Ingo Pohlmann. Hamburger Menschen #110

Heute hab ich einen feinen Liedermacher zu Gast in der Interviewreihe "Hamburger Menschen". Schon lange bevor ich in Hamburg lebt...

Heute hab ich einen feinen Liedermacher zu Gast in der Interviewreihe "Hamburger Menschen". Schon lange bevor ich in Hamburg lebte, hab ich zur Musik von Ingo Pohlmann gewippt und seinen klugen Texten gelauscht. Fast zehn Jahre nach seiner ersten Platte unter eigenem Namen, ist seine Musik tiefer geworden, doch immer noch mit einem Augenzwinkern, seine Lieder erzählen vom Leben. Gleichzeitig spricht aus ihnen ein Grundvertrauen, das man auch Ingo selbst anmerkt. Den Schalk im Nacken und einem ernsten Gespräch nie abgeneigt, macht es viel Spaß mit ihm zu klönen.

Wer bist du und woher kommst du?

Ich bin Ingo Pohlmann und komme aus Ostwestfalen.


Seit wann bist du in Hamburg?

Ich kam und blieb für die Ewigkeit ... nun seit etwa 12 Jahren.

Erzähl mal von deinem Beruf?

Erst Maurer, dann Barkeeper, dann Musiker. Eigentlich schon immer Musiker, aber erst wenn man davon leben kann, glauben die Menschen es dir.
Die Leute aus der Kleinstadt, wo ich herkomme, fragen mich manchmal, ob ich denn von meiner Musik leben könnte ... Ich sag dann immer; "Die Frage stellt sich nicht. Es stellt sich nur die Frage, ob ich ohne sie leben könne." Ich weiß natürlich, was sie meinen, doch auf dem selben Fuß fragen sie mich, ob ich nicht für umme auf dem Betriebsfest spielen könnte ;) Also frag ich mich wieder, ob die ihre Frage verstanden haben.

Nun, ansonsten ist es ein Leben, das ganz toll ist, und manchmal schämt man sich für sein Glück. Aber, auch das ist eine Falle, denn mit der Zeit gibt es einen gewissen Druck, der sich schleichend aufbaut, und dann muss man wieder, wie jeder andere seine Philosophie finden. Du gehst raus mit deinen Gedanken über dich, die anderen und die Welt, und da willst du dich so ausdrücken, dass es dir nicht nur "ganz gut" gefällt. Nein, ich selbst möchte die Sachen auch morgen noch verstehen und sie abfeiern wie am ersten Tag, und eben dies gilt auch für die Musik … und das ist gar nicht so leicht, wie man meinen könnte … Ich bekomme vor jeder neuen Platte einen Tinnitus, der sich erst wieder löst, wenn die Musik im Kasten ist und wir sie abfeiern wie am ersten Tag. Wenn die Schlacht der "Für und Wider" gewonnen ist. Ich kann nicht ohne mir zu gefallen, früher war ich mit weniger zufrieden … deswegen glaub ich, dass ich besser werde.


Was wäre dein Job, würdest du nicht das machen, was du jetzt machst?

Maurer oder Barkeeper ... Journalist?
Ich bin ein hundsmiserabler Schauspieler und das eine oder andere Video von mir hätte ich mir, was meine Darstellung angeht, gern gespart. Am liebsten mag ich das mit dem Hund aufm Kiez: "König der Straßen". In meinem Kopf habe ich oft genaue Vorstellungen, wie sich etwas zuträgt, wenn ich in den Tag träume. Ich wäre gern ein Schauspieler, der das umsetzen könnte.

Was machst du, wenn du nicht arbeitest?

Ich habe keine Hobbys und bin meistens irgendwie mit Musik beschäftigt. Wenn nicht, bin ich Daddy und manchmal Musiker und Daddy gleichzeitig. Ich hab wieder angefangen, Star Wars Figuren zu sammeln. Wenn ich mir die anschaue, erinnert sich das Kind in mir, und ein Gefühl stellt sich ein, das mit Harmonie zu tun hat. 

 

In welchem Stadtteil von Hamburg lebst du?

In der Nähe vom Stadtpark.

Möchtest du nochmal in einem Anderen wohnen, wenn ja, wo?

Vielleicht in Ottensen oder beim Wohlerspark ... aber die guten Wohnungen, ach wem erzähl ich das ;)

Wo würdest du dein Traumhaus bauen?

In der Luft.

Was würdest du ändern, wenn du Bürgermeister wärst?

Ich wäre bei der Elbvertiefung mit den Grünen gegangen (die sind allerdings ja dann selbst zurückgerudert). Naja, es lässt sich alles leicht sagen, wenn man nicht Bürgermeister ist, aber richtig wäre es. Dann haben wir da die komische Elbphilharmonie – aber ich will mal kein humpelndes Pferd zum Schlachter reiten ... Auch das ist ein Desaster, dessen Verstrickungen ich, ehrlich gesagt, nicht durchschaue. Zurück zur Elbvertiefung: Falls ich als Bürgermeister dadurch mit weniger von viel zu viel auskommen müsste, weil nicht mehr alle großen und immer wahnwitzig größer werdenden Schiffe ankämen, dann würde ich damit klar kommen. Wir wissen längst, dass der Wachstumsgedanke zu keinem guten Ende führt. Ich sag immer: Halbe Kraft voraus! Das wäre n'  Slogan! Aber das klingt ja auch gleichzeitig nach zurückbleiben nech? ;)

Warum Hamburg und nicht Istanbul, Berlin oder New York?

Heimat, die deutsche Sprache. Ich war nie in New York oder Istanbul. Ich mag Berlin als Tourist und es hat einiges mehr zu bieten als die Hansestadt, aber ich mag Hamburgs Geschwindigkeit, damit komm ich sicherer ans Ziel ... wenn auch manchmal n Tick später. Ich war in Hamburg von Anfang an verliebt, in Berlin verknallt ... ich hab mich für die Liebe entschieden ... yeaaah! Ein Song!

Alster oder Elbe?

Die Elbe is mein Ding, auch wenn ich an der Alster wohne. Klar, als Musiker ist der Fluss (fast) immer spannender als der Teich.


Wie viele Stunden am Tag ist dein Smartphone an?

Das ist immer an, außer der Akku is alle und der ist oft alle. Scheiß Akku. Ich hab einen Song auf der letzten Platte dazu gemacht, der heißt "Fenster zur Welt", da geht es darum, dass wir von Display zu Display stolpern und unsere Smartphones reiben, wie Frodo seinen Ring.

Keine Frage, doch ein wenig Platz für etwas, was du loswerden möchtest:

Meinen Tinnitus würd ich gern los werden.

Lieblingssong des Moment?

Gerade habe ich die "Best of Ry Cooder" gekauft. Es fängt mit "Paris, Texas" an und ist der Hammer! Da bin ich spät dran, was den Kollegen angeht. Und im Auto höre ich derzeit das neuste Album von Niels Frevert "Das mit dem Glücklichsein ist relativ."

Lieblingssong forever?

So eine Frage kann man als Musiker nicht beantworten, da streiten sich 20-30 Songs um den ersten Platz. Von daher habe ich kein einziges Lieblingslied ... aber, um eines zu nennen, was mich oft bewegt, es gibt ein Lied von Ben Harper "Amen Omen" – wenn ich es mit geschlossenen Augen höre, fange ich an, an Gott zu glauben.

Drei Plätze, die man sich in Hamburg unbedingt angeschaut haben sollte:

Da bin ich nicht sonderlich originell, doch sehr gerne:
  • Auf dem Flohmarkt am Schlachthof, da hat man das Karolinenviertel gleich ums Eck.
  • Egal wie abgedroschen, der Kiez is der Kiez und dort mag ich das Lehmitz,
  • Es gibt einen super Piratenspielplatz, der Campingplatz Elbecamp.   
  • Und den Hafen, Pauli, Schanze usw. alles schön!

Möchtest du noch jemanden grüßen, hier ist Platz dafür:

Hi Mama!



In knapp drei Wochen geht seine "Jahr aus Jahr ein" - unplugged Tour los, Zeit sich Karten zuzulegen für folgende Termine:


POHLMANN TOUR

"Jahr aus Jahr ein" - unplugged
präsentiert von Akustik Gitarre & kulturnews

12.12.15 Bremen, Lagerhaus
13.12.15 Berlin, Lido
15.12.15 Dresden, Schauburg
16.12.15 Köln, Kulturkirche
17.12.15 Hannover, Faust
18.12.15 Flensburg, Max
20.12.15 Lübeck, Riders Cafe
21.12.15 Hamburg, Fabrik
22.12.15 Bielefeld, Bielefelder Songtage
14.01.16 Nürnberg, MuZ
15.01.16 München, Ampere
16.01.16 Frankfurt, Brotfabrik

Tickets: http://www.eventim.de/pohlmann
Facebook-Event: https://www.facebook.com/events/1039214442756769/

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