Die Zimtschnecken. Hamburger Menschen #119

Freitag, Februar 19, 2016

Elegant sind sie, selbstbewusst und lustig. Ihre Leidenschaft: Musik! Alle drei sind echte Bühnen- und Musikprofis. Anne Weber und Victoria Fleer - auch bekannt aus TV- und Filmproduktionen - stehen gemeinsam auf der Bühne des St. Pauli Theaters, Sörin Bergmann leitet vier Hamburger Chöre, darunter auch die „Daimler Chorus Stars“ bei Mercedes Benz. Am 22. Februar 2016 stehen sie als, die Zimtschnecken, im Winterhuder Fährhaus gemeinsam auf der Bühne (Hier geht es zum Kartenkauf).

Weil sie eine Menge zusammen machen, sind die drei, auch heute zusammen im Interview Hamburger Menschen: Sörin Bergmann, Victoria Fleer und Anne Weber, woher kommt ihr denn ursprünglich?

Sörin kommt aus Leipzig, Victoria aus Minden und Anne aus Kiel.

 

Seit wann seid ihr in Hamburg?

Sörin kam 1989, Anne ging 1993 vom Düsseldorfer Schauspielhaus ans Deutsche Schauspielhaus Hamburg und war glücklich, endlich wieder im Norden zu sein, und Victoria begann hier 1999 ihre Ausbildung an der Stage Academy.

Erzählt mal von eurem Beruf?

Unsere gemeinsame Leidenschaft ist der Swing. Sörin Bergmann (Chorleiterin) und Anne Weber (Schauspielerin) sangen viele Jahre lang zusammen in einer A-Cappella-Gruppe. Gleichzeitig standen Anne Weber und Victoria Fleer (auch Schauspielerin) zusammen auf der Bühne des St. Pauli Theaters. Es entstand die Idee, gemeinsam die Songs der Andrews Sisters neu betextet auf die Bühne zu bringen – mit hanseatischer Selbstironie, sexy Kostümen, ausgefeiltem Satzgesang und einer guten Portion Frechheit. Dass das Ganze dem Publikum genau so viel Spaß macht wie uns selbst, freut uns gerade wahnsinnig!


Was wäre euer Job, würdet ihr nicht das machen, was ihr jetzt macht?

Victoria würde wohl Möbel restaurieren und Anne Vögel zählen. Wobei man ehrlicherweise sagen muss, dass wir alle drei mehrere Jobs haben, deshalb ist die Gefahr ziemlich gering, dass es langweilig wird. Allein das Repertoire der Zimtschnecken muss ja nicht nur gesanglich und choreografisch einstudiert, sondern auch gefunden, neu betextet und dreistimmig arrangiert werden. Sörin leitet außerdem vier Hamburger Chöre und gibt Gesangsworkshops, Victoria dreht fürs Fernsehen (z.B. als Mutter in „Die Pfefferkörner“) und spielt im St. Pauli Theater (zuletzt in „Hamburg Royal“ und „Nachttankstelle“), und Anne schreibt außer für die Zimtschnecken noch Liedtexte für andere Projekte, z.B. gerade für ein „Rapunzel“-Musical der Grimm-Festspiele in Hanau, spielt ebenfalls am St. Pauli Theater und nimmt mit, was sonst noch so kommt – Lesungen, Hörbücher und manchmal eine Fernsehrolle.


Was machst ihr, wenn ihr nicht arbeitet?

Sörin reist gern, besonders in den Süden. Ihr kann es nicht warm genug sein, weshalb Anne und Victoria, wenn wir bei Sörin proben, auch gerne mal in Unterwäsche singen. Victoria geht ständig Eis essen, in ihrer Nachbarschaft in der Neustadt gibt es eine Eisdiele, die sogar Zimtschnecken-Eis hat. Außerdem hat sie gerade ihre Schränke ausgeräumt und deren Inhalt sortiert – was Anne mit blankem Neid erfüllt. Anne sitzt am liebsten auf ihrem Sofa mit Blick auf eine der selten gewordenen Stadtbrachen und grübelt über Reime nach, obwohl das ja eigentlich Arbeit ist. Fühlt sich aber nicht so an.

In welchem Stadtteil von Hamburg lebt ihr?

Sörin in Rahlstedt, Victoria in der Neustadt und Anne in St. Georg. Meistens proben wir bei Anne, das ist für alle gut erreichbar. Obwohl Sörin immer über die Parkplatzsituation flucht.

Möchtet ihr nochmal in einem Anderen wohnen, wenn ja, wo?

Victoria würde gern in einem Hausboot auf der Elbe wohnen, Sörin träumt von einer Künstlerkolonie im Stadtpark und Anne, die gewissermaßen in einer Künstlerkolonie wohnt – sowohl Mann als auch Stieftochter haben beruflich mit Theater und Musik zu tun – bezweifelt stark, dass Künstler die idealen Mitbewohner sind.

Wo würdet ihr euer Traumhaus bauen?

Victoria am Meer, Sörin in der Toskana und Anne in einem Baumwipfel.


Ist Hamburg für euch Kulturstadt? Was macht sie dazu?

Ja! Durch die Vielfalt der Theater- und der Musikszene.

Was würdet ihr ändern, wenn ihr Bürgermeister wärt?

Den Wildwuchs fördern – sowohl auf öffentlichen Grünflächen als auch kulturell und sozial.
Es gibt so tolle private Initiativen, zum Beispiel im Hinblick auf die Integration der Flüchtlinge, die das gesellschaftliche Klima hier entscheidend beeinflussen wird. Wir würden solche Initiativen schnell und unbürokratisch unterstützen.


Warum Hamburg und nicht Istanbul, Berlin oder New York?

Wegen der Schönheit der Stadt, der Mentalität ihrer Bewohner und der überschaubaren Größe: Hamburg ist Weltstadt und Dorf in einem.

Alster oder Elbe?

Victoria sammelt gern Treibholz an der Elbe und lässt an jedem Neujahrstag ein brennendes Teelicht auf dem Fluss schwimmen. Sörin, frisch im Westen, saß an einem sonnigen Augusttag 1989 an den Landungsbrücken und ließ sich eine Brise Freiheit um die Nase wehen. Anne vermisst an der Elbe, dass man nicht drumherum laufen kann, und liebt an der Alster die Kormorane auf ihren Stammplätzen, die Abendsonne an der „Alsterperle“ und den verstaubten Charme von „Bobby Reich“.

Wie viele Stunden am Tag ist euer Smartphone an?

Immer, aber meistens lautlos, bei uns allen dreien.

Keine Frage, doch ein wenig Platz für etwas, was ihr loswerden möchtest:

Wir wünschen uns mehr Raum für Subkultur (siehe Wildwuchs) und weniger Bürogebäude!


Lieblingssong des Moment?
  • Sarah Connor: Wie schön du bist
  • Caterina Valente: Tipi Tipi Tipso
  • J.S.Bach: Jauchzet, frohlocket

Lieblingssong forever?
  • Al Jarreau: Never giving up
  • Aretha Franklin: Natural Woman
  • Joni Mitchell: Both Sides Now

Drei Plätze, die man sich in Hamburg unbedingt angeschaut haben sollte:
  • Landungsbrücken
  • Fleetschlösschen
  • Museum für Hamburgische Geschichte

Möchtet ihr noch jemanden grüßen, hier ist Platz dafür:

Alle unsere Männer!


Dies könnte Dir auch gefallen

0 Kommentare

Danke für Deinen Kommentar! :o)

Kathrynsky auf Facebook

Schreib mir:

Name

E-Mail *

Nachricht *

Subscribe