Henriette, Jette, Wegner, Hamburger Menschen #66

Heute finde ich keinen richtigen Anfang diese Person zu beschreiben, deswegen geht es mit den Fakten los, wir haben uns im Juni diesen Jahr...

Heute finde ich keinen richtigen Anfang diese Person zu beschreiben, deswegen geht es mit den Fakten los, wir haben uns im Juni diesen Jahres auf einer Surf & Yoga Reise von Driftwood Travelling kennengelernt (Das neueste Projekt aus dem Hause sind übrigens die Waterkant Touren: Einblicke und Geschichten an Hamburgs Ecken abseits von Barkassen und Doppelstockbussen mit einem VW Bus und in einer kleinen Runde.). 

Jette, mein heutiger Gast der Reihe Hamburger Menschen, war mit ihrer, nur wenige Monate alten, Tochter angereist. Und brachte uns gemeinsam mit ihrer Studiopartnerin Sophia jeden Morgen mit 1,5 Stunden Yoga in den Tag und noch besser vorbereitet auf das Surfbrett. Sie strahlt eine unglaubliche Ruhe aus, wie man es von einer Yogalehrerin vielleicht erwartet und doch war sie das absolute Gegenteil von dem, wie ich mir bis zu dem Tag vorurteilshafterweise Yogalehrer vorgestellt habe. Und weil ich sie von Anfang an toll fand, war ich irgendwie inspiriert und bin dabei geblieben und auch hier in Hamburg (mal mehr, mal weniger) regelmäßig in ihrem Yogastudio Monkey Mind Yoga zu Gast – schon vor dem Interview: danke dafür Jette! Weil sie selbst viel besser von sich erzählen kann (und ich bin mir sicher, ihr wisst danach warum ich so schwärem), los geht es:

Wer bist du?

Wow, das ist ungefähr eine der heikelsten Fragen, die man einer Yogalehrerin stellen kann ... denn darum geht's doch, oder? Wer bin ich wohl? Neben all den erlernten Rollen, Facetten, Spleens, Neurosen, Überzeugungen und nicht zu vergessen: den Verhaltens- und Denkmustern ...
Und offensichtlich bin ich jemand, der Aufzählungen liebt inklusive merkwürdiger Einstiege in Interviews ...
Sollten mir aber nur zwei Worte zur Beschreibung meiner Person zur Verfügung stehen, wären dies: Naschkatze & Tänzerin!



Woher kommst du?

Das ist ungefähr eine der heikelsten Fragen, die man einer ... nee, Quatsch!
Geboren und gross geworden bin ich in Rostock. Dort gibt es einen wahnsinnig schönen Ostseestrand, und ihm verdanke ich meine tollsten Kindheits- und Jugenderinnerungen. Allerdings trage ich schon immer eine nennenswerte Portion Fernweh mit mir herum, und die rüttelt von Zeit zu Zeit an meinem Herzen, damals wie heute, und dann heißt es Koffer packen und los.

Seit wann bist du in Hamburg?


Nach Hamburg brachte mich ein Praktikum bei einem Fotografen, und das ist jetzt schon ganze 14 Jahre her. Wow, dafür, dass ich nach einem halben Jahr eigentlich gleich weiterziehen wollte, ist doch eine ganz schön respektable Zeit die Elbe runter geflossen ... jetzt sind ja angeblich eh alle nach Berlin gegangen, darum kann man doch eigentlich auch einfach hier bleiben. Ist doch eh die schönste Stadt Deutschlands, oder?
Erzähl mal von deinem Beruf?

Ich betreibe mit meiner zauberhaften Partnerin Sophia Lenz das Yogastudio Monkey Mind Yoga in Eimsbüttel. Dort kann man erstklassiges Yoga kaufen, zubereitet von unserem fantastischen Lehrerteam. Ab und zu steh ich da natürlich auch selbst auf der Matte, und erzähle was vom richtigen Atem und Om Shanti und so ... auch wenn das jetzt  vielleicht etwas profan rüberkommt: es macht tierisch viel Spass, ist sinnvoll & erfüllend. Mir wird nur manchmal ein gewisses, feingeistig durchdrungenes Auftreten von einigen Vertretern der Szene zu viel. Denn nur weil man Yoga unterrichtet, heißt es noch lange nicht, dass man automatisch ein besserer, weil bewußterer Mensch ist, oder das man den Schlüssel für alle Rätsel und Aufgaben unseres komplizierten Daseins parat hat.




Was wäre deine Job, würdest du nicht das machen, was du jetzt machst? 

Gute Frage ... ich hätte wohl Meeresbiologie studiert, und würde jetzt auf den Philipinen oder vor der Küste Australiens Korallenriffe retten und beschützen. Ich würde jede frisch geschlüpfte kleine Schildkröte einzeln von ihrem Nest im Sand ins Meer tragen und dafür sorgen, dass niemand, absolut niemand! den Kleinen was antäte. Damit hätten wir dann wahrscheinlich eine Überpopulation an Meeresschildkröten, das ganze Ökosystem wäre im Ungleichgewicht und ... wie gut, das ich Yoga unterrichte! Archäologin wäre ich auch gern, aber nur wenn ich was spannendes ausgraben dürfte, sonst wäre das ja total öde. Oder ich wäre Tänzerin in der Pina Bausch Company und würde auf den Bühnen dieser Welt auftreten, oder ich würde Oliven anbauen, und als Familienbetrieb ganz edles Olivenöl herstellen, um das sich dann alle Chefköche der Welt reißen würden. Und wir säßen alle zusammen an einer riesigen langen Tafel vor unserem Haus, würden exzellent speisen und trinken und uns über Gott und die Welt unterhalten. Natürlich vor dem malerischen Bild der untergehenden Sonne. Logisch.

Was machst du, wenn du nicht arbeitest?

Dann versuche ich seit Neuestem (ca. einem Jahr) meine Tochter zu bändigen, ein völlig zum Scheitern verurteiltes Unterfangen, gehe am Meer spazieren, blättere in völlig überteuerten Architekturzeitschriften, und schau mir all die Dinge an, die ich mir nicht kaufen werde. Oder ich esse Chips vorm Fernseher und schau die Olsenbande.

Bild: Yvonne Schmedemann


In welchem Stadtteil von Hamburg lebst du?

St. Paulihiiii. St. Paulihiiii! Talstraße.

Ist leider ein bisschen zu viel St. Pauli mittlerweile. Touristenhorden, die sich unter unserem Schlafzimmerfenster  gruppieren, und animiert vom Kiezführer zum hunderttausendbillionsten Mal „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins ...“ schmettern. Es ist immer später als halb eins, immer schief und immer schlimm. Es gibt wahnsinnig fertige Leute dort, aber auch echt die schrägsten, skurillsten Typen. Ich kauf Windeln beim Budni, die falschen Perlen ihre Beautyprodukte, und auf der Straße erzählt mir eine Dame aus heiterem Himmel, dass ihre kleine Schoßhündchenbande unseren Briefträger angefallen hat und sie 20€ zahlen musste. Nachdem sie sich die Wunde hat zeigen lassen, ist sie zu der festen Ansicht gelangt, dass unser Briefträger eine Heulsuse ist, und die kleine Bisswunde höchsten 5€ wert war ... I love it!
Möchtest du nochmal in einem Anderen wohnen?

Nope. Wenn, dann schon so richtig weit weg. Raus aus St. Pauli, Hamburg, Deutschland ... eher so.
 

Wo würdest du dein Traumhaus bauen?


Mein Traumhaus steht logischer Weise am Meer, mit viel privatem Besitz (hehe) drumherum, es duftet nach Pinien, man kann Feigenbäume pflanzen und mindestens 9 Monate  im Jahr mit T-Shirt und Schlappen an den Füßen draußen sein. Es gäbe einen Esel ... und eine Schildkröte.


 
Was macht Hamburg für dich zur Kulturstadt #1?

Kultür? Mit dem ganzen, von Hamburg Marketing angepriesenen Reeperbahntrash, Musicalentertainment  samt Elbphilamoniedisaster kann von Kultur ja wohl nicht die Rede sein! Aber ich darf den Mund nicht zu voll nehmen, ich mach nämlich gar nicht mehr mit beim „kulturellen Leben“.  Ich geh nur gelegentlich in den Pudelz, ab und zu in die Deichtorhallen, oder hol ne Pizza (haha, Kultur!) bei Slim Jim. Mein letztes Konzert ... ich kann mich nicht erinnern. Au Backe.


Was würdest du ändern, wenn du Bürgermeister wärst? 

Den Job will man ja wirklich nicht geschenkt bekommen. Ich versuche es mal. Zu allererst: Das Leben selbst billiger machen. Mieten, gesundes Essen, und ganz klar autofreie Zonen einrichten. Man kann so prima alles mit dem Fahrrad erledigen. Der Verkehr nervt kollossal, absurd, diese Blechlawinen jeden Tag. Dabei fällt mir ein, ich würde auch vorgeschriebene Fahrtrichtungen für Fahrradfahrer abschaffen, und vielleicht mal nen anderen Architekten als Hadi Teherani engagieren. Ich würde in den Clubs eine Quote für Hiphop gesetzlich vorschreiben, Elektro my ass und jedes Flachdach zur Umrüstung eines Garten oder einer Miniparkanlage frei geben.

Warum Hamburg und nicht Berlin oder New York? 

Ja warum eigentlich nicht Berlin? Ich hab gehört, da soll es ja richtig abgehen. Total fresh, innovativ, pulsierend ... und New York erst!
Alster oder Elbe? 

Auf alle Fälle Hafenrundfahrt auf der Elbe. Die muss einfach alle paar Monate mal sein. So richtig schön mit dem Kutter, flotten Sprüchen und Gischt im Gesicht.

Wieviel Stunden am Tag ist dein Smartphone an?  

Früher musste man mir die Dinger eher aufdrängen. Aber ja, mittlerweile mach auch ich mal mit meinem Telefon ein Foto und schau schnell was im Internet nach. Dann muss ich mir aber immer von meinen multimedial affinen Mitmenschen „Siehste. Siehste. Siehste!“ anhören. Aber ehrlich gesagt, könnte ich auch gut & gerne darauf verzichten. Ich fotografiere lieber mit ner analogen Kamera, schau auf Stadtpläne, die man nie wieder ordentlich zusammen falten kann und rede am liebsten mit Leuten von Angesicht zu Angesicht.


Keine Frage, Platz für deine Antwort oder was du loswerden möchtest: 

Kommt jetzt sehr Yogalehrermäßig rüber, aber ich wünschte wir würden einfach viel freundlicher zueinander sein. Wir haben es nämlich ganz gut gertroffen mit unserem Leben hier, ich versteh die Unzufriedenheit, das Genervtsein und das Ich-allein-zähle-Getue nicht. Also mein Aufruf:

Verschwende deine Freundlichkeit an die Anderen – egal ob verdient oder nicht. Mit so einem kleinen authentischen Augenzwinkern durch den Alltag schlürfen, das wär mal was!




Lieblingssong des Moment? 

Och, immer schwierig ... aber vielleicht dieser hier: òlafur Arnolds „Tomorrow´s song“.


Lieblingssong forever? 

Da gibts natürlich auch einige, aber um einfach mal einen Song da rauszufischen, et voilà:

The Roots feet Erykah Badu mit „ You got me“.


Drei Plätze, die man sich in Hamburg unbedingt angeschaut haben sollte:
  • Ich verfahre mich zwar dort immer regelmäßig und Schweiß gebandet kann ich die Umgebung gar nicht genießen, weil ich jeden Mal denke, jetzt JETZT komm ich wirklich nie nie wieder hier raus: Der Freihafen!
  • Planten un Blomen. Ich hab den Park schwanger und mit Baby echt lieben gelernt ...
  • und dann unbedingt in der Sonne sitzend vor dem Café Johanna.


Möchtest du noch jemanden grüßen, hier ist Platz dafür: 

Still loving the Sophizi, so toll das du an meiner Seite bist. Danke für deine Unterstützung!


Bild: Yvonne Schmedemann

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