1300 Meter unter der Erde - im Bergwerk Prosper-Haniel X

Ich hatte das große Glück, vor ein paar Wochen in einen noch aktiven Steinkohlenschacht einzufahren. Der Herzmann und ich packten also unse...

Ich hatte das große Glück, vor ein paar Wochen in einen noch aktiven Steinkohlenschacht einzufahren. Der Herzmann und ich packten also unsere Sachen und machten uns auf den Weg von Hamburg nach Bottrop. Nach einer Einführung durch den Wachschutz über der Erde, fuhren wir gemeinsam mit meiner Familie in den Schacht X Prosper-Haniel ein.
Doch zuvor mussten wir uns umziehen - inklusive Unterhose bekamen wir neue Kleidung. Alles unter Tage muß zu 100% aus Baumwolle sein, synthetische Stoffe sind nicht erlaubt. Dazu bekamen wir eine Grubenlampe und eine Atemmaske für den Notfall.

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Es war faszinierend, großartig und ein Erlebnis, was ich mein Leben lang wohl nicht mehr vergessen werde. Unterirdisch konnten wir keine Bilder machen, doch ich versuche ein wenig zu beschreiben, was ich dort sah.  ...
Nachdem wir mit dem Fahrstuhl 1000m in die Tiefe gefahren waren, ging es mit einer kleinen Bahn unterirdisch weiter bergab. Eine halbe Stunde lang fuhren wir noch eine ganz schöne Strecke, um dann erstmal richtig loszulaufen. 
Ihr denkt es ist unter Tage alles eng, still und kalt? Es ist warm, laut und die Gänge sind groß ausgebaut. 
Weil die Erde nicht still steht, sondern ganz von alleine arbeitet, ist es dort unten nicht eben und geteert, sondern man geht auf erdigen Wegen und ausgelegten Holzbrettern auf und ab. Wir fühlten uns, als würden wir in den Bergen wandern. 
Mit den Grubenlampen leuchteten wir uns den Weg und liefen ca. zwei Stunden unter dem Ruhrgebiet umher und von Schacht zu Schacht.
Zum Abschluß krakselten wir in einen recht kleinen Schacht, der höhstens 1,20m hoch war und sahsen dort direkt am Flöz. Wir sahen die einzelnen Stein- und Kohleschichte, hörten zu wie die Erde hinter uns Geräusche machte und die Männer vom Werkschutz, selbst Bergleute, erzählten uns Geschichten und Fakten. Ein grandioser Moment!

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Seit knapp zwei Jahren bin ich in Hamburg, doch bis dahin habe ich immer in der Nähe von Zechensiedlungen gelebt und die Industrie in meiner Nähe gehabt. So sehr, dass ich sie als gegeben nicht mehr richtig wahrnahm. 
Nun ist es bald vorbei mit den Zechen - 2018 wird das letzte Bergwerk in Deutschland stillgelegt und wir müssen unsere Kohle in Zukunft von anderen Ländern kaufen oder die Energiegewinnung generell ändern. Was das für die Struktur des Ruhrgebietes bedeutet? Das werden wir sehen ... 
Einer der schönsten Momente bei der Einfahrt in den Kohlenschacht, war die Ausfahrt. Gemeinsam mit den Kumpels die von der Schicht kamen, standen wir im Fahrstuhl. Ko und müde, doch voller Witz wurden wir in ihre Gemeinschaft aufgenommen.

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Ruhrgebiet, ich komm aus dir, Ruhrgebiet, du bist in mir.
Glück auf!

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3 Kommentare

  1. Ui... muss bestimmt spannend gewesen sein ...

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  2. Schön geschrieben - Heimat ist halt doch mehr als der Geburtsort auf dem Personalausweis

    Ein anderes Ruhrpott-Mädchen

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  3. Ja, es war ganz toll! Kohle fließt ja nicht, doch es ist eben in meinem Blut. Die Menschen jedes Gebietes haben ihre Eigenarten und Eigenschaften.

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Danke für Deinen Kommentar! :o)

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