Björn Hansen. Hamburger Menschen #56

Während bei jedem normalen Konzert die Besucher das passive Publikum sind, das es zu überzeugen gilt, ist es bei der Fahrraddisko etwas ...

Während bei jedem normalen Konzert die Besucher das passive Publikum sind, das es zu überzeugen gilt, ist es bei der Fahrraddisko etwas anders: Erst das Publikum selbst sorgt - auf den Fahrrädern in die Pedale tretend – für die Energie, die der Künstler dem Publikum durch seine Performance zurückgibt. Ein Kreislauf, bei dem der Künstler auf den Goodwill des Publikums angewiesen ist. 

Diese Einleitung gibt es, damit ihr wisst, wie es zu dem heutigen Gast der Serie Hamburger Menschen gekommen ist – ich habe ihn quasi auf dem feststehenden Fahrrad kennengelernt. Denn man muß nicht sein eigenes Fahrrad mitbringen. Schaut einfach mal vorbei, zum Beispiel bei der Fahrradisko Vol.3 am 24. Oktober im Hamburger Bunker. Nun gibt es erstmal mehr von Björn Hansen. Also los, wer bist du?

Ich bin Björn Hansen. Südlich der Elbe bescheinigt man mir, dass dies ein echt norddeutscher Name sei. Man behauptet auch, dass man mir meine Herkunft anhören würde. Das halte ich für ein Gerücht.

Woher kommst du?


Ich bin in Hamburg geboren. Dann habe ich meine ersten Lebensjahre und Jugend im Speckgürtel (vor allem in Elmshorn) verbracht und nach Ende der Schulzeit, war ich wieder hier. Nun lebe ich in einer ruhigen Straße, mitten auf St. Pauli.



Seit wann bist du in Hamburg?

Ich bin in Hamburg geboren. Dann habe ich meine ersten Lebensjahre und Jugend im Speckgürtel, vor allem in Elmshorn verbracht und nach Ende der Schulzeit, war ich wieder hier. Nun lebe ich in einer ruhigen Strasse, mitten auf St. Pauli.

Erzähl mal von deinem Beruf?

Ich würde sagen dass ich Unternehmer bin, denn dass was ich mache, ist vielfältig und manches passt nicht so richtig in eine Schublade. Zu allererst habe ich mich – nachdem ich mit meinen Versuchen im Bereich Musikbranche bzw. Musikproduktion gescheitert war - mit einem Schulfreund eine Filmproduktion gegründet.  Seit 2006 lebe ich davon. 2012 haben wir dann ausserdem ein Filmnachbearbeitungsunternehmen gegründet. Zusätzlich habe ich mich schon immer im Bereich Nachhaltigkeit engagiert. Das wollte ich professionalisieren, weil mich diese ganze Verzichtsdebatte und der erhobene Zeigefinger der Ökos genervt haben. Also haben wir (mein Partner aus der Filmproduktion und ich) gemeinsam mit den Umweltverbänden BUND und Robin Wood in unserer Heimat die Morgenwelt GmbH gegründet. Die Vision war, Elmshorn mit seinen 50.000 Einwohnern in eine nachhaltige Zukunft zu führen oder zu begleiten. Durch Innovative Konzepte, die gemeinsam mit möglichst vielen Akteuren regional umgesetzt werden sollten. 2010 haben wir die Firma gegründet. Jetzt, nach fünf Jahren Arbeit mit Morgenwelt, hat sich unsere Arbeit gewandelt. Wir sind raus aus der Provinz mit unseren Konzepten und haben unser Portfolio sehr zugespitzt. Ich würde Morgenwelt heute als „Green Events Provider“ bezeichnen. Unsere größte und erfolgreichste Innovation ist dabei Morgenwelt Rocks, bzw. die Fahrraddisko. Wir betreiben – verkürzt gesagt – Bühnen per Muskelkraft. Besucher von Veranstaltungen werden in die Lage versetzt, die benötigte Energie für das Bühnenprogramm auf Fahrrädern in die Pedale tretend, zu erzeugen. Je mehr Energie benötigt wird, desto höher ist der Trittwiderstand auf den Fahrrädern. So schaffen wir einen unmittelbaren Eindruck davon, was eigentlich eine Kilowattstunde ist. Hier schließt sich der Kreis, denn es ist meine Überzeugung, dass man zu allererst einmal ein Bauchgefühl zu der Schlüsselressource Strom herstellen muss, um einen bewussteren und sparsameren Verbrauch damit einfordern kann. Wir fördern also mit unseren Maßnahmen ein tieferes Verständnis für die Notwendigkeiten eines nachhaltigen Lebenswandels. Und dies in einem sehr spannenden Umfeld. Neben unseren eigenen Veranstaltungen, wie beispielsweise der Hamburger Fahrraddisko, sind wir mit unseren Bühnen seit letztem Jahr zum Beispiel auf dem Hurricane Festival vertreten.  Wir waren auch schon auf dem MELT! genauso wie auf Einladung des Goetheinstituts in Istanbul und in Luxemburg. Ich verbinde also meine Leidenschaft für Musik und Festivals mit einem Nachhaltigkeitsanspruch. Mein Traumjob!



Was wäre deine Job, würdest du nicht das machen, was du jetzt machst?

Ich wäre vermutlich etwas klassischer in der Eventbranche unterwegs denke ich. Oder ich würde Spielfilme produzieren.

Was machst du, wenn du nicht arbeitest?

Ich arbeite viel; das ist sicher. Den Sommer verbringe ich auf Festivals. Und ausserdem nimmt meine Familie (ich habe einen anderthalbjährigen Sohn) viel Raum ein. Für mehr ist keine Zeit.

In welchem Stadtteil von Hamburg lebst du?

St. Pauli

Möchtest du nochmal in einem Anderen wohnen?

Nein. Eigentlich nicht. Nur wenn draußen die Hundertschaften am Kinderzimmer vorbei ziehen, weil mal wieder irgendein Konflikt eskaliert, dann überlege ich mir schon, wo man eigentlich Kinder am besten aufzieht ...

Wo würdest du dein Traumhaus bauen?

Am Wasser. Direkt am Wasser. Entweder ein ruhiger See in Schweden, oder an der Ostsee.

Was macht Hamburg für dich zur Kulturstadt #1?

Die Vielfalt der Akteure. Und das komprimierte der Stadt. Wo kann man schon – wie hier – die Hotspots wie Ottensen, Schanze und St. Pauli innerhalb einer Nacht fußläufig erreichen? Da bieten sich einem eine so große Bandbreite, wie ich sie aus anderen Städten nur kenne, wenn man ganz andere Strecken zurück legt.

Was würdest du ändern, wenn du Bürgermeister wärst?

Ich würde mich um bezahlbaren Wohnraum und Baugrund für Familien kümmern und dafür sorgen, dass z.B. in der neuen Mitte Altona nicht das entsteht, was dort nun skizziert ist, sondern ein wirklich aufregendes Viertel. Ausserdem braucht Kultur Raum. Raum wo man auch mal laut sein kann und experimentieren kann. Da läuft ne Menge unter dem Radar; zum Beispiel im Oberhafenquartier, am Kolbenhof oder in Ottensen. Und: Keine Macht den Maklern. Wer die beauftragt, soll sie auch bezahlen. Dann wird sich zeigen, ob man im privaten Bereich für simple Vermittlungstätigkeiten exorbitante Provisionen zu zahlen bereit ist; ich denke nicht!


Warum Hamburg und nicht Berlin oder New York?

Berlin ist mir zu groß, zu hip und zu wenig authentisch. In New York war ich leider noch nicht. Wer lädt mich ein?

Alster oder Elbe?

Elbe. Hafen!

Wieviel Stunden am Tag ist dein Smartphone an?

Immer. Doof, aber ist so. Manchmal ist es leise. Dann rufe ich zurück ;-)

Keine Frage, Platz für deine Antwort oder was du loswerden möchtest:

Ich habe großes vor mit Morgenwelt. Ich möchte das, was ich derzeit mache auf eine neue Stufe heben. Groß, laut und weithin sichtbar. Dafür brauche ich Partner, die an die unbedingte Notwendigkeit der Energiewende glauben, die was bewegen können und bewegen wollen. Und die Risikobereit sind. Bitte melden!

Lieblingssong des Moment?

Morcheeba – Gimme your Love

Lieblingssong forever?

I´m afraid of Americans – David Bowie/NIN

Drei Plätze, die man sich in Hamburg unbedingt angeschaut haben sollte:
  • Oberhafenquartier
  • Kolbenhof in Ottensen 
  • und der Hafen; aber mal südlich der Elbe.

Möchtest du noch jemanden grüßen, hier ist Platz dafür:

Danke. Ich geben den Platz weiter. Der nächste darf zwei grüßen, ok?

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