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Florian Fleischer. Hamburger Menschen #67

Vor genau einem Jahr, es weihnachtete, stand der heutige Gast der Serie Hamburger Menschen in meiner Heimatstadt, in der Stammkneipe, in der Eingangstür vor mir. 'Kannte ich ihn nicht aus Hamburg? 380km entfernt haben wir uns doch schon öfter auf Konzerten gesehen. Seh ich hier, im beschaulichen Gladbeck richtig?' - Die Lösung, Florian kommt, genau wie ich aus dem Ruhrgebiet und lebt nun in Hamburg und ... ach, das erzählt er am besten selbt, viel Spaß mit dem fröhlichen Gesellen:

Wer bist du?

Ich bin Flo, 26 Jahre alt, Drilling, Musiker, Vielreisender mit dem fehlenden Händchen für körperfreundliche Terminorganisation und mache das, was eigentlich doch gar nicht geht, nämlich in Hamburg UND Berlin wohnen und beides auch noch unverschämter Weise gut finden!

Ausserdem hab ich auch mal was studiert, nämlich Gitarre spielen.

Bildcredit: Anna Schrödter

Woher kommst du?

Geboren bin ich im Pott also im Ruhrgebiet.  In Bottrop. Ja ... dort wo der Movie Park ist, der ist zwar in Bottrop-Kirchellen, was eigentlich ein Dorf in der Stadt ist, aber trotzdem eins der ersten Dinge zu denen ich befragt werde, wenn es um meine Herkunft geht. Zur Schule gegangen bin ich dann in Gladbeck, wo ich hastig nach dem Abitur meine ersten eigenen vier Wände bezogen hab. Das war aber nur ein kurzes Stelldichein. Zum Studium bin ich erst einmal in die Niederlande gezogen zum Gitarre üben, Niederländisch lernen und um festzustellen, dass Einfachverglasung wirklich nicht so toll ist. Dann gings nach Berlin/Weimar, Weimar, Weimar/Berlin und dann Hamburg. Ich bin ein grosser Freund der Zweitwohnsitze, was eigentlich nur eine Ausrede dafür ist, dass ich mich oft nicht entscheiden wollte in welcher Stadt ich nun mehr sein möchte.


Seit wann bist du in Hamburg?

Seit Juli 2013. Zumindest haben wir dann angefangen unser 106hz-Studio zu renovieren.

 
Bildcredits: Christian Seeling

Erzähl mal von deinem Beruf?

Ich bin Gitarrist. Spiele in verschiedenen eigenen Projekten und denen anderer feiner Menschen, spiele für Theater, unterrichte ab und an, springe als Ersatz ein oder nehme im Studio auf. Beim Musik machen geht’s mir gut, da ist es mir egal ob ich mit der Popband, meinem Avantgarde-Jazz-Trio oder mit einem Elekto-Improvisations-Kollektiv, oder mal eine Hochzeit spiele.

Da man ja nicht nur eine Sache macht singe ich, spiele ab und an Saxophon, komponiere Musik, für und mit anderen oder auch wenn ich die Zeit finde für mein eigenes kleines „Flo-Fleischer-macht-alles-allein-vor-allem-weil-er-gerne-Schlagzeug-spielt-und-singt!“-Projekt. Schon praktisch ein Studio im Haus zu haben.

Da ich ständig auf Achse bin und öfters an einem Tag in 3 bis 4 Städten arbeite, warte ich auf den Augenblick, an dem die Deutsche Bahn mich am Hauptbahnhof auf der Rolltreppe abfängt, ich Hände schütteln muss ein Pressefoto gemacht und mir die Goldene Bahncard 1000 überreicht wird für das Rumgefahre kreuz und quer durch die Republik, gemeinsam mit so einem komischen Nackenkissen.

Bildcredits: Christian Seeling

Was wäre deine Job, würdest du nicht das machen, was du jetzt machst? 

Hm ... Es gab da mal diverse halb ernst gemeinte Vorhaben stattdessen Psychologie oder Medizin zu studieren um in die Fussstapfen der Familie zu treten. Dafür hätte ich mir vorher aber ein angemessenes Abitur zulegen müssen. Ich hab irgendwann nicht mehr viel anderes gemacht außer Musik.

Ernst gemeinter war das Vorhaben mit 15 an eine andere Schule zu wechseln und gleichzeitig Abi und eine Kochausbildung zu machen, es gab aber nur Tischler und Schneider zur Auswahl und das wollt ich nicht. Hätte das geklappt, wäre ich wohl Koch geworden.


Was machst du, wenn du nicht arbeitest?

So richtig nicht arbeiten gibt’s nicht. Wenn ich nicht Gitarre spiele, oder im Studio häng, sitz ich im Zug zum Gig und komponiere oder mach irgend etwas was mit der Arbeit zu tun hat, zum Beispiel Rechnungen schreiben.

Ansonsten nützliches wie Kochen, am liebsten für andere Leute und gern ausgefallen und Vegan, gleichzeitig die Küche einsauen (fehlende Ausbildung you know). Lesen geht auch unterwegs. Sport nehm ich mir oft vor, und wenn es denn klappt gehen wir zum Badminton, Schwimmen oder Beachvolleyball. Im Winter auf jedenfall aufs Snowboard und in die Berge und diesen Oktober war ich zum ersten und hoffentlich nicht letzten Mal surfen. (Könnt ihr hier sehen und hören)

Bildcredits: Christian Seeling
In welchem Stadtteil von Hamburg lebst du?

 Im Uhlenhorst.


Möchtest du nochmal in einem Anderen wohnen?

Gerne! Ich könnt mir Altona oder St. Pauli gut vorstellen. Am liebsten jedenfalls mit Wassernähe und gerne wo was los ist. Ich mag Gegenden, wo Clubs und Kneipen fussläufig erreichbar sind.


Wo würdest du dein Traumhaus bauen?

Darf man auch zwei Traumhäuser haben? Mit einem komme ich nicht aus. Das eine wäre ein riesiges altes Fabrikgelände in einer Grossstadt, in Hamburg wäre das vielleicht direkt auf dem Altonaer Balkon mit Tonstudios, grüner Wiese und Grillplatz in der Mitte, Pool und unfassbar viel Wohnfläche für ganz viele andere Menschen. Das zweite wäre eine kleine Hütte mitten auf einem Berg in der Schweiz, wo nur zwei Leute pennen können, mit Vorräten für etwa 100 Jahre, einer Gitarre und all meinen Büchern.


Was macht Hamburg für dich zur Kulturstadt?

Die Menschen hier. Das sich viele Leute nicht auf ein angebotenes Kulturprogramm verlassen, sondern sich selbst schöne neue Veranstaltungen, Partys oder mal einen Essensaustausch im Cafe um die Ecke organisieren.

Ausserdem ist die Konzentration von feinen Menschen mit schönen Ideen und tonnenweise positiver Energie in dieser Stadt und in meiner Umgebung erschreckend hoch.

Bildcredits: Christian Seeling

Was würdest du ändern, wenn du Bürgermeister wärst?

Wenn ich könnte, die Bahnkosten von Hamburg nach Berlin per Direktbeschluss auf Umsonst senken oder generell die Bahn kostenfrei machen, ach Moment es ging ja um Bürgermeister nicht um Bundeskanzler oder dergleichen.

Auf jeden Fall diese Lärmbeschränkungen lockern oder für Liveclubs aufheben und haufenweise Kunstsubventionen verteilen. Ausserdem Mindestgagen für Musiker. Und dieses Flaschenverbot an der Reeperbahn ändern, Getränke aus Plastikbechern schmecken nicht. Vielleicht dafür lieber Pfandeimer neben die Mülleimer stellen.

Dann schnell das Amt niederlegen, damit jemand anderes ausbügeln kann, was ich noch so als Bürgermeister angerichtet habe, wer weiss was mir da noch einfällt.

Eigentlich möchte ich nicht Bürgermeister sein.


Warum Hamburg und nicht Berlin oder New York?

In New York war ich noch nie, könnte mir aber nicht vorstellen dort zu wohnen, dafür mag ich Europa zu gern. Und tja ...  Hamburg oder Berlin? Ich nehm einfach beides!


Alster oder Elbe?

Elbe. 


Wieviel Stunden am Tag ist dein Smartphone an? 

24h! Neuerdings versuche ich zumindest beim Schlafen an den Flugmodus zu denken.


Keine Frage, doch ein wenig Platz für deine Antwort oder was du loswerden möchtest:

Kauft wieder CDs und Platten ...  Macht doch auch mehr Spass.

Bildcredits: Anna Schrödter

Lieblingssong des Moment?

Die Tage saß ich in so einem Carsharing-Auto und wollte grad aussteigen, als im Radio „Everything In Its Right Place“ von Radioheads Kid A kam. Ich hab einfach noch ein paar Minuten weiter gezahlt um den Song noch weiter zu hören und dann Zuhause direkt noch 3 mal.

Und dann kickt mich grad immer noch „Hey Now“ von London Grammar, sowie „But we did“ von Thomas Dybdahl und und und ... und ich kann mich nicht entscheiden.


Lieblingssong forever?

Den einen Song gibt es für mich eigentlich nicht. Es begleiten mich einige Stücke und Alben schon seit Jahren. Zum Beispiel Gently Disturbed von Avishai Cohen, Joga von Björk, Love me tender von Der rote Bereich, To be Strong von den Beatsteaks, Darn that Dream auf Intuit von Kurt Rosenwinkel, die Esbjörn Svensson Trio Live in Hamburg CD da vor allem Behind the Yashmak ... Das geht leider ewig weiter ...  Das einzige was dem ganzen vielleicht nahe kommt ist Gimme Shelter von den Rolling Stones, das hab ich schon als  6-jähriger beim Legobauen gehört und wenn die Backgroundsängerin den Refrain übernimmt, die Stimme kurz bricht weil sie nochmal eine Oktave drauflegt, krieg ich selbst nach 20 Jahren immer noch Gänsehaut und ein  Dauergrinsen.


Drei Plätze, die man sich in Hamburg unbedingt angeschaut haben sollte:


Möchtest du noch jemanden grüßen, hier ist Platz dafür:

Na alle von 106hz. Und speziell den Julius, weil ich wegen ihm mit nach Hamburg gezogen bin und der mich wenn ich in Hamburg bin zwingt früh aufzustehen, weil er mich weckt oder ich ihn wecken muss um gemeinsam zu schreiben, proben oder auf Tour zu fahren.

Bildcredits: Christian Seeling

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