Rasha Khayat. Hamburger Menschen #107

Wenn sie vom, "sich finden in der Stadt und Welt" schreibt, bekomme ich ein wenig Gänsehaut. Ankommen, sich verlieren, wiederfind...

Wenn sie vom, "sich finden in der Stadt und Welt" schreibt, bekomme ich ein wenig Gänsehaut. Ankommen, sich verlieren, wiederfinden, einen Platz und Wurzeln haben und bekommen – wie ist es in der Welt die sich, gefühlt, schneller dreht, als noch zu den Zeiten meiner Oma? Ich freue mich sehr, dass ich heute Rasha Khayat im Interview meiner Freitagsserie "Hamburger Menschen" habe. Und nun mehr zu ihr, erzähl mal, wer bist du?

Rasha Khayat. Wortmensch, Vagabundin aus Leidenschaft.

Woher kommst du?

Schwere Frage. Aufgewachsen in der arabischen Heimat meines Papas. Irgendwann sind wir zurück nach Deutschland, alle zusammen, zur Familie meiner deutschen Mama, in den Ruhrpott. Da war ich 11.  Dort habe ich dann Abi gemacht, aber danach war ich eigentlich nur noch unterwegs, höchstens mal 4 Jahre an einem Ort, bin viel durch die Weltgeschichte gereist.
Ich komme also irgendwie aus der Wüste, irgendwie aber auch aus dem Ruhrpott ... Aber ich glaube, ich bin eher so ein Zigeunerkind, von überall und nirgends.


Seit wann bist du in Hamburg?

2005 bin ich wegen eines Jobs nach Hamburg gekommen und es war Liebe auf den ersten Blick. Ich bin dann 2011 mal kurz weggezogen, der Liebe wegen, nach Berlin. Das hielt dann aber nicht und ich bin 2013 reumütig meiner großen Liebe, also Hamburg, wieder in die Arme gefallen. Ich glaube nicht, dass man mich hier nochmal wegbewegt ...

Erzähl mal von deinem Beruf?

Ich übersetze Bücher und schreibe Texte. Übersetzen tue ich aus dem Englischen und Arabischen. Das mache ich seit 2007 als Freiberuflerin. Ich liebe es, frei zu arbeiten, ohne feste Strukturen, man kann sich die Arbeit schön abwechslungsreich gestalten, das liegt mir.

Außerdem schreibe ich leidenschaftlich gern. Artikel für Zeitungen und Magazine, Geschichten, und auch ein Blog über Multi-Kulti-Themen: westoestlichediva.com

Die letzten 2 Jahre habe ich damit verbracht, endlich mal meinen ersten Roman zu schreiben.  Der wird im kommenden Frühjahr erscheinen und spielt natürlich auch teilweise in Hamburg.  Wenn alles gut läuft, würde ich natürlich gern weiter machen mit dem Bücherschreiben. Das macht mir großen Spaß.


Was wäre deine Job, würdest du nicht das machen, was du jetzt machst?

Als ich klein war, wollte ich mal Ärztin werden. Aber ich glaube, mir fehlt die Disziplin für’s Medizinstudium ... Irgendwas, wo ich viel reisen könnte, wäre schön.

Was machst du, wenn du nicht arbeitest?

Lesen. An der Elbe sitzen. Ins Kino gehen. Mit Freunden Zeit verbringen. Nichts Aufregendes. Aber immer schön. In meinem Kopf ist den ganzen Tag eigentlich Nonstop Aufregung, das ist einfach so, wenn man schreibt. Da tut’s mir immer gut, wenn ich einfach nur sein darf, sobald der Stift weggelegt und der Laptop ausgeschaltet ist.

In welchem Stadtteil von Hamburg lebst du?

Mit einem Fuß in der Schanze, mit dem anderen in Eimsbüttel.

Möchtest du nochmal in einem Anderen wohnen, wenn ja, wo?

Ich mag meine Straße und meine Wohnung. Ich glaube, ich bleibe erstmal hier.

Wo würdest du dein Traumhaus bauen?

In Hamburg – natürlich irgendwo mit Elbblick, vielleicht noch hinter Blankenese.
Außerhalb von Deutschland: Ich war vor vielen Jahren mal in einem kleinen Dorf in Spanien, Jimena de la Frontera. Da hab ich irgendwie mein Herz verloren, und träume seither immer mal wieder davon, da ein Haus zu besitzen, so mit kleinem andalusischen Innenhof, mit arabischen Kacheln, kleinem Brunnen und Oleanderbüschen ...

Ist Hamburg für dich Kulturstadt? Was macht sie dazu?

Hamburg ist schon toll, was Kultur angeht. Es gibt ja viele Museen, tolle Kinos, Musik, Theater und auch Literatur.
Es gibt echt tolle Leute, die super Dinge auf die Beine stellen. Das Festival Ham.Lit zum Beispiel ist wirlich eine tolle Veranstaltung. Die Organisatoren machen sich viel Mühe und stellen immer ein tolles Programm auf die Beine. Auch die Leute vom Nochtspeicher haben immer tolle Sachen im Programm. Ich fänd’s gut, wenn da noch mehr passieren würde. Dafür braucht es natürlich auch die Mittel – noch ein bisschen mehr Kulturförderung wäre eine schöne Sache, die der Stadt bestimmt gut tun würde!

Was würdest du ändern, wenn du Bürgermeister wärst?

Mietpreise bremsen. Aber sowas von!
Naja, und Kultur mehr fördern, s.o.

Warum Hamburg und nicht Istanbul, Berlin oder New York?

Weil’s einfach die schönste Stadt der Welt ist. Die Leute sind entspannt, offen und locker, aber nicht zu aufdringlich. Man kann einfach sein Ding machen und die Stimmung ist so herrlich unaufgeregt, im Gegensatz zu zB Berlin. Das liegt mir. Außerdem liebe ich die Nähe zum Wasser. 


Alster oder Elbe?

Elbe all the way. An den Landungsbrücken, auf dem allerletzten Poller, hinter der Brücke 10 ist mein absoluter Lieblingsort in der ganzen Stadt. Man sitzt da genau neben den Schleppern und schön abseits der Touristenströme. Da habe ich schon bei Wind und Wetter gesessen, meine Sorgen in die Elbe geworfen, einfach nur aufs Wasser gestarrt, wenn der Kopf mal wieder zu voll war, oder wie im letzten Jahr mal 10 Stunden lang am Stück in der Frühlingssonne gesessen und mich mit jemandem über Gott und die Welt unterhalten, bei Bier und Krabbenbrötchen, bis es dann um halb eins in der Nacht dann doch zu kalt wurde. Schön war das.

Wie viele Stunden am Tag ist dein Smartphone an?

Immer, außer wenn ich schlafe. Leider. Nur wenn ich schreibe, schalte ich alles aus, Telefon, Internet, alles. 

Keine Frage, doch ein wenig Platz für etwas, was du loswerden möchtest:

Durch das viele Rumreisen und sehr früh in der Weltgeschichte herum geschifft werden, hat sich dieses komische Ding namens „Heimat“ in mir verwässert. In Hamburg fühle ich mich zum ersten Mal in meinem Leben irgendwie angekommen und weiß – ich lebe am schönsten und besten Ort der Welt, um von hier abzureisen und jeder Zeit wieder nach Hause zu kommen. Das ist für mich ein ganz besonderes Geschenk!

Lieblingssong des Moment?


Lieblingssong forever?


Drei Plätze, die man sich in Hamburg unbedingt angeschaut haben sollte:
  • Ohlsdorfer Friedhof
  • Das Gewürzmuseum in der Speicherstadt
  • Das Nowa Huta in der Lindenalle ☺  


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