Anne-Kathrin Fremy. Hamburger Menschen #105

Wann ward ihr zum letzten mal im Theater? Schauspielerin Anne-Kathrin Fremy gibt euch jetzt einen kleinen Grund mal wieder zu gehen, sollte...

Wann ward ihr zum letzten mal im Theater? Schauspielerin Anne-Kathrin Fremy gibt euch jetzt einen kleinen Grund mal wieder zu gehen, solltet ihr in Hamburg sein. Am 9. Oktober hat sie mit der Kreuzfahrtfeeling-Revue „Karmen im Nebel“ Premiere auf der Cap San Diego gefeiert. Morgen, am 17. und Sonntag, den 18. Oktober spielt sie das Stück nochmal. Dies ist jedoch nicht ihr einziger Job und ich frage mich, wie sie mit 24 Stunden am Tag alles schafft, doch davon erzählt sie uns nun.
Wer bist du und woher kommst du?

Ich bin Anne-Kathrin Fremy, 38 Jahre, Sängerin und Musikpädagogin, verheiratet, Mutter von zwei bezaubernden Kindern und komme aus Hamburg-Farmsen.

Seit wann bist du in Hamburg?

Meine Familie ist nach Hamburg gezogen, als ich vier war. Für einen „echten“ Hamburger bin ich also ein Quiddje. Aber ich bin hier groß geworden und fühle mich als Hamburgerin.

 
Erzähl mal von deinem Beruf?

Ich bin Sängerin und Musikpädagogin. Um an diesen Punkt zu kommen, bin ich einige Umwege gegangen. Für den direkten Weg, nach der Schule ein Gesangsstudium zu machen, fehlt mir zuerst der Mut. Nach der Schule habe ich nach einem 2-jährigen Auslandsaufenthalt eine Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin gemacht und Spanisch studiert. Nebenbei habe ich immer Musik gemacht und seit 1999 auch semiprofessionell, z.B. Hintergrundmusik bei Firmenfeiern.
Zuerst habe ich in Coverbands und Big Bands gesungen, dann entdeckte ich aber ab 2003 durch eine befreundete Musicaldarstellerin die Liebe zur Theaterbühne und fing an, meine ersten Musiktheater-Stücke zu schreiben und in Kulturhäusern in und um Hamburg aufzuführen.

Bis zur Geburt meiner Tochter 2007 jobbte ich halbtags in diversen Firmen als Assistentin, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen und machte nebenbei weiter meine Eigenproduktionen. Mit der Geburt war klar, ich kann nicht weiter halbtags arbeiten, halbtags Musik machen und ein kleines Kind betreuen. Durch einen Zufall erfuhr ich von der Möglichkeit, mich durch Wochenend-Seminare zur Musikgarten-Lehrerin ausbilden zu lassen und das war der Start meiner Freiberuflichkeit.
Seit 2009 unterrichte ich nun unter dem Namen „Annes Musikgarten“ und verdiene so einen Teil meines Geldes. 

Seit 2012 habe ich ein tolles neues Projekt: „Karmen im Nebel“. Es ist ein komödiantischer Liederabend über eine Diva namens Karmen Poppe, die auf Kreuzfahrtschiffen zum Star wurde. Darum trägt der Abend den Untertitel „Die Kreuzfahrtfeeling-Revue“. Mit meinem Pianisten Florian Miro erarbeiten wir Songs und Geschichten, die von Karmens Leben auf dem Meer, ihren Liebschaften und ihrer großen Leidenschaft für Wurst handeln. Karmen trägt nämlich den Miss-Titel „Sülzekönigin“. Im Dezember 2012 hatten wir mit dem ersten Programm Premiere auf der Cap San Diego im Hamburger Hafen – eine wirklich besondere Location für ein Theaterstück. Seitdem sind wir Jahr für Jahr dorthin zurück gekehrt und haben ab 2013 zusammen mit der Steifen Brise auch dort die Hamburger Theaternacht mitgestaltet.
Außerdem mache ich ab und an Unternehmenstheater oder spiele in normalen Produktionen mit, wie kürzlich bei „Mann über Bord“ auf dem Theaterschiff Lübeck.


Manchmal werde ich gefragt, ob ich den Schritt in die Selbstständigkeit bereut habe oder ob ich gern wieder irgendwo angestellt wäre und ich kann nur aus vollem Herzen sagen: Nein. Klar, ist es nicht immer leicht, für alles selbst verantwortlich zu sein und „nebenbei“ noch die Familie zu managen. Mittlerweile habe ich zwei Kinder. Aber ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als das, was ich gerade mache und bin jeden Tag dankbar, dass ich mit Musik Geld verdienen darf.

Was wäre deine Job, würdest du nicht das machen, was du jetzt machst?

Puh … schwierig. Ich hätte vielleicht einen Job in einer Eventagentur. Auf jeden Fall etwas mit Menschen.

Was machst du, wenn du nicht arbeitest?

In erster Linie mache ich dann etwas mit meinen Kindern. Die beiden sind 8 und 4 und brauchen noch viel Betreuung. Wenn die beiden gerade mal nicht an der Reihe sind, dann lese ich für mein Leben gern Krimis. Als ich noch keine Kinder hatte, habe ich viel genäht oder andere handwerkliche Dinge gemacht. Sobald meine Beiden etwas größer und selbständiger sind, werde ich das sicher wieder aufnehmen.
Außerdem tanze ich Flamenco und reise gern mit meinem Mann in andere Städte in Deutschland und entdecke sie zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

In welchem Stadtteil von Hamburg lebst du?

Seit 2012 in Farmsen und das sehr gerne. Wir haben hier unseren Traum vom Eigenheim erfüllt. Mit viel Mühe und Eigenleistung haben wir eine alte Stadtvilla von 1900 saniert und für unsere Bedürfnisse umgebaut. Jeden Tag, wenn ich von der Küche in meinen Garten schaue, bin ich glücklich, hier wohnen zu dürfen.

Möchtest du nochmal in einem Anderen wohnen, wenn ja, wo?

Nein. Hier gehe ich erst mit den Füßen vorneweg wieder raus. ☺


Wo würdest du dein Traumhaus bauen?

Hab ich schon!

Ist Hamburg für dich Kulturstadt? Was macht sie dazu?

Ja, Hamburg ist eine Kulturstadt und das nicht, weil State Entertainment schon wieder ein neues Musicalhaus gebaut hat. Die Stadt ist voll mit tollen Kleinkünstlerin. Leider fehlt oft Geld und mediale Aufmerksamkeit, um dies den Bürgern auch mitzuteilen. Ich finde es zum Beispiel ärgerlich, dass ein Großteil des Kulturetats für eh schon große Produktionen verwendet wird. Wir hatten uns für „Karmen im Nebel“ auch für einen finanziellen Zuschuß beworben, weil wir ja das kulturelle Leben der Hafencity unterstützen, indem wir auf der Cap San Diego auftreten. Die Ablehnung kam prompt und lautete, wir wären dafür zu groß und zu kommerziell – was völlig lächerlich ist. Wenn man versucht, die Hamburger auf sich aufmerksam zu machen und nicht den Etat hat, monatelang Litfaßsäulen zu plakatieren oder teure PR Kampagnen zu bezahlen, hat man kaum Chancen. Dabei finde ich, muss sich unsere Produktion qualitativ nicht hinter etwas der „großen Bühnen“ wie Stage Entertainment, Tivoli oder St. Pauli Theater verstecken.

Auch ist es schwierig für nicht-etablierte Künstler ohne Kontakte, Auftritte in den größeren Theatern zu bekommen. Die wollen am Liebsten nur Gastspiele von Künstlern, die man aus dem Fernsehen kennt. Sie hoffen, dadurch die Säle voll zu bekommen.
Ich wünschte mir manchmal mehr echte Talentförderung in Hamburg, damit Künstler ohne Kontakte und ohne Fernsehkarriere auch die Chance haben, sich zu präsentieren.
Zum Glück für uns sind die Hamburger bei der Theaternacht aber sehr offen und interessiert und tatsächlich haben wir die meisten Kartenverkäufe, nachdem wir unser Kurzprogramm dort im September vorgestellt haben.

Was würdest du ändern, wenn du Bürgermeister wärst?

Das finde ich zu komplex, um es mit ein paar Sätzen zu beantworten. Man darf nicht vergessen, dass der Bürgermeister bzw die regierenden Parteien so viele verschiedene Interessen und Bedürfnisse unter einen Hut bekommen müssen. Plakativ würde ich mir sicher mehr Geld für eine gute Kinderbetreuung und eine stärkere Unterstützung von Kleinkünstlern wünschen. Ich finde, Olaf Scholz macht seinen Job alles in allem schon gut.

Warum Hamburg und nicht Istanbul, Berlin oder New York?

Weil mein Herz hier wohnt. Ich möchte keinesfalls in einer Stadt ohne Wasser leben und die Berge interessieren mich nicht. Berlin ist mir zu unübersichtlich, zu schmuddelig und zu unfreundlich. Sicherlich gibt es auch dort schöne Ecken. Aber alleine die Architektur der Stadt ist auf größer, höher, schneller ausgerichet. Hamburg wirkt immer noch wie ein Verbund aus Dörfern und das mag ich.

Alster oder Elbe?

Ich liebe den Blick, wenn man mit dem Rad über die Kennedy-Brücke fährt. Es gibt kaum etwas Vergleichbares. Trotzdem sage ich aus romantischen Gründen „Elbe“, denn dort habe ich meinen Mann das erste Mal geküsst und mich unsterblich verliebt.

Wie viele Stunden am Tag ist dein Smartphone an?

Dauerhaft. Ich schalte es eigentlich nie aus. Aber ich starre jetzt nicht unentwegt drauf. Trotzdem finde ich es erschreckend, mit was für einer Selbstverständlichkeit ich das Ding zur Hand nehme, wenn ich mal eben schnell was nachgucken will oder per Whatsapp meinen Freunden eine lustige Nachricht schicken möchte. Das Smartphone hat meinen Alltag schon verändert. Ich habe erst seit 2011 ein Smartphone. Damals habe ich es mir angeschafft, weil ich nach der Geburt meines Sohnes jederzeit per Email für meine Musikgarten-Kunden und Interessenten erreichbar bleiben wollte, auch mit Säugling. Fluch und Segen in einem.

Aber ich schaffe es ganz gut, im Urlaub einfach mal nicht drauf zu schauen und eine Abwesenheitsnotiz einzustellen. Auch habe ich eigentlich keine Spiele drauf. Ich nutze mein Smartphone als Kalender, To Do Liste und für Emails – und für Audible, denn ich liebe Hörspiele.

Keine Frage, doch ein wenig Platz für etwas, was du loswerden möchtest:

Kommt und schaut Euch „Karmen im Nebel“ auf der Cap San Diego an. ☺ Hamburg-Premiere des neuen Stücks am 9.10.2015, www.karmen-im-nebel.de und auch bei Facebook.


Lieblingssong des Moment?

Millionen Lichter von Christina Stürmer – ist schon etwas älter, aber der Song macht sofort gute Laune.

Lieblingssong forever?

Groovy Kind of Love von Phil Collins.
Ich bin und bleibe ein treuer Fan seit Kindertagen. Und dieses Lied – so schlicht es auch ist – birgt für mich große Emotionen. Es erinnert mich zum Beispiel an meinen ersten Engtanz. Und gerade die Schlichtheit zeigt mir, dass Liebe ganz einfach und doch tief ist.

Drei Plätze, die man sich in Hamburg unbedingt angeschaut haben sollte:
  1. 1. Die Schanze, denn dort pulsiert das Leben. Wer darüber nachdenkt, nach Berlin zu ziehen, kann sich hier das schonmal in klein angucken. Ich möchte dort nicht wohnen, aber ich gehe gern dort mal einen Kaffee trinken oder was essen.
  2. All die kleinen Parks, Naherholungsgebiete und Schrebergarten-Vereinsanlagen der Stadt. Ich finde es so schön, dass Hamburg so grün ist. Und ich bin lieber an kleinen, versteckt-lauschigen Plätzen, als zum Beispiel im Stadtpark, wo man vor Leuten manchmal kaum treten kann. Farmsen ist ein toller, grüner Stadtteil und wir fahren hier gerne alle zusammen Fahrrad.
  3. Meinen Garten – aber der ist nur für Privatvorführungen geöffnet ☺
Möchtest du noch jemanden grüßen, hier ist Platz dafür:

Tim Koller, einen lieben Kollegen und Freund, ohne den es „Karmen im Nebel“ nicht geben würde. Danke, Tim!

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