Nela Quandt. Hamburger Menschen #88

Nachhaltigkeit ist wichtig und sollte mitlerweile fast selbstverständlich sein. Ist es aber noch nicht, deswegen ist es toll, dass es Mensc...

Nachhaltigkeit ist wichtig und sollte mitlerweile fast selbstverständlich sein. Ist es aber noch nicht, deswegen ist es toll, dass es Menschen gibt, die es einfach tun und noch schöner wird es, wenn diese Projekte auch Herzensprojekte der Menschen sind. Nela ist so ein Mensch die Sachen umsetzt, die nicht nur die Käufer, sondern auch die Prouzenten glücklich machen. Zudem kennt sie Hamburg sehr gut und hat eine Menge schöne Tipps für euch in der heutigen Ausgabe der Serie "Hamburger Menschen":

Wer bist du?

Ich bin Nela. Heute Quandt, vor 5 Jahren noch Pivic. Ich bin Mutter von 2 tollen und anstrengenden Kindern und Gründerin des nachhaltigen Labels bosnanova.


Woher kommst du?

Ich bin waschechte Hamburgerin, mit Leib und Seele. Meine Eltern kamen vor – ich muss lügen – 45 Jahren aus Bosnien, damals Jugoslawien, als Gastarbeiter her.

Seit wann bist du in Hamburg?

Seit dem 10.02.1977

Erzähl mal von deinem Beruf?

Ich bin Gründerin, ein Startup, Entrepreneurin, Unternehmerin. Ich weiß immer nicht so recht, was am richtigsten ist. Ich habe vor 3 Jahren ein Label gegründet – bosnanova. Das heißt wörtlich übersetzt „neues Bosnien“, meine Eltern kommen aus Bosnien. Ich produziere mit bosnanova selbstentworfene Design(Kinder)möbel, Spielsachen und Accessoires. Alle Produkte werden zu 100% aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt: die Möbel aus hochwertigem und zertifiziertem Laubholz, die Spielsachen und Accessoires aus Wolle und Baumwolle. Die gesamte Produktion findet in Bosnien&Herzegowina statt, in Kooperation mit familiären Tischlereimanufakturen und mit Frauenvereinen. bosnanova ist mein Herzensprojekt. Ich möchte damit zurück zum Ursprünglichen, Handwerklichen, Natürlichen – weg von Massenware, Ausbeutung, Industrie. Und ich möchte in Bosnien Arbeitsplätze schaffen. Ich hatte großes Glück, dass meine Eltern nach Deutschland auswanderten und ich mit meinen beiden Brüdern hier aufwachsen durfte. Uns ging es immer gut und wir waren weit weg vom Krieg. Ich hatte immer das Bedürfnis irgendetwas zurückzugeben, was Nachhaltiges. Das versuche ich nun mit bosnanova.

Momentan habe ich eine Crowdfunding Kampagne laufen auf Nordstarter (nordstarter.org/bosnanova) und Starnext (startnext.com/bosnanova). Ich habe sehr viel Lehrgeld bezahlt im ersten Jahr meiner Gründung und von Beginn an kein wirkliches Budget für Marketing gehabt. Damit es aber mal irgendwann richtig losgehen kann, brauche ich diese Kampagne – alleine schaffe ich es nicht, schon gar nicht mit zwei kleinen Kindern. Ich brauche entweder Budget, um mir professionelle Hilfe einkaufen zu können oder einen starken Partner/Investor. Darüber denke ich jetzt nach. Ich wünsche mir, dass es irgendwann läuft und neben mir noch etwa 30 weitere in Bosnien davon leben können. Ich arbeite weiter dran.


Was wäre deine Job, würdest du nicht das machen, was du jetzt machst?

Ich mache den Job, den ich machen möchte! Nebenbei mache ich noch ein paar andere Sachen, mit denen ich mein Geld verdiene, denn bisher ist bosnanova reine Investition.

Was machst du, wenn du nicht arbeitest?

Arbeiten! ☺ Ehrlich, ich habe eigentlich keine Freizeit. Ein Job zum Geldverdienen, ein riesiges Herzensprojekt, Mann und zwei kleine Kinder. Meine Tochter ist 5, mein Sohn gerade mal 9 Monate. Ich würde sagen, ich schufte rund um die Uhr. Ich hoffe, dass sich das mal legt. Ich würde so gerne mal wieder ein Buch lesen. Oder zumindest ein paar Seiten darin.


In welchem Stadtteil von Hamburg lebst du?

Im wunderschönen Grindelviertel. Durch die Nähe zur Uni ist es doch recht bunt und locker und hat mit dem Pöseldorfer Harvestehude ein Glück nicht so viel gemeinsam. Wir fühlen uns da sauwohl.

Möchtest du nochmal in einem Anderen wohnen?

Nö.

Wo würdest du dein Traumhaus bauen?

Wenn ich nicht ans Geld denken müsste?!? Dann hätte ich gerne so eine „Hamburger Kaffeemühle“ mit viel Garten und den nächsten Nachbarn gerne paar Meter weiter. Vielleicht auf der Ecke Eimsbüttel/Lokstedt.

Ist Hamburg für dich Kulturstadt? Was macht sie dazu?

Absolut! Hier gibt es alles und für jeden! Konzerte, Lesungen, Theater, Sportevents, Messen, Märkte. Ich meine, es ist völlig egal, was man mag: hier findest Du es.

Was würdest du ändern, wenn du Bürgermeister wärst?

Ich würde mehr Flüchtlinge integrieren, mittendrin. Ich würde Laternen auf Spielplätze stellen – im Winter wird es um 3 dunkel! Was macht man mit den Kids den ganzen Tag?!? Und ja, das ist ein Luxusproblem in meinen Augen. Aber: ich würde mal einen ordentlichen Spielplatz an die Alster stellen, auf die Westseite, wo die großen Wiesen sind. Ich kann nicht verstehen, warum es den nicht schon längst gibt. Halb-Hamburg geht da am Wochenende spazieren, selbst eine Hundewiese gibt es. Aber keinen Spielplatz mit Bänken wo man mit Kindern einfach mal nett abhängen kann. Die haben nämlich kein Bock um die ganze Alster zu spazieren …

Warum Hamburg und nicht Istanbul, Berlin oder New York?

Naja, ich bin hier geborgen. Ich bin eine Hamburger Deern, sozusagen. Zum studieren war ich am Bodensee und in Stuttgart. War schön, aber ich wollte auf jeden Fall zurück. Berlin ist mir zu groß und nicht grün genug. Ich mag es etwas gediegener und weniger Hipp. Istanbul und New York stehen gar nicht zur Diskussion. Hamburg ist für mich die schönste Stadt der Welt. Neben Kapstadt muss ich sagen. Aber danach hast Du ja nicht gefragt ;-)

 
Alster oder Elbe?

Beides. Ich wohne im Grindelviertel, da liegt Alster mal eben umme Ecke. Aber Elbe finde ich persönlich interessanter. Wobei bei schönem Wetter beides überlaufen ist, wenn man jetzt von der „Strandperle“ ausgeht. Wir fahren ganz gerne mal raus nach Wittenbergen. Oder an den Strand Finkenriek an der Süderelbe.

Wie viele Stunden am Tag ist dein Smartphone an?

16. Wenn ich schlafen gehe, mache ich es aus.

Lieblingssong des Moment?

Das Abendlied von Matthias Claudius. Mein Sohn ist 9 Monate alt, ich singe es ihm immer vor. Und vor 5 Jahren habe ich es meiner Tochter vorgesungen. Es ist ein wundervolles Lied, ganz besonders den Part: „Seht ihr den Mond dort stehen. Er ist nur halb zu sehen und ist doch rund und schön. So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn“. Ist das nicht wahr?

Lieblingssong forever?

Alles von Tracy Chapman. Mit ihren Liedern bin ich groß geworden und sie kann ich immer hören. Da gibt es kein „Verjährt“. Das gleiche Gilt für meinen kroatischen Lieblingssänger Oliver Dragojevic. Seine Lieder handeln meist von Meer und Wind und sind sehr tiefsinnig. Ich liebe Oliver!

Drei Plätze, die man sich in Hamburg unbedingt angeschaut haben sollte:

Altes Land & Harburger Berge auf jeden Fall! Ich bin in Hausbruch aufgewachsen, zwischen dem Alten Land und den Harburger Bergen. Obwohl Neuwiedenthal, der Stadtteil in dem ich meine ersten 19 Jahre gelebt habe, ein Arbeiterviertel ist, ist es dort sehr grün und eben eingebettet in wundervolle Natur. Riesige Obstbaumfelder auf der einen Seite und hügeliger Wald auf der anderen. Durchs Alte Land bin ich als Kind immer mit dem Fahrrad gefahren und im Wald haben wir Störtebeker‘s Schatz gesucht. Leider nie gefunden. Und als dritten Plätz: Planten Un Bloomen. Hier sitze ich gerne im Sommer in den gemütlichen großen Holzsesseln am Wasser und lese oder arbeite. Man kann sich so gut „zurückziehen“ und hinter den vielen Blumen und Pflanzen verstecken.

Möchtest du noch jemanden grüßen, hier ist Platz dafür:

Ich war vor einigen Tagen auf der brand eins Konferenz. Es gab viele interessante Gäste, die von sich und ihrere Arbeit erzählten. Unter anderem Jungunternehmer Tarek Müller und die tunesische Unternehmerin Amel Karboul. Mit Euch würde ich gerne mal ein Bierchen oder Tee trinken! Ihr habt mich sehr inspiriert, ermutigt und berührt.


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