Joja Wendt. Hamburger Mensch #132

Wenn ihr euch entscheiden müsstet, was wäre euer Lieblingsinstrument? Mir fällt diese Entscheidung ziemlich schwer, doch das Klavier steht ...

Wenn ihr euch entscheiden müsstet, was wäre euer Lieblingsinstrument? Mir fällt diese Entscheidung ziemlich schwer, doch das Klavier steht definitv zur Auswahl. Einer, der es vorzüglich beherrscht und auch nicht davor scheut es anderen zu erklären, wie es funktioniert, ist Joja Wendt. Bei ihm kann man online Klavier spielen lernen. Doch nicht nur mit ihm, sondern es tauchen auch immer wieder berühmte Gästen in seinen Videos auf und man hat Spaß ab der ersten Klavierstunde. Wie schön, dass er heut mein Gast der Serie "Hamburger Menschen" ist. Zu lesen, was für Ideen er hat, wie er Hamburg, die Szene und Kultur hier sieht, wie es ist auf die innere Stimme zu hören und authentisch zu bleiben, ist toll. Lest euch mal rein, los geht es, wer bist du und woher kommst du?

Joja Wendt, Pianist und aus Hamburg.

Seit wann bist du in Hamburg und wie bist du hier „gelandet“?

Geboren in Hamburg, dann viel herumgezogen.
Istanbul, Salzburg, Berlin, Dortmund, München.
Mit 17 Jahren zurück und Mitte der achtziger Jahre in die Hamburger Musikszene eingetaucht.
 


Erzähl mal von deinem Beruf?

Die Entscheidung Musik zum Beruf zu machen ist fast unmerklich gereift. In der Zeit, als ich eine berufliche Richtung einschlagen musste, studierte man noch Jura oder machte eine Banklehre. Etwas „Ordentliches“ also. Mit 22 bin ich dem inneren Ruf gefolgt professioneller Pianist werden zu wollen, und habe mein Musikstudium in Hilversum bei Amsterdam begonnen. Ich wusste die Konkurrenz und der Druck werden groß sein. Es gibt wohl keinen Beruf mit einem so enormen Arbeitsaufwand, mit gleichzeitig so wenig Aussicht auf Erfolg.  Allerdings war mir zu dem Zeitpunkt nicht wirklich klar, was auf mich zukommen sollte. Auf jeden Fall habe ich geahnt, dass eine besondere Disziplin und Flexibilität von Nöten ist.

Ich habe dann nebenbei jede „Mucke“ von Geburtstag, Hochzeit  und Firmenfeier angenommen, um soviel wie möglich vor Publikum zu spielen. Das machte mich wirtschaftlich unabhängig und verschaffte Spielpraxis.

Über die Jahre mit zunehmendem Erfolg kommen die Anfeindungen der Kollegen. Mit den großen Konzerten die Kritik der Presse.  Für manchen labilen Künstler ist hier schon Endstation.
Hat man es bis hierhin geschafft, beginnt im Konzertzirkus die Zeit der Vermarktungsstrategien und der Tipps sogenannter „Fachleute“. Hier werden viele Kompromisse und Fehler gemacht. Auch in meinem Fall.

Aus dem Grund gilt für jede Situation, ob auf oder neben der Bühne, weiter auf die innere Stimme zu hören und authentisch zu bleiben.


Was wäre dein Job, würdest du nicht das machen, was du jetzt machst?

Auf jeden Fall wäre ich selbständig. Es ist schwer zu beurteilen was wohl gewesen wäre wenn ... Alles was man mit Herzblut und Engagement betreibt, macht auch Spaß und es fällt einem leichter an die Grenzen zu gehen. Mit viel Einsatz kommt auch der Erfolg.

Was machst du, wenn du nicht arbeitest?

Ich verbringe so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie. Zum Ausgleich treibe ich viel Sport. Ausdauersport, sowie Kiten, Skifahren und Tischtennis in der Verbandsliga.

In welchem Stadtteil von Hamburg lebst du?

Gross Flottbek, also im Westen Hamburgs.

Möchtest du nochmal in einem anderen wohnen, wenn ja, wo?

Die Entscheidung nach Flottbek zu ziehen, kam mit der Entscheidung eine Familie zu gründen. Da war ein wenig Grün in einem beschaulicheren Umfeld. Meine Frau und ich können uns aber durchaus wieder vorstellen später zurück nach Ottensen zu ziehen, wo wir unsere Studentenzeit verbracht haben. Wenn wir es uns noch leisten können.

Wo würdest du dein Traumhaus bauen?

In Istanbul direkt am Bosporus. Allerdings erst wenn sich die politische Lage wieder stabilisiert hat. Es gibt nichts Schöneres als bei einem Glas Raki und einem frischen gebratenen Fisch bei Sonnenuntergang die Schiffe vorbeiziehen zu lassen.

Ist Hamburg für dich Kulturstadt? Was macht sie dazu?

Hamburg ist die liberalste, weltoffenste, humorvollste und musikalischste Stadt Deutschlands. Diese Stadt hat allein durch ihren Standort eine Sonderstellung. Der Hafen ist einer der wichtigsten Knotenpunkte und Umschlagplätze Europas. Auf Grund des weltweiten Handels treffen Menschen aus allen Ecken der Welt aufeinander. Und Hamburg war schon immer ein Vorbild an Integration der unterschiedlichsten Kulturen. Dieser Schmelztiegel, ähnlich wie New York oder Seoul bietet einen idealen kreativen Nährboden.

Als Musical Hauptstadt Deutschlands, ist Hamburg zudem ein Treffpunkt von vielen internationalen Künstlern die hier arbeiten, leben und Musik machen.
Es gibt eine Vielzahl an Spielstätten für junge Bands. Der Kiez bietet ein beinahe perfektes Umfeld für neue musikalische Formationen und Ideen. Eine quietschfidele Musikerszene, die hinter den etablierten Künstlern rochiert, gibt immer wieder neue Impulse und verhilft Ihnen gemeinsam mit den hier angesiedelten Musikverlagen und Managements zum Sprung an die Spitze der Charts.

Die Klassische Welt wird von Konzertdirektionen gepflegt und Weltstars kommen gern mit Gastspielen in die Stadt. Der weltweit renommierte Flügelhersteller Steinway & Sons lockt Konzerthäuser und Künstler aus aller Welt nach Hamburg, um sich die passenden Instrumente auszusuchen.

Es gibt in den alten und neuen Theatern und Clubs der Stadt, sowie auf Kampnagel und in der Fabrik (Barnerstr.) Raum für musikalische Experimente. Ehrenamtliche Vereine in Klassik, Jazz, Indi-Pop und viele mehr kümmern sich um das Fortbestehen der musikalischen Vielfalt.

Was würdest du ändern, wenn du Bürgermeister wärst?

Ich würde mich mehr für die Kultur einsetzen.
Aber ein Bürgermeister zieht nicht die Fäden, sondern stellt die Weichen.
Er muss Voraussetzungen schaffen. Beispielsweise subventionierte Freiräume und Arbeitstätten, sogenannte Inkubatoren nach dem Vorbild vom Silicon Valley könnten Treffpunkte sein, in denen Kreative frei von geregelten Arbeitszeiten eine Umgebung vorfinden, die kreative Prozesse befeuern.
Ein Bürgermeister muss an die Basis. Wie schon der Name sagt: zum Bürger. Er muss ein Ohr haben für die Ideen und Probleme der Kulturszene. Er müsste die Clubkultur entbürokratisieren und Steuererleichterungen erlassen.

Extra errichtete Netzwerke ermöglichen das gegenseitige Inspirieren von Musik, darstellender und bildende Kunst sowie Literatur. Dort können auf Vergleichsportalen Dienstleister den Künstlern die Organisation und Strukturierung ihrer Karriere anbieten.
Es muss Medienkanäle geben, die unabhängig vom Quotendruck in der Künstlerszene auf Entdeckungsreise gehen.
Redakteure müssen wieder getrieben werden vom Idealismus neue Künstler und Kunstformen zu entdecken und dem breiten Publikum vorzustellen.

Es gibt also eine Menge zu tun in Hamburg, dieser jetzt schon fast perfekten liberalsten und kreativsten Stadt Deutschlands, damit sie immer aufs Neue aufregende und erfolgreiche Musik und Kunst hervorbringt.

Warum Hamburg und nicht Istanbul, Berlin oder New York?

Seltsamerweise handelt es sich (aus meiner Sicht) um genau die drei Städte, die für mich noch als entfernte Option in Frage kämen. Aber für einen Hamburger sind selbst so reizvolle Städte wie die oben genannten keine Alternative zu Hamburg.


Alster oder Elbe?

Beides schön. Aber eher Elbe.
Wir hatten früher immer einen Baum bei der „kleinen Rast“ an der Elbe zu dem wir frischverliebt mit dem Fahrrad gefahren sind. Dort haben wir bei Sonnenuntergang am Elbstrand einen Korb voll mit Käse und Wein verputzt.

Wie viele Stunden am Tag ist dein Smartphone an?

Tagsüber ständig. Nachts komplett aus.

Keine Frage, doch ein wenig Platz für etwas, was du loswerden möchtest:

Eine Frage hat mich seit meinen ersten Klavierstunden beschäftigt. Wie kann man einen Wissenstransfer beim Klavierspielen signifikant erhöhen.
Die Antwort:  Online-Klavierunterricht von einem Lehrer, der den Schülern seine Tricks verrät und zu den Unterrichtsstunden befreundete Sänger und Musiker einlädt. 

Der Unterricht muss wie ein Baukasten aufgebaut sein. Das Knowhow, das der Pianist im Lauf seiner Karriere angesammelt hat, aufgebrochen in leicht verständliche Bausteine, die der Schüler beliebig kombinieren kann. Das Ganze so locker und unterhaltsam präsentiert, dass schon das Üben Spaß macht. Die Lektionen sollten so toll klingen, dass man Lust bekommt, sie mit einem Glas Rotwein in der Hand per Kopfhörer zu genießen. 

Dafür habe ich mich über Monate in meinem Studio, einem altem Pferdestall, eingeschlossen und versucht den Unterricht zu entwickeln, den ich mir für mich selbst immer gewünscht habe. Jeder Schüler soll ohne Notenkenntnisse seine volle Kreativität entfalten können und schon in den ersten Übungen ermutigt werden zu komponieren und zu improvisieren.
Das Motto lautet: „Deutschland ans Klavier!“ Die Menschen stürmen massenhaft an die Klaviere und überall gibt es wieder handgemachte Musik! Zu sehen unter: www.jojaspianoacademy.de 


Lieblingssong des Moments?

Eigentlich Helix. Eine Eigenkomposition auf meinem neuen Album „Jojas Klaviermusik“.
Hört sich aber doof an, wenn man seinen eigenen Titel toll findet. Ist dennoch sehr gelungen ;)

Lieblingssong forever?

„Roll To Me“ von Del Amitri. Ist der Song meiner Hochzeitsreise.

Drei Plätze, die man sich in Hamburg unbedingt angeschaut haben sollte:

Strand- oder Alsterperlperle
Schanze
Hagenbeks Tierpark

Möchtest du noch jemanden grüßen, hier ist Platz dafür:

Ich grüße meine Tochter und ihre großartigen Freundinnen, die gerade mit einer herrlichen Party ihren 16. Geburtstag gefeiert haben. Eine super Clique mit bezaubernden Mädels, die toll zusammenhalten.

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