immer werden was ich jetzt bin. Ich wollte schon immer machen, was ich jetzt tue. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, was ich sonst hätte machen können.
Es fing damit an, dass ich meiner Großmutter immer genaue Anweisungen gab, wie sie die Kleider für meine Puppen nähen sollte. Irgendwann befand meine Großmutter, dass ich jetzt selbst alt genug sei und brachte mir das Nähen bei.
Natürlich sah das, was ich bastelte damals nicht im entferntesten so aus wie das, was ich als Bild im Kopf hatte. Ich erinnere mich noch daran, wie ich einmal eine Puppe für meine Schwester machte, die in meinem Kopf ganz anders aussah als das Ding, was ich schließlich auf dem Tisch liegen hatte. Ich erinnere mich noch an meine Enttäuschung darüber aber auch an die Motivation, weiter zu machen, das musste doch irgendwie gehen ... 
Nach den Puppen, kamen Puppenkleider, Fimofiguren mit Filzoutfits, dann eine Kollektion aus Schlafanzügen für meine Schwester und schließlich Kleidung für mich selbst und der Wunsch eines Tages Designer zu werden und genau das umsetzen zu können, was als Bild vor meinen inneren Augen schwebte. 
Wenn ich jetzt darüber nachdenken soll, könnte ich mir vorstellen, dass es etwas mit Sprachen sein könnte. Ich liebe Sprachen und ich würde gerne noch mehr Sprachen sprechen.


Was machst du, wenn du nicht arbeitest? 

Wenn ich nicht arbeite, dann tanze ich. Ich habe schon immer getanzt, früher Ballett und Modern Dance, heute Tango Argentino.  Vor einigen Jahren während meiner Zeit in New York habe ich Yoga entdeckt, das gehört mittlerweile auch zu meinem festen Wochenablauf. Wenn man mich dort nicht findet, dann sicherlich mit einer guten Freundin und oder meinem Skizzenbuch in einem meiner Lieblingscafes.

In welchem Stadtteil von Hamburg lebst du? 

Ich lebe um die Ecke vom Winterhuder Marktplatz, sprich im Stadtteil Winterhude. Das es mich dorthin verschlagen hat ist an sich lustig, da ich mich selbst nicht wirklich in Winterhude sehe. Aber als ich damals diese kleine Wohnung unweit vom Stadtpark fand wusste ich, dass sie gutes Karma hat und dass ich mich dort 100% Zuhause fühlen würde. Das ist bis heute so.



Möchtest du nochmal in einem Anderen wohnen, wenn ja, wo? 

Ja, da alle meine Freunde in St Pauli und Eimsbüttel verstreut sind würde ich mir wünschen in der nächsten Zeit auch dort hinzuziehen. Am allerliebsten in die Bellealliancestraße, meine Lieblingsstraße. 
Es ist viel schöner, Abends noch mal für ein gemeinsames Glas Wein aus der Tür zu fallen und zwei Straßen um die Ecke zu gehen um sich bei Freunden aufs Sofa zu setzen, oder an den Tresen unserer Lieblingsbar, anstatt jedes Mal 20 Minuten Rad zu fahren -  obwohl das natürlich fit hält.


Wo würdest du dein Traumhaus bauen? 

In San Francisco mit Blick auf die Golden Gate. Ich liebe die Energie und Entspanntheit dieser Stadt. Aber wenn wir gerade am Träumen sind, dann könnte ich mir auch vorstellen in einer winzige Wohnung über den Dächern von Paris zu wohnen. Dort würde ich dann jeden Morgen in einem weißen Bademantel und einer dampfenden Tasse Kaffe gedankenverloren über die Stadt blicken. 5 Minuten Ruhe. Bevor ich mich ins Getümmel der Großstadt stürzen würde.



Ist Hamburg für dich Kulturstadt? Was macht sie dazu? 

Ja in meinen Augen ist Hamburg durchaus eine Kulturstadt. Neben vielen großartigen Museen und Theatern gibt es unzählige kleine Veranstaltungen, Poetry Slams, Konzerte und Events. Langweilig wird es einem hier eigentlich nur, wenn man es drauf anlegt. Mir ist das noch nicht passiert und ich wohne jetzt ja auch schon etwas länger hier.

Was würdest du ändern, wenn du Bürgermeister wärst? 

Wenn ich Bürgermeister wäre, würde ich mehr Platz für neue Ideen schaffen. Ich frage mich oft, warum es in Berlin so viel mehr ungewöhnliche kleine Restaurants und StartUps gibt und ich kann mir vorstellen, dass es unter Anderem daran liegt, dass es dort noch Raum gibt mit bezahlbaren Mieten, an dem man sich leichter ausprobieren kann, ohne in ein unglaublich hohes Risiko zu gehen.
Eine eigene Idee umzusetzen erfordert immer Mut und eine hohe Risikobereitschaft. Aber wenn man für diese mutigen Menschen mehr Möglichkeiten schaffen würde einfacher zu starten, durch bezahlbare Ateliers mit ausreichendem Platz oder einem spezifischen Coachingprogram würden sich sicherlich mehr Menschen trauen ihren Träumen eine Stimme zu geben. 
Ich weiß, dass es schon viele Hilfen gibt, wie zum Beispiel den Gründerzuschuss , aber gerade das physischen Atelierplatz, der nicht am Ende der Welt ist, ist sehr schwer zu finden.



Warum Hamburg und nicht Istanbul, Berlin oder New York? 

Ich reise unglaublich gerne. Die Bilder und Geschichten, die ich auf meinen Reisen sammele bilden die Grundlage für meine Arbeit und genau hier kommt Hamburg ins Spiel. Hamburg ist eine Stadt mit einer sehr hohen Lebensqualität (wenn man den regnerischen November einmal abzieht).
 Ich mag die Menschen die hier leben und die Atmosphäre der Stadt. Hier leben viele meiner engsten Freunde und eine Stadt steht und fällt bekanntlich auch mit den Menschen die in Ihr leben. Als kreativer Mensch braucht man einen Ort, an dem man sich zuhause fühlt und an dem man arbeiten kann. Das ist Hamburg für mich.
 Hamburg mag vielleicht nicht so verrückt sein wie Berlin oder so aufregend wie New York, aber Hamburg gibt einem die Möglichkeit all den gesammelten Input zu bearbeiten und zu verarbeiten.

Alster oder Elbe?


Alster. Definitiv. Um die Alster kann man nämlich herum laufen. Laufen ist etwas, von dem ich dachte, dass ich es nicht könne. Im Schulsport habe ich immer kläglich versagt.  Eines Tages habe ich mich dann doch mal von einem Freund überreden lassen mit ihm zu kommen und es wenigstens zu versuchen. Zu meinem großen Erstaunen sind wir sind tatsächlich einmal um die Alster gelaufen. Es hat lange gedauert, aber wir sind angekommen. Danach hatte ich immer das Bild im Kopf: Wenn ich einmal um die Alster laufen kann, dann kann ich das auch. Das hat mir oft geholfen.

Wie viele Stunden am Tag ist dein Smartphone an?

Mein Smartphone ist den ganzen Tag an, als Freelancer muss ich ständig erreichbar sein.
Ich versuche jedoch nicht ständig drauf zu schauen und wenn ich gerade in einer kreativen Phase bin, sprich ein Design entwickle, kann es durchaus vorkommen, dass ich alles um mich herum vergesse. Auch mein Telefon. Dann höre ich auch nicht, wenn es klingelt.

Keine Frage, doch ein wenig Platz für etwas, was du loswerden möchtest: 

Ich würde mir von den Hamburgern wünschen, dass sie sich trauen sich noch ein wenig bunter anzuziehen. Es gibt außer weiß, schwarz und Marineblau auch noch viele andere Farben ... ;)



Lieblingssong des Moment?

Eine schwierige Frage für mich. Ich liebe Musik, aber für mich dient sie als Hintergrund meiner Illustrationen und Designs. Ich höre selten aktiv Musik sondern benutze sie eher dazu bestimmtes Gefühl zu erzeugen und meine Arbeit zu unterstreichen. 
Momentan höre ich gerade am liebsten den Soundtrack von „The Broken Circle Breakdown“. Was, by the way, ein unglaublich trauriger, aber bildlich und musiktechnisch wunderschöner Film ist.

Lieblingssong forever? 

Auch hier kann ich nicht wirklich einen Song benennen, aber ein Album, dass ich mir wirklich nie überhöre ist der Soundtrack von meinem Lieblingsfilm „Gardenstate“ mit unter anderem den Shins und einigen anderen großartigen Musikern.

Drei Plätze, die man sich in Hamburg unbedingt angeschaut haben sollte:
 

  1. Meine Atelier, meinen Lieblingsplatz in Hamburg ... Nein, Scherz beiseite: Ich liebe es im Sommer und bei gutem Wetter ein Kanu auszuleihen, ein Feierabendbier und ein paar Lieblingsmenschen einzupacken, in die Mitte der Alster zu paddeln und sich treiben lassen. Wasser ist so entspannend.  Nach so einem Abend fühlt man sich, als hätte man ein kleines Wochenende gehabt.
  2. Ich liebe es an Sonntagen im Café unter den Linden in der Schanze mit Freunden frühstücken zu gehen. Ich bestelle dort immer ein Wiener Frühstück – zwei Eier im Glas und Brot mit Marillen Marmelade. Im Sommer kann man mit glück draußen sitzen und sich die Sonne auf den Milchkaffee scheinen lassen aber auch im Winter ist es dort schön.
  3. Und jedem, der neu in Hamburg ist würde ich raten einmal zu Fuß durch den alten Elbtunnel zu gehen. Auf der anderen Seite hat man ein wunderschönes Panorama von der ganzen Stadt. 
Wenn man sich nicht vorher schon in Hamburg verliebt hat, dann tut man es spätestens jetzt. Und wenn das auch noch nicht reicht, dann ab auf die Fähre 62 und an den Elbstrand. Spätestens dann hat einen Hamburg in seinen Bann geschlagen.



Bilder: via Nusum – Model: Mila, Viva Models, Sacha Weißborn, Kultmodels Hamburg.
MakingOff Bilder: Foto: Lars Wieters – Model: Sascha Weissborn

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